
Die riesige Kohlemine El Cerrejón im Bundesstaat La Guajira umfasst ein Gebiet, das fast so groß ist wie Hamburg. Foto: Tanenhaus/Flickr, CC BY 2.0
prangert das Indigene Volk der Wayúu angesichts der enormen Zerstörung verzweifelt an. In ihren Territorien im Nordosten Kolumbiens wird Kohle abgebaut – ohne Rücksicht auf Umwelt, Mensch und Tier. Die Mine El Cerrejón hat ein gewaltiges Ausmaß: Sie erstreckt sich über ein Gebiet fast so groß wie Hamburg und ist eine der größten Kohleminen der Welt. Dort wächst nichts mehr. In weiten Landstrichen im Bundesstaat La Guajira herrschen , weil die Minen das lebensnot- Dürre und Not wendige Wasser verbrauchen. Der giftige Kohlestaub macht die Menschen krank, Säuglinge und Kleinkinder sterben. Auch die Traditionen der Wayúu, die eng mit der Natur verbunden sind, sind in Gefahr. Trotzdem boomt das Geschäft mit der Kohle. Sie soll den Energiehunger anderer Länder stillen. Auch in unser Land wird exportiert. Trotz des beschlossenen Kohleausstiegs importiert Deutschland seit Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine noch viel mehr von dem schmutzigen Rohstoff aus Kolumbien als zuvor. Es ist erschütternd unfair: Damit wir nicht im Dunkeln sitzen, müssen die Wayúu einen hohen Preis zahlen. Das wollen wir nicht schulterzuckend hinnehmen! Wir unterstützen die Wayúu in ihrem Kampf gegen die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen.

Land, Boden, Erde – das bedeutet für die indigenen Wayúu so viel mehr als nur einen Ort, den man ausbeuten kann. Hier haben ihre Ahnen gelebt, hier ist ihre Kultur verwurzelt, das Land hat sie ernährt, die Flüsse Wasser zum Trinken gespendet. Heute wird die Region der Wayúu jedoch „die Opferzone“ genannt: „Durch den Bergbau hat sich alles verändert“, erklärt Laura Brito vor Ort unserem Kollegen Jan Königshausen, dem GfbV-Referenten für Indigene Völker.
Laura gehört zu den „Defensoras del Territorio”, den Verteidigerinnen des Territoriums. Die indigenen Frauen haben sich vor einigen Jahren nach dem Tod eines kleinen Mädchens zusammengeschlossen, um gegen die verantwortungslose Ausbeutung ihrer Umwelt und die Zerstörung ihrer Gemeinschaft zu kämpfen. Die Kleine war gerade einmal neun Monate alt, als sie starb. Ihre Atemwege waren vergiftet. Auch Lauras Sohn Matteo leidet an einer schweren Atemwegserkrankung – so wie viele Kinder in der Nähe der Mine. Dass die vielen Erkrankungen mit dem Kohleabbau zusammenhängen, haben die Frauen schnell vermutet. Sie erleben die Auswirkungen und Veränderungen in der Gemeinschaft hautnah. Trotzdem sät der Kohlekonzern Glencore, der die Mine El Cerrejón betreibt, immer wieder Zweifel an einem direkten Zusammenhang.
Gegen die skrupellosen Praktiken von Glencore setzt sich auch Yalenis ein. Sie ist die Vorsitzende der Organisation África en mi Tierra, die sich für die lokale afrokolumbianische Bevölkerung engagiert. Yalenis betont: „Wir wollen, dass die nächsten Generationen nicht so leben müssen wie wir. Wir müssen Wasser zum Trinken kaufen, die Wasserleitung ist kaputt und das Wasser aus dem Fluss ist vergiftet.“ Glencore nutzt das lebensnotwenige Grundbedürfnis nach sauberem Wasser schamlos aus. Und das trotz eines hart erkämpften Gerichtsurteils, das den Konzern unter anderem dazu verpflichtet, die Bevölkerung mit Wasser zu versorgen. Statt funktionstüchtige Leitungen zu legen, wird das kostbare Nass mit Tankwagen gebracht und als Druckmittel benutzt: Kommt es zu Demonstrationen, fallen die Lieferungen häufig aus.
Nur wenige Meter von einer der weltweit größten Kohleminen entfernt, merkt man nichts von dem enormen Reichtum, den andere durch die Kohle erwirtschaften. Das Bruttoinlandsprodukt Kolumbiens steigt, doch La Guajira ist weiterhin die ärmste Region des Landes. Unterernährung und Hunger sind verbreitet. Hinzu kommen. Vertreibung, Einschüchterungen und Mord.
Kohle aus El Cerrejón – auch für uns?
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine und den Sanktionen gegen Russland, das für Europa zuvor ein wichtiger Energielieferant war, ist die Nachfrage nach Kohle aus anderen Ländern rasant gestiegen. 2022 verdreifachte sich der Import von Kohle aus Kolumbien nach Deutschland im Vergleich zum Vorjahr und ist weiterhin hoch. Der damalige Wirtschaftsminister Robert Habeck schloss in der unsicheren Lage neue Verträge zur Abnahme von Kohle aus Kolumbien. Diese laufen mindestens bis zum Jahr 2030. Dass ein beträchtlicher Teil dieser Kohle aus der Cerrejón-Mine in La Guajira kommt, ist wahrscheinlich. Die Kohlemine umfasst fast 70.000 Hektar und ist eine der weltweit Größten. Betrieben wird sie aktuell vom Schweizer Unternehmen Glencore.
Gefährlicher Einsatz: Indigene Aktivistinnen brauchen unseren Beistand!
„Hört endlich auf so viel zu reden, sonst schneiden wir euch die Zunge ab!“, warnt der Anrufer am anderen Ende der Leitung und droht sogar mit Mord, sollten die Frauen keine Ruhe geben. Ihr Widerstand bringt Laura, Yalenis und die anderen Aktivistinnen und Aktivisten in akute Gefahr. Sie wohnen und arbeiten in unterschiedlichen Gemeinden, aber die Verfolgung hat System: Kolumbien ist für Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützer das tödlichste Land der Welt! Allen Drohungen zum Trotz setzen sie sich mutig für ihre Gemeinschaften ein: für eine saubere Umwelt, eine bessere Krankenversorgung, den Erhalt ihrer Lebensgrundlagen und ihrer Kultur. Auf die kolumbianische Regierung können sie sich dabei nicht verlassen, denn die profitiert vom Kohleabbau und treibt die Energieproduktion in La Guajira weiter voran. Deswegen brauchen die Aktivistinnen unsere Unterstützung und unseren Beistand!
Gemeinschaft und Kultur der Wayùu müssen geschützt werden
„Teile und herrsche“, diese seit der Kolonialzeit berüchtigte Politik ist auch Methode des Kohlekonzerns, um den Zusammenhalt der Gemeinschaften zu zerstören und jeglichen Widerstand im Keim zu ersticken. Gemeindemitglieder werden bestochen und mancherorts werden sogar Menschen, die gar nicht aus der Region kommen, als „falsche Anführer“ installiert, um die rechtlich vorgeschriebene Konsultation der indigenen Gemeinschaft zu umgehen. Die Vertreter des Unternehmens diskutieren auch gezielt mit Männern über die Zukunft der Region, ignorieren ganz bewusst die matriarchale Tradition der Wayúu. Der Kohlekonzern will jeden Widerstand gegen die lukrativen Minen beseitigen und den Frauen den letzten Einfluss nehmen, den sie haben. Doch das wollen die starken und mutigen Frauen nicht zulassen. Wir unterstützen sie bei ihrem Kampf um ihre Kultur und ihre Rechte!

Unsere Forderungen
Unterstützen Sie gemeinsam mit uns die Forderungen der indigenen Gemeinschaften zur akuten Verbesserung der Lage:
Wir setzen uns dafür ein, dass Deutschland sich nicht aus der Verantwortung zieht! Wir fordern:
Die Mine El Cerrejón muss langfristig geschlossen und renaturiert werden. Die Wayúu müssen dabei in allen Phasen und Ebenen partizipativ und transparent eingebunden sein.
Was wir jetzt tun
Es darf nicht sein, dass Deutschland Kohle aus Regionen importiert, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden. Wir setzen uns mit Ihrer Hilfe dafür ein, dass die Bundesregierung den Import von Kohle aus der Mine El Cerrejón stoppt. Auch wenn die aktuellen Verträge zunächst „nur“ bis 2030 laufen – jedes Jahr, in dem Deutschland die Zerstörung der Lebensgrundlage der Wayùu mitfinanziert, ist ein Jahr zu viel. Denn die indigene und afro-kolumbianische Bevölkerung müssen tagtäglich mit der verseuchten Luft, dem giftigen Wasser, der Gewalt und den verheerenden Auswirkungen auf ihre Gesundheit und die ihrer Kinder leben. Die Partnerschaften, die GfbV-Referent Jan Königshausen in La Guajira aufgebaut hat, werden wir nutzen, um verstärkt auf die Auswirkungen des Kohleabbaus aufmerksam zu machen und den Forderungen der Wayùu Gehör zu verschaffen – mit Pressemitteilungen, bei Veranstaltungen, gegenüber der Bundesregierung und vor den Vereinten Nationen. Internationale Aufmerksamkeit ist ein wichtiges Instrument, um Druck auf die kolumbianische Regierung und die beteiligten Unternehmen auszuüben, damit diese die Rechte Indigener Völker besser schützen. Die deutschen Energiekonzerne, die am Import der Kohle beteiligt sind, werden wir mit den Vorwürfen konfrontieren! Sie haben eine Verantwortung, Menschenrechtsverletzungen in ihren Lieferketten zu verhindern. Die Nominierung von EnBW für den Nachhaltigkeitspreis der Bundesregierung trotz des Imports von Kohle aus El Cerrejón, haben wir scharf kritisiert.
Diese Kampagne wurde im September 2025 lanciert.
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