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Indien:
Verfolgte Christen brauchen dringend Schutz!
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Seit Ende August 2008 erreichen die Gesellschaft für bedrohte Völker erschreckende Berichte über pogromartige Ausschreitungen gegen Christen in Indien:

Mindestens 50 Christen wurden von Hindu-Extremisten ermordet, viele der Opfer bei lebendigem Leibe verbrannt. Mehr als 4.300 Häuser christlicher Familien gingen in Flammen auf, 115 Kirchen sowie zahlreiche christliche Einrichtungen wie Schulen oder Sozialzentren wurden zerstört oder verwüstet. Besonders schlimm wütete die Gewalt im Distrikt Kandhamal in Orissa, wo mehr als 350 Dörfer angegriffen wurden. So zogen in Bakingia 500 Hindu-Fanatiker unter Drohrufen wie "Indien gehört den Hindus!" zur Kirche des Ortes. Als sich Pastor Samuel Naik schützend vor das Gotteshaus stellte, wurde ihm die Kehle aufgeschlitzt. In Bagarh wurde eine Nonne, in Gdragam ein Behinderter lebendig verbrannt. Priester, Ordensfrauen und kirchliche Mitarbeiter wurden aus Autos gezerrt, zusammengeschlagen, ihre Fahrzeuge in Brand gesteckt. Rund 50.000 Christen flüchteten vor der "Herrschaft des Terrors" in die Wälder oder in eilig errichtete Flüchtlingslager.

Ausgelöst wurden die Gewaltakte durch die Ermordung des extremistischen Hindu-Führers Swami Laxmananda Saraswati am 23. August. Dieser hatte seit Jahren massiv gegen Christen gehetzt und war seit 1989 für mindestens 56 Übergriffe auf Christen verantwortlich, ohne dafür jemals gerichtlich zur Verantwortung gezogen zu werden. Obwohl sich maoistische Rebellen zum Mord an Laxmananda bekannten, nutzen extremistische Hindu-Bewegungen den gewaltsamen Tod des Hindu-Führers, um gegen die Christen zu agitieren. Diese werden nicht nur wegen ihres Glaubens, sondern auch wegen ihrer ethnischen Abstammung verfolgt. Die meisten von ihnen sind Adivasi-Ureinwohner oder Dalits ("Unberührbare"), die seitens "höherer" Hindu-Kasten seit Jahrhunderten diskriminiert und unterdrückt werden.

Weitere Pogrome drohen!

Die GfbV ist in großer Sorge, dass die gegen Christen gerichtete Gewalt in den Wochen vor Weihnachten weiter eskalieren könnte. Sie befürchtet auch, dass es im anlaufenden Wahlkampf – spätestens im Mai 2009 soll in Indien gewählt werden - zu pogromartigen Übergriffen auf religiöse Minderheiten kommen könnte, wie im Jahr 2002, als in Gujarat rund 2000 Muslime ermordet wurden. Auch Asma Jahangir, UN-Sonderbeauftragte für Religions- und Glaubensfreiheit, warnte schon vor Monaten: "Es besteht ernsthaft Gefahr, dass es neuerlich zu derartigen Gewaltausbrüchen kommt, wenn nicht effizient verhindert wird, dass weiterhin religiöser Hass geschürt und Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen politisch ausgenutzt werden."

Doch bis jetzt gibt es keine ernstzunehmenden Anzeichen dafür, dass die indische Regierung bereit wäre, den zunehmenden Hetzkampagnen und Gewaltakten gegen Angehörige religiöser Minderheiten wirksam entgegenzutreten. Sie erklärte die Region rund um Orissa zwar zum Notstandsgebiet, verhängte Ausgangssperren und setzte eine Untersuchungskommission ein. Berichten zufolge beschränkten sich zahlreiche "Polizeieinsätze" aber auf ein stummes Beobachten der Angriffe. Mittlerweile wurden auch aus anderen indischen Landesteilen Übergriffe auf Christen gemeldet, insbesondere aus den von Hindu-nationalistischen Parteien regierten Bundesstaaten Madhya Pradesh und Karnataka.

Werden Sie aktiv!

Bitte appellieren Sie online an den indischen Premierminister Dr. Manmohan Singh: Fordern Sie, dass christliche Gemeinden in besonders gefährdeten Regionen während der (Vor)-Weihnachtszeit Polizeischutz erhalten. Die Regierung muss gezielte Maßnahmen ergreifen, um die Gewalt gegen Christen und andere religiöse Minderheiten zu beenden, die Täter bestrafen und extremistische Organisationen und Parteien, die offen zu Gewalt aufrufen, verbieten!

(Eine Kopie Ihres Appells geht an die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte Navanethem Pillay).

Zum Online-Appell

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Weitere Hintergrundinformationen:

Christen in Indien – doppelt verfolgt

Christen in Indien werden nicht nur wegen ihres Glaubens, sondern auch wegen ihrer ethnischen Abstammung verfolgt. Die meisten von ihnen sind Adivasi (Ureinwohner) oder Dalits ("Unberührbare"). Beide Bevölkerungsgruppen werden seit Jahrhunderten benachteiligt und diskriminiert. Die christlichen Kirchen bieten ihnen jedoch Anerkennung, Respekt, Bildung und die Chance auf ein besseres Leben. So haben sich viele Angehörige dieser benachteiligten Gruppen in den letzten Jahren dem Christentum zugewandt.

Diese Entwicklung wird von radikalen Mitgliedern "höherer" Hindu-Kasten mit Argwohn und zunehmender Gewaltbereitschaft verfolgt. Christliche Lehren von Nächstenliebe und Gleichberechtigung stehen für sie in diametralem Gegensatz zum hinduistischen Kastensystem, das sie selbst begünstigt. Sie wollen verhindern, dass Ureinwohner und Dalits Rechte einfordern, die ihnen auf dem Papier teilweise schon längst zustehen. Denn die indische Verfassung verbietet eine Diskriminierung aus Gründen von Religion, Rasse, Kaste, Geschlecht oder Geburtsort.

Der Konflikt hat aber auch eine wirtschaftliche Komponente: Zum Christentum konvertierte Dalits oder Adivasi profitieren häufig von großzügigen kirchlichen Wohlfahrtsprogrammen, können ihre Kinder in gute christliche Schulen schicken und steigen sozial auf, während ihre Nachbarn aus "hohen" Hindu-Kasten arm bleiben.

Da viele christliche Hilfsorganisationen sich besonders in schlecht entwickelten Regionen wie dem Distrikt Kandhamal für die verarmten und benachteiligten Ureinwohner und Dalits einsetzen und dort Schulen und Krankenstationen errichten, gibt es dort besonders viele Christen. Während im nationalen Durchschnitt nur ca. 2,3 Prozent Christen sind, liegt ihr Bevölkerungsanteil in Kandhamal, dem Schauplatz der jüngsten Gewaltakte, weit darüber.

Gleichzeitig mit dem sozialen Aufstieg der neuen Christen nahmen im vergangenen Jahrzehnt Hasskampagnen und Übergriffe auf sie zu. In Orissa wurden Christen bereits 1999 tätlich angegriffen – damals verbrannten der Missionar Graham Staines und seine beiden Söhne bei lebendigem Leib, als radikale Hindus ihren Wagen in Brand setzten. Zuletzt war es in den Weihnachtsfeiertagen 2007 zu schweren Gewalttaten fundamentalistischer Hindu-Aktivisten gegen Christen gekommen. Damals registrierte der "Allindische Christenrat" mindestens vier Todesopfer, 3.000 Vertriebene, 53 zerstörte Kirchen, fünf niedergebrannte Klöster, sieben verwüstete Kinderheime und über 500 geplünderte und niedergebrannte Häuser.

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