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01. März 2001 Rechtzeitig zu den Olympischen Sommerspielen 2004 will Gastgeber Griechenland die Umgebung der Wettkampfstätten offenbar "romafrei" bekommen. Nachrichten über Zwangsvertreibungen von Roma aus Gemeinden im Großraum Athen, aber auch aus Ortschaften in anderen Landesteilen, häufen sich seit Ende 1999. Sogar das IOC hat bereits gegen eine Zwangsräumung von Roma interveniert, die mit dem Bedarf an Bauland für Sportstätten begründet wurde (vgl. pogrom 208, S. 6). Die Regierung hat 1996 zwar ein Programm zur Besserstellung der Roma verabschiedet, dessen Ausführung aber den Kommunen übertragen. Unwillige Verwaltungsbeamte verschleppen offensichtlich die Umsetzung des Programms.
Im 11. Jahrhundert bereits sollen Roma im Zuge ihrer Wanderung von Armenien nach Westeuropa nach Thrakien gelangt sein. Durch den Lausanner Vertrag (1923), der u.a. die Grenzen zwischen Griechenland und Türkei festlegte, wurden die heute etwa 25.000 westthrakische Roma zur Minderheit innerhalb Griechenlands und erhielten aufgrund ihres muslimischen Glaubens gemeinsam mit den bulgarischsprachigen Pomaken und den Türken den offiziellen Status einer geschützten muslimischen Minderheit. Viele von ihnen sind inzwischen auf der Suche nach Arbeit in die Randgebiete der Ballungszentren abgewandert. Die christlich-orthodoxen Roma kamen als Flüchtlinge aus Ostthrakien, Istanbul und Kleinasien in den 1920er und 1930er Jahren über die Ägäischen Inseln oder Nordgriechenland, und ließen sich am Rande von Dörfern und Städten im ganzen Land nieder. Sie erhielten erst 1979 die Bürgerrechte. Schätzungen über die Gesamtzahl der Minderheit bewegen sich zwischen 120.000 und 300.000. Von der Mehrheitsbevölkerung werden sie meist als "Atsigani" oder abwertend "Gifti" (Gypsies) bezeichnet. Die muslimischen Roma nennen sich selbst auch "Türken".
Typische Erwerbszweige der Roma sind Saisonarbeit als Erntehelfer, Straßenhandel oder - für die Frauen - Arbeit als Haushaltshilfe. Kinder müssen häufig mitarbeiten, um das Einkommen der Familien zu sichern. In größeren Siedlungen gibt es unter Roma auch Kaffeehaus- oder Ladenbesitzer. In Berufen, die eine höhere Schulbildung erfordern, sind Roma dagegen selten zu finden. Wissen, so die Soziologin Sevasti Trubeta, wird traditionell mündlich innerhalb der Familien übermittelt, so dass Schulbildung häufig kein erstrebenswertes Sozialprestige besitzt. Viele Kinder brechen die Schule vorzeitig ab, z. B. weil sie in den Klassen von anderen Schülern oder den Lehrern diskriminiert werden, weil sie durch die Wanderarbeit der Familien die Schule zu häufig wechseln müssen, oder weil sie sehr jung heiraten. Die Analphabetenrate ist entsprechend hoch. Lediglich das Roma Viertel Agia Barbara in Athen wies nach einer Untersuchung von 1990 einen relativ hohen Anteil von 20 Prozent Grundschulabsolventen unter Männern und 22,7 Prozent unter den Frauen sowie einige Roma mit akademischer Bildung auf.
Im Dezember 1999 kam die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz ECRI in ihrem zweiten Bericht zu Griechenland zu dem Schluss, dass die Roma dort extrem harten Lebensbedingungen ausgesetzt seien. Oft werde im Zuge von Zwangsräumungen ihre gesamte Habe zerstört. Vielfach bekämen sie keinen Ersatzwohnraum zugewiesen und würden, wo immer sie sich erneut niederzulassen versuchten, vertrieben. Auch Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch, Minority Rights Group, Greek Helsinki Monitor oder European Roma Rights Center (ERRC) beschreiben die Situation der Roma in Griechenland einstimmig als katastrophal.
Ein Beispiel von vielen: Nach dem Erdbeben in Athen im September 1999, das auch die Roma aus den Vororten der Hauptstadt Aspropyrgos und Ano Liosia obdachlos machte, erhielten gerade zehn Roma Familien feste Notunterkünfte. Die meisten Roma wurden in Zelten untergebracht. Andere Obdachlose erhielten dagegen von Gemeinden, die Roma zuvor wegen Platzmangel die Ansiedlung verweigert hatten, großzügig Land als Nothilfe. Am 14. Juli 2000 zerstörten Bulldozer der Stadtverwaltung in Anwesenheit des Bürgermeisters und unter Polizeischutz einen Großteil der Zelt - Unterkünfte griechischer und albanischer Roma in Aspropyrgos, ohne dass die Bewohner ihre Habe zuvor bergen konnten. Familien mit kranken, nicht transportfähigen Mitgliedern wurde ein Ultimatum gesetzt, bis zum 17. Juli den Platz zu räumen. Ein gesetzlich erforderlicher richterlicher Beschluss lag nicht vor, auch ein ebenfalls vorgeschriebener Vertreter der Staatsanwaltschaft war nicht zugegen. Einige Tage zuvor, so ERRC, habe der Bürgermeister von Ano Liosia jeder ortsansässigen Roma Familie 100.000 Drachmen (ca. 300 Euro) als Prämie für das Verlassen des Ortes gezahlt und anschließend ihre Siedlung eingeebnet. Menschenrechtsorganisationen beklagen ebenfalls Polizeiwillkür und Straflosigkeit von Polizeibeamten. Im März 2000 z.B. wurde die Anklage gegen drei Polizeibeamte fallengelassen, die 1998 den unbewaffneten Rom Angelos Celal durch Schüsse in den Rücken getötet hatten: Sie hätten in Notwehr gehandelt.
Quellen: Human Rights Watch Worldreport 2000, Human Rights Development in Greece; Sevasti Trubeta: Zigeuner in Griechenland. Geschichte und Gegenwart, in. Südosteuropa 9-10/1996; dies.: "Türken" oder "Athigani"? Muslimische Roma in Nordgriechenland, in: Ethnos - Nation 7 / 1999; Focus: Roma in Greece; Sonderheft der Zeitschrift Roma Rights (ERRC), März 2001
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