Göttingen, 13. Oktober 2009 Anlässlich der Eröffnung der Frankfurter Buchmesse hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag einen 76-seitigen Menschenrechtsreport über die Verfolgung von 130 kritischen Autoren in China veröffentlicht. Darin wird das Schicksal von 64 derzeit inhaftierten und 66 nach langen Haftstrafen freigelassenen Autoren dokumentiert. Viele der Freigelassenen stehen bis heute unter Überwachung oder Hausarrest.
"So lange in China Autoren gefoltert und an Armen und Beinen gefesselt an der Decke aufgehängt werden, so lange ihre Manuskripte vor ihren Augen verbrannt und kritische Literaten de facto mit Berufsverbot belegt werden, ist die Zeit nicht reif, um China zum Ehrengast der Buchmesse zu erklären", sagte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius in Göttingen. "Wir wollen mit diesem Report den in China verfolgten Dichtern, Essayisten und Internet-Autoren ein Gesicht geben." Detailliert werden ihr beruflicher Werdegang, ihr schriftstellerisches Wirken sowie die Hintergründe ihrer politischen Verfolgung dargestellt.
Unter den Verhafteten stellen Han-Chinesen mit 46 Schriftstellern die größte Gruppe, gefolgt von elf Tibetern, sechs Uiguren und einem Autor mongolischer Abstammung. Nach den Unruhen in Tibet im Frühjahr 2008 und den Protesten von Uiguren in Xinjiang/Ostturkestan im Juli 2009 habe dort die Verfolgung von Schriftstellern im Vergleich zu 2007 deutlich zugenommen. Der jüngste Fall sei das Verschwinden von Dilixiati Paerhati, eines uigurischen Herausgebers einer kritischen Internetseite. Von ihm fehle jedes Lebenszeichen, seit er am 7. August 2009 in einem Auto entführt wurde. Kurz zuvor war er mehrere Tage lang von Polizisten wegen möglicher Verwicklung in die Proteste verhört worden.
Besonders entschlossen gingen die Behörden gegen Autoren vor, die sich für eine Verständigung von Uiguren, Tibetern und Mongolen mit der Mehrheitsbevölkerung der Han-Chinesen einsetzen. So würden gezielt Internetseiten geschlossen, die sich um eine objektive Darstellung der Hintergründe der Proteste der Nationalitäten in chinesischer Sprache bemühen.
Die meisten der verfolgten Autoren seien Mitglieder des 2001 gegründeten "Unabhängigen Chinesischen PEN-Zentrums". Sie konnten ihre Essays, Gedichte und Bücher bislang nur im Internet verbreiten, weil staatliche Zensoren ihre Publikation in Buchform untersagten. Mehr als 90 Prozent der Inhaftierten wurden wegen "Untergrabung der Staatsgewalt" zu oft langjährigen Haftstrafen verurteilt. Ihr einziges "Verbrechen" sei es gewesen, die Allmacht der Kommunistischen Partei in Frage zu stellen. Ihre einzige "Waffe" sei das Wort. Das sei bei Chinas Machthabern jedoch gefürchtet.
Nach Jahren der Folter würden viele Autoren das Gefängnis als gebrochene Menschen verlassen. Unter dem Druck der Staatssicherheit hätten sich ihre Ehepartner oft von ihnen getrennt. Angehörige hätten ihren Arbeitsplatz verloren und wären in der Gesellschaft isoliert. In einigen Fällen habe China auch Sippenhaft praktiziert, um die Autoren einzuschüchtern.
Ulrich Delius ist auch erreichbar unter u.delius@gfbv.de
Den Report finden Sie auch
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Achtung Redaktionen: Als Ehrengast erwartet die GfbV die Präsidentin des
uigurischen Weltkongresses, Rebiya Kadeer, am Sonntag auf der
Buchmesse (Pressekonferenz um 10.30 Uhr in Halle 3.C, Ostfoyer, Raum
Exposé)
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