Göttingen/Hann.Münden/Duderstadt, 09. Mai 2011 Als letzte Zeitzeugen werden 34 ostpreußische "Wolfskinder" am kommenden Mittwoch um 19.30 Uhr im Alten Rathaus von Göttingen über ihr Schicksal nach 1945 berichten. Organisiert wird die Veranstaltung von der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Außer Göttingen werden die Gäste aus Litauen auch Hann.Münden und Duderstadt besuchen. Die GfbV dankt den drei Städten, ihren Bürgermeistern sowie der Stadtkirchengemeinde Hann.Münden für ihre Gastfreundschaft und der Firma Otto Bock für ihre sehr großzügige Unterstützung.
"Zur Vergangenheitsbewältigung jüngster deutscher Geschichte gehört auch die Solidarität mit denjenigen Opfern von Flucht und Vertreibung, die bis heute noch unter ihrem besonderen Schicksal leiden", sagt der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch. "Zu ihnen gehören die ostpreußischen "Wolfkinder", die nach der Zerstörung Königsbergs und seiner Umgebung verwaist in den Trümmern überlebten. Diese Kinder wussten, dass dort der Tod auf sie wartete und flüchteten in Güterzügen nach Litauen, wo human gesinnte Bauernfamilien sie adoptierten."
"Jeder zweite Niedersachse ist entweder Vertriebener, Flüchtling oder Spätaussiedler oder hat einen Eltern- oder Großelternteil, der aus den früheren Ostgebieten stammt", sagt Zülch. Allein in Göttingen erinnern die Elbinger und Königsberger Straße und der Insterburger, Allensteiner sowie Memeler Weg an die Heimatorte der Vertriebenen im früheren Ostpreußen.
Die GfbV will sich nicht nur auf Gastfreundschaft und Informationsveranstaltungen beschränken. Sie will sich auch in Sachen Wiedereinbürgerung und Wiedergutmachungsrenten für die Letzten der "Wolfskinder" engagieren. Denn diese deutschen Kinder sind heute alte Menschen und haben zum Teil immer noch keine deutsche Staatsbürgerschaft. Sie benötigen dringend Opferrenten als eine der vom Schicksal am härtesten getroffenen Gruppen unter den Vertriebenen.
Erfolgreich hatte die GfbV 1980 bis 1983 unter anderem die Wiedereinbürgerung zahlreicher deutscher Sinti und Roma durch die damalige Bundesregierung sowie eine erste Opferrentenregelung für sie durchgesetzt.
Unsere Referentin Jasna Causevic steht Ihnen für Rückfragen zum Programm oder der Koordination für Interviewanfragen zur Verfügung Tel. 0551 4990616.
Bilder von der Ankunft der Wolfskinder
Gerne schicken wir Ihnen bei Bedarf, Fotos für Ihren Artikel zu. Bitte wenden Sie sich dafür an redaktion@gfbv.de
Programm
10.5.2011 Ankunft in Göttingen
18.00 Uhr: Abendessen im Victor-Gollancz-Haus der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Unterbringung bei gastfreundlichen Göttinger Familien
11.5.2011 Hann. Münden
9.30Uhr: Führung durch den Reinhardswald, Gebrüder Grimm – Dornröschenschloss, Sababurg
12.00 Uhr: Empfang im Rathaus Hann. Münden durch den Bürgermeister Klaus Burhenne oder seinen Stellvertreter, anschließend kleiner Mittagsimbiss im Geschwister-Scholl-Haus gegenüber dem Schloss
12.30 Uhr: Stadtführung
15.00 Uhr: Empfang bei der Lutherischen Stadtkirchengemeinde eingeladen von Pastor Blümcke und der Kirchenvorsteherin, Frau Hillebrecht
Göttingen
17.30Uhr: Abendessen im Restaurant Jägerhaus am Kehr
19.30: Großveranstaltung im Alten Rathaus in Göttingen musikalischer Rahmen: "Musi-Kuss"
Einführung
Tilman Zülch, Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker International
Ansprachen
Wolfgang Meyer, Oberbürgermeister der Stadt Göttingen
Prof. Dr. Frhr. Wolfgang von Stetten, langjähriger Vorsitzender der Deutsch-Baltischen Parlamentariergruppe, Honorarkonsul Litauens
Luise Kazukauskiene, geb. Quitsch
Vorsitzende des Vereins "Edelweiss" der "Wolfskinder" (Vilnius, Litauen)
Ursula Dorn, "Wolfskind", Buchautorin aus Gleichen bei Göttingen
und weitere Zeitzeuginnen und Zeitzeugen
12.5.2011 Duderstadt, Empfang im Historischen Rathaus
9.30Uhr: Begrüßung durch Frau Annelore von Hof als Vertreterin von Bürgermeister Wolfgang Nolte
Stadtbesichtigung Duderstadt
