Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist eine internationale Menschenrechtsorganisation für verfolgte und unterdrückte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten und indigene Völker. Wir verteidigen ihre Rechte und versuchen, ihnen Gehör zu verschaffen. Ganz besonders wichtig ist es uns, Verbrechen gegen die Menschlichkeit wie Völkermord oder Vertreibung zu verhindern und Straflosigkeit zu beenden.


Informationsarbeit ist Menschenrechtsarbeit. Wir klären auf, kritisieren Politiker und Entscheidungsträger und „machen“ so Meinung in unserem Bereich, dem Minderheitenschutz. Wir ergreifen Partei für die Opfer schwerer Menschenrechtsverletzungen, für unschuldige Zivilisten und Angehörige von Minderheiten. Unser Engagement beschränkt sich jedoch nicht nur auf Medienarbeit. Wir halten Vorträge, nehmen an Podiumsdiskussionen teil, sprechen persönlich mit Politikern, Vertretern von Hilfswerken, Kirchen und vieler anderer Institutionen, organisieren Menschenrechtsaktionen wie Mahnwachen oder Demonstrationen für und mit den Betroffenen.


Menschenrechtsarbeit - schon das Wort kann sperrig wirken. Dabei hat unsere Arbeit ganz oft was mit dem Herzen zu tun. Und deshalb möchten wir in unserer Rubrik "Your Story" ganz besondere Menschen und ihre Geschichte vorstellen.


Wer steckt eigentlich hinter unserer täglichen Menschenrechtsarbeit? In unserer Rubrik "Hinter den Kulissen" stellen wir euch nach und nach alle unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor.


Oft erzählen wir auf unserer Homepage oder in den sozialen Medien, was wir für Menschenrechte tun. Aber wer "wir" ist, das erwähnen wir viel zu wenig. Wer sind denn die Ehrenamtlichen, Aktivisten und Menschenrechtler, die sich immer wieder für eine bessere Welt stark machen? Zeit, die wunderbaren Menschen im Hintergrund kennen zulernen.


Wenn man ein halbes Jahrhundert alt wird, darf ein Rückblick natürlich nicht fehlen. In unserer Rubrik "Zurück zu den Anfängen" begeben wir uns deshalb noch einmal in die Vergangenheit.

Wer noch mehr über die Geschichte der Gesellschaft für bedrohte Völker erfahren will, kann sich nachfolgend außerdem über die Meilensteine unserer Menschenrechtsarbeit informieren.


1968: Gründung der Aktion Biafra-Hilfe

 

Als 1968 in Biafra jeden Tag tausende Zivilisten einer Hungerblockade der nigerianischen Armee zum Opfer fielen, gründeten Hamburger Studenten das „Komitee Aktion Biafra-Hilfe“, um gegen diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu protestieren. Sie wollten nicht tatenlos hinnehmen, dass Nigerias Armee für seinen Völkermord an den Biafranern Waffenlieferungen  aus aller Welt  erhielt. Das einzige „Vergehen“ der Biafraner war, die Unabhängigkeit ihrer an Erdöl reichen Region von Nigeria gefordert zu haben. Aus dem Komitee entstand später die Gesellschaft für bedrohte Völker, die sich zum Ziel gesetzt hat, Völkermord zu verhindern und einzudämmen.

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1977: Die ersten Vortragsreisen indigener Völker Amerikas in Europa

 

Dutzende Repräsentanten indigener Völker aus ganz Amerika wurden 1977 und 1978 von der Gesellschaft für bedrohte Völker zu Vortragsreisen in die damalige Bundesrepublik eingeladen. Erstmals konnten sie in Europa selbst für sich sprechen, Vorurteile aus den Hollywood-Filmen und Stereotype des edlen aber unbedarften Wilden aufbrechen, der seine Interessen ohne weißen Vormund nicht vertreten kann. Überall füllten sie große Säle und fanden Gehör bei Kirchenvertretern, Stiftungen und Hilfswerken, zu denen die Gesellschaft für bedrohte Völker den Kontakt vermittelte. Was sie erzählten über Bürgerrechts- und Bauernbewegungen ihrer Völker, über Selbstorganisationen, über das indigene Ökologieverständnis und über ihre Spiritualität war damals neu und wurde für viele ihrer Zuhörer sinnstiftend und prägend. Überall in der Bundesrepublik entstanden Regionalgruppen der GfbV, die in ihren Städten Veranstaltungen für die Delegationen organisierten und oft über viele Jahre deren Kampagnen und Projekte unterstützten.

 

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1979: Gedenkkundgebung im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen und  Welt-Roma-Kongress

 

Zu Ehren der 500.000 im Dritten Reich getöteten Sinti und Roma veranstalteten die Gesellschaft für bedrohte Völker und der Verband Deutscher Sinti und Roma und die Romani-Union 1979 einen Gedenkmarsch mit anschließenden Gedenkkundgebung im ehemaligen Konzentrationslager Bergen-Belsen. Sinti aus allen Teilen der Bundesrepublik Deutschland, Roma aus Schweden, Finnland, Dänemark, Belgien, Niederlande, Frankreich, England, Schweiz, Italien, Jugoslawien und Griechenland kamen aus diesem Anlass nach Bergen Belsen.

Weltweit Schlagzeilen machte außerdem zwei Jahre später der dritte Welt-Roma-Kongress. Die GfbV hatte ihn für die Roma-Weltunion gemeinsam mit dem Verband Deutscher Sinti in Göttingen organisiert. Aus 28 Staaten und drei Kontinenten (Nordamerika, Europa. Asien) kamen Roma, Sinti, Aschkali, Jenische, Gitanos, Bandjara und Gypsies, unter ihnen Schriftsteller, Musiker, Professoren, Wissenschaftler. 

Mit diesen und vielen anderen Initiativen, die unter anderem Nobelpreisträger Günter Grass immer wieder mit seinem Namen unterstützte, gelang es der GfbV, NS-Verbrechen an den Sinti und Roma weit über Deutschland hinaus bekannt zu machen. Unsere Menschenrechtsorganisation bewegte Bundeskanzler Helmut Schmidt und Bundespräsident Karl Carstens Anfang der 80er Jahre dazu, den Völkermord an den Sinti und Roma anzuerkennen und sich öffentlich zu entschuldigen. In Berlin erinnert seit 2012 ein Mahnmal an die Opfer.

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1981: Kampagne gegen deutschen Rüstungsexport

 

Die strengen Richtlinien für den Export von Rüstungsgütern aus Deutschland wurden seit den 1960er Jahren immer laxer gehandhabt. Auch Entwicklungsländer, in denen blutige Konflikte ausgetragen wurden, konnten Kriegsgerät ordern, ohne dass die Öffentlichkeit besondere Notiz davon nahm. Doch als die Bundesregierung Anfang der 1980er Jahre die Exportbeschränkungen ganz aufheben wollte, handelte die Gesellschaft für bedrohte Völker. Wir starteten eine Kampagne gegen Rüstungsexport. Ökonomische und politische Interessen durften keinen Vorrang haben vor ethischen Bedenken, die Armeen kriegführender Länder hochzurüsten und völkermordartige Verbrechen wie in Biafra zu ermöglichen. Um die Öffentlichkeit aufzurütteln, schalteten wir in der „Zeit“, dem „Deutschen Allgemeinen Sonntagsblatt“ und im sozialdemokratischen Parteiblatt „Vorwärts“ ganzseitige Anzeigen mit eindeutiger Botschaft: „55 Millionen Tote des Zweiten Weltkrieges – darunter 7,3 Millionen Deutsche - mahnen Sie – lassen Sie eine deutsche Regierung nicht wieder mitschuldig werden an Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Massenmord, Vertreibung, Deportation und Flüchtlingselend“. Unser Appell an die sozial-liberale Bundesregierung unter Helmut Schmidt (SPD) und Außenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP), aber auch an die Oppositionsführer Helmut Kohl (CDU) und Franz Josef Strauß (CSU) war erfolgreich: Viele Einzelpersonen, aber auch Kirchengemeinden, Parteiverbände und Nichtregierungsorganisationen protestierten endlich ebenfalls. Widerstand wurde spürbar und setzte die Politiker unter Druck. Schließlich verschwanden die Pläne, die Exportbeschränkungen aufzuheben, in der Schublade.

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1988: Giftgas-Einsatz in Halabja – Mitverantwortung deutscher Firmen aufgedeckt

 

Am 16. und 17. März 1988 bombardierte die Luftwaffe des damaligen Regimes von Saddam Hussein die kurdische Stadt Halabja mit Giftgas. Mindestens 5.000 Menschen starben innerhalb weniger Stunden, weitere 10.000 wurden verletzt. Viele Regierungen haben diesen Giftgasangriff mittlerweile als Völkermord anerkannt.

Dieser Angriff wurde durch mehr als 40 europäische Unternehmen überhaupt erst ermöglicht. Das deutsche Unternehmen Karl Kolb und dessen Tochterfirma Pilot Plant etwa belieferten das irakische Regime seit 1975 mit Chemieanlagen. Die deutsche Bundesregierung wusste durch Berichte der GfbV, der CIA und des Bundesnachrichtendienstes mindestens seit den 80er Jahren über die zweifelhaften Chemieanlagen im Irak Bescheid. Doch die Dual-Use-Regel in der Außenwirtschaftsverordnung machte noch weitere Lieferungen möglich: Wenn ein Exportgut sowohl zivil als auch militärisch genutzt werden konnte, wurde die Ausfuhr genehmigt. Die Chemieanlagen, die die Firmen belieferten, sollten offiziell für die Herstellung von Pestiziden verwendet werden – darauf berufen sich die Firmen und die Bundesregierung bis heute und weisen jede Mitschuld an dem Verbrechen von sich. Die GfbV stand in diesen dreißig Jahren den Kurden im Irak beständig zur Seite und fordert endlich Gerechtigkeit für die Opfer.

Weitere Informationen finde Sie auch in unserem Report "Irakisch-Kurdistan: 30 Jahre Halabja – Gerechtigkeit für die Opfer des Völkermordes" (PDF).

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1990: Spektakuläre Menschenrechtsaktion gegen Rüstungskonzern MBB

 

Einer der Höhepunkte unserer intensiven und jahrelangen Kampagne gegen den Export von Kriegsgerät aus Deutschland war die „Inspektion“ von Lagerräumen des Rüstungskonzerns Messerschmitt-Bölkow-Blohm (MBB) in Ottobrunn bei München am 6. September 1990. Wir hatten einen Tipp bekommen und der damalige GfbV-Bundesvorsitzende Tilman Zülch sowie unser Nahostexperte Alexander Sternberg-Spohr wollten bei einer „Begehung“ herausfinden, ob MBB tatsächlich das Embargo gegen den Irak ignorierte. Das Regime unter Saddam Hussein hatte nach dem ersten Golfkrieg gegen den Iran den kleinen Nachbarstaat Kuwait angegriffen und annektiert. Die UN hatten darauf Sanktionen gegen den Irak verhängt. Im Norden des eigenen Landes führte der irakische Gewaltherrscher einen Vernichtungskrieg gegen die Kurden und assyrisch-chaldäischen Christen. Diesem Völkermord, bei dem auch Giftgas eingesetzt wurde, waren damals nach GfbV-Schätzungen bereits 220.000 Menschen zum Opfer gefallen.

Zu MBB hatten Zülch und Sternberg Zeugen mitgebracht: Sie wurden von Journalisten und einem Kamerateam begleitet. In der Lagerhalle fanden sie etwa 60 Kisten mit Ersatzteilen für Kampfhubschrauber. Sie waren adressiert an die irakische Luftwaffe und die irakische Volksarmee. Die Journalisten hatten genug gesehen, bevor die Gruppe die Halle verlassen musste. In ihren Berichten zitierten sie die Vorwürfe der GfbV, dass deutsche Unternehmen durch ihre Rüstungsexporte mitschuldig werden an Kriegsverbrechen bis hin zum Völkermord. 

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1992: Mit dem Bambusfloß über den Atlantik – Versöhnungsbotschaft an die indigenen Völker Amerikas zum Kolumbus-Jahr

 

Oktober 1492 war schicksalhaft für die indigenen Völker in ganz Amerika, denn damals setzte der Seefahrer Christoph Kolumbus in der Karibik zum ersten Mal seinen Fuß auf amerikanischen Boden. Er leitete damit eine brutale Unterwerfung von Land und Leuten ein. Das nicht-indianische Amerika und Spanien, in dessen Auftrag Kolumbus einst unterwegs war, feiern seitdem am 12 Oktober den Kolumbustag als Nationalfeiertag. Für die Indigenen ist es ein Tag der Trauer.

1992, als die Welt stolz den 500. Jahrestag der Landung von Kolumbus feierte, verschaffte die Gesellschaft für bedrohte Völker mit mehreren Aktionen den indigenen Protesten Gehör. Wir boten einer 30 köpfigen panindianischen Delegation mit Großveranstaltungen in Hamburg und Dresden die Möglichkeit zur Gegenrede. Mit mehreren Büchern und Sonderausgaben der GfbV-Zeitschrift pogrom wurden 500 Jahre indianischer Widerstand dokumentiert.

Mit einem Bambusfloß fuhren die Menschenrechtler und Überlebenskünstler Rüdiger Nehberg und Christina Haverkamp im Auftrag der GfbV 1992 über den Atlantik. Sie erinnerten damit an den Völkermord an Schätzungsweise 100 Millionen Indianern. Die Botschaft auf dem Segel lautete: "500 Jahre Amerika / 500 Jahre Völkermord / Landrechte für alle Indianer / Nord- und Südamerikas / Rettet die Yanomami und den Regenwald / Sofort! Die Fahrt von Dakar nach Brasilien dauerte 50 Tage. Danach reiste das Floß in die USA, bis vor das Weiße Haus.

Die Resonanz in den Medien war während der ganzen Aktion sehr groß. Zeitungen, Hörfunk und Fernsehen griffen den ernsten Hintergrund der Atlantiküberquerung auf und machten dabei immer auch auf die bis heute vielerorts dramatisch schlechter Situation der indigenen Völker in Nord-, Mittel- und Südamerika aufmerksam.

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1992: „Ethnische Säuberung“ und Genozid in Bosnien – Sprachrohr für die Opfer

 

Seit der Aggression Serbien-Montenegros gegen die Republik Bosnien-Herzegowina (1992) ist die Gesellschaft für bedrohte Völker für die bosnischen Opfer eingetreten. Schon im Juni 1992 bezeichneten wir die Verbrechen an der bosnischen Zivilbevölkerung als Genozid. Unaufhörlich informierten wir deutsche und internationale Medien- Presse, Funk und Fernsehen – über Massaker, Massenvertreibungen, Deportationen, Konzentrationslager und die Zerstörung ganzer Regionen. Wir dokumentierten Berichte von Augenzeugen und hielten mit eingekesselten bosnischen Städten Funkkontakt. Den UN-Untersuchungskommissionen, dem Internationalen Kriegsverbrechertribunal in Den Haag und dem Bundeskriminalamt in Deutschland stellten wir Dokumente und Informationen zur Verfügung. Wir organisierten internationale Kongresse mit Experten und Politikern, öffentliche Zeugenanhörungen, Mahnwachen und Demonstrationen für ein ungeteiltes Bosnien-Herzegowina. Hilfswerke, Kirchen und Privatinitiativen forderten wir dazu auf, humanitäre Hilfe zu leisten.

Im Januar 1994 gründete die GfbV das Europäische Forum für Bosnien-Herzegowina mit über 100 Verbänden der bosnischen Flüchtlinge und Vertriebenen in Westeuropa. Seit 1997 besteht außerdem eine Sektion der Gesellschaft für bedrohte Völker in Sarajevo (GfbV Bosnein und Herzegowina).

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1994: Dokumentation der Kriegs- und Völkermordverbrechen in Tschetschenien

 

50 Jahre nach der kollektiven Deportation der Tschetschenen unter Stalin 1944 begann 1994 ein Krieg gegen ihr kleines Land im Kaukasus. Tschetschenien hatte sich für unabhängig erklärt. Bis 1996 und noch einmal 1999 bis 2009 verübten russische Truppen dort völkermordartige Verbrechen. 180.000 Menschen wurden getötet, unter ihnen 42.000 Kinder. Die russische Luftwaffe beschoss bewohnte Ortschaften und Flüchtlingstrecks, setzte geächtete Waffen wie Vakuum- und Splitterbomben ein, in Filtrationslagern wurde systematisch gefoltert und gemordet. Die Gesellschaft für bedrohte Völker dokumentierte die Gräueltaten, nahm die tschetschenischen Flüchtlinge in Schutz, kämpfte für Inhaftierte, Verschleppte, mutige Bürger- und Menschenrechtler.

In zahllosen Gesprächen mit Journalisten, Rechtsanwälten, Politikern in Deutschland und europaweit, in Stellungnahmen vor UN-Gremien prangerten wir die Verbrechen gegen die Menschlichkeit an. Doch es gab auch tschetschenische Kämpfer, die sich radikalisierten, schreckliche Anschläge verübten. Der Kreml reagierte mit Gegengewalt und der Kriminalisierung aller Tschetschenen als ethnische Gruppe. Sie wurden mit Terroristen gleichgesetzt und dies prägte das Bild der Tschetschenen in Europa. Ablehnung, bestenfalls Distanziertheit schlugen den vielen verzweifelten Flüchtlingen entgegen. Wir konnten einzelne retten, doch außer der Gesellschaft für bedrohte Völker hatten sie kaum Fürsprecher. 2007 verhalf der russische Präsident Wladimir Putin dem grausamen Herrscher Ramzan Kadyrow in Tschetschenien an die Macht. Er hat sein Land zu einem rechtsfreien Raum gemacht, in der eine brutale, willkürliche und frauenfeindliche Gesellschaft herrscht.

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1998: Kampf gegen Sklaverei und Völkermord in den Nuba-Bergen

 

Völkermörder scheuen oft die Öffentlichkeit. Denn ihre Verbrechen können sie am besten weit weg vom Scheinwerferlicht der Fernsehkameras begehen. So auch im Sudan. Als dort in den 90er-Jahren Genozid an den schwarzafrikanischen Nuba-Völkern verübt wurde, blieb dies lange unbekannt. Zu Zehntausenden wurden die Menschen in Nuba-Bergen ermordet und aus ihrer Heimat vertrieben. Unzählige junge Mädchen wurden als Sklavinnen in den Nordsudan entführt. Die Gesellschaft für bedrohte Völker machte mit einem Menschenrechtsreport und mit Protestaktionen auf die Vernichtung der Nuba aufmerksam. Doch der große Durchbruch in den Medien kam erst Jahre später, als sich die GfbV für den Schutz einer jungen Nuba-Frau einsetzte, die von einem sudanesischen Diplomaten versklavt worden war.

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2003: Engagement für vergessene Völkermordopfer in Darfur

 

Als im Jahr 2003 in Darfur im Westen des Sudan Kämpfe ausbrachen, war die Gesellschaft für bedrohte Völker die erste Menschenrechtsorganisation in Europa, die vor den Folgen einer Eskalation der Gewalt warnte. Es sollte einer der schlimmsten Genozide des 21. Jahrhunderts werden. Die Vereinten Nationen hörten vor mehr als zehn Jahren auf, die Opfer zu zählen. Doch täglich kommen Menschen in Darfur gewaltsam zu Tode. Die GfbV dokumentierte den Genozid in Reporten, mobilisierte mit zahllosen Menschenrechtsaktionen gegen den Völkermord. Auch engagierte sie sich dafür, dass Sudans Präsident Bashir inzwischen per Haftbefehl wegen den Genozids gesucht wird.

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2007: UNO-Deklaration über die Rechte der indigenen Völker

 

Mit der Verabschiedung der UN-Deklaration über die Rechte der indigenen Völker (DRIP) endete 2007 ein jahrelanger Diskussionsprozess zwischen Vertretern der indigenen Völker, der Nationalstaaten, von Menschenrechtsorganisationen wie der Gesellschaft für bedrohte Völker und den Vereinten Nationen, der mit der Weltmenschenrechtskonferenz im April 1993 in Wien begonnen hatte. Sie führte zum Beschluss der UN-Generalversammlung vom 21. Dezember 1993 (Resolution 48/163), eine Dekade zu den Rechten indigener Völker auszurufen, die von Dezember 1994 bis Dezember 2004 dauerte. Ihr Leitmotiv: die Suche nach einer neuen Form der aktiven Zusammenarbeit und nach neuen Partnerschaften mit indigenen Völkern. Das Ziel, eine Menschenrechtsdeklaration speziell für die Rechte der indigenen Völker, wurde nicht erreicht. Viele Nationalstaaten fürchteten um ihre territoriale Souveränität vor allem wegen der auf die Selbstbestimmung indigener Völker bezogenen Passagen, aus denen sie den Wunsch nach Eigenstaatlichkeit der Indigenen durch Spaltung bestehender Staatsgebilde ableiteten. Erst eine zweite Dekade brachte dann die Endfassung der Deklaration zustande, die von der UN-Vollversammlung im September 2007 verabschiedet wurde. Vier Staatenmit großer indigener Bevölkerung fehlten: Australien, Kanada, Neuseeland und die USA. Mittlerweile haben auch sie ihre Unterschrift nachgeliefert. Die UNDRIP ist damit zusammen mit der Konvention 169 der UN-Arbeitsorganisation ILO das wichtigste Instrument für die Rechte indigener Völker im internationalen Recht.

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2012/2015/2017: Unterstützung indigener Völker bei den UN-Klimagipfeln

 

Die weltweit etwa 5000 indigenen Völker sind besonders stark vom Klimawandel betroffen, denn sie sind von einem intakten ökologischen Gleichgewicht ihrer Territorien weitaus stärker abhängig als die Bürger der Industrienationen. Trotzdem bleiben sie vom Klimaprozess der Vereinten Nationen, der mit dem Erdgipfel von Rio 1992 begann, weitgehend ausgeschlossen. Seitdem fanden regelmäßig Weltklimagipfel statt, um die Klima-Rahmenkonvention von Rio zu einem internationalen Klimaabkommen auszubauen. Die Indigenen jedoch bekamen bis heute keinen Platz am Verhandlungstisch, dienen meist nur als exotische Staffage des Konferenzgeschehens. Dennoch bieten diese Konferenzen ihnen die wichtige Möglichkeit, sich untereinander zu vernetzen und ihre Anliegen in eine internationale Öffentlichkeit zu tragen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker ermöglicht vor allem indigenen Delegationen, sich bei den UN-Klimagipfeln zu akkreditieren und Lobbyarbeit für ihren Kampf gegen den Klimawandel zu betreiben. Beim Gipfel Rio +20 organisierten wir 2012 im Rahmen der GfbV-International einen side event mit unseren Ashaninka-Partnern Benki und Moises Piyãko. Als 2015 in Paris das Welt-Klimaabkommen verabschiedet wurde und erneut beim Klimagipfel in Bonn 2017, bei dem es bereits um die Ausführungsbestimmungen für das Abkommen ging, nahm als Gast der GfbV indigene Sprecherinnen und Sprecher aus Brasilien und Peru teil – wiederum nur im Rahmenprogramm und nicht bei den eigentlichen Verhandlungen. 

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Seit 1995: Einsatz für die Uiguren

 

Lange waren nur die Tibeter als von China verfolgte Nationalität bekannt. Seit 1995 setzt sich die Gesellschaft für bedrohte Völker dafür ein, dass auch die muslimischen Uiguren als verfolgte Nationalität wahrgenommen werden. Heute ist es Alltag, dass Tibeter und Uiguren in einem Atemzug genannt werden, wenn Regierungen in aller Welt die katastrophale Menschenrechtslage in China kritisieren.

Mit Erfolg hat sich die GfbV dafür eingesetzt, dass uigurische Menschenrechtsorganisationen trotz massivem Druck aus China heute als anerkannte Gesprächspartner von vielen Regierungen angesehen werden.

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Seit 2011: Verstärkter Einsatz für die Minderheiten im Nahen Osten

 

Als im Herbst 2011 die politische Lage in Syrien eskalierte und Kurden sowie andere Minderheiten zwischen die Fronten gerieten, organisierte die GfbV eine Konferenz mit Vertretern der Kurden und anderer Minderheiten in Göttingen. Die GfbV forderte Hilfestellung von Deutschland und der EU für die gefährdeten Minderheiten in Syrien. Bereits damals machte die GfbV auf die aggressive Politik des türkischen Präsidenten Erdogan aufmerksam. Wir forderten die deutsche Bundesregierung, die EU-Regierungen und die USA auf, keine Deals mit der Türkei und der syrischen arabischen Opposition einzugehen, die die demokratischen Rechte aller Syrer, insbesondere der Kurden gefährden könnten.

Im Januar 2018 griffen die Türkei und die von ihr unterstützen syrischen Islamisten die friedliche syrisch-kurdische Region Afrin an und etwa 200.000 Angehörige der Minderheiten der Kurden, Yeziden, Aleviten und Christen wurden vertrieben. Wir reagierten mit zahlreichen Aktionen und forderten die deutsche Bundesregierung auf, ihr wochenlanges Schweigen zu beenden. Zwar konnten wir die Bombardements nicht verhindern, aber wir machten mit all unseren Möglichkeiten Druck auf unsere Politiker, den völkerrechtswidrigen Einmarsch zu verurteilen. Wir veröffentlichten kritische Pressemitteilungen und alarmierende Hilferufe aus dem umkämpften Gebiet, schrieben Appelle, Briefe, E-Mails und gaben ununterbrochen Interviews. 

Ständig waren unsere Mitarbeiter in den verschiedensten Rundfunksendern zu hören oder wurden in der Jerusalem Post, von Voice of America, in der Neuen Zürcher Zeitung sowie in unzähligen deutschen Nachrichtenblättern zitiert. Im Schweizer Fernsehen, der ARD-Tagesschau, dem ZDF, in den Sendungen frontal und Kulturzeit bei 3Sat oder im NDR-Fernsehen informierten sie über die Lage in Afrin. Schließlich äußerte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und kritisierte öffentlich die türkische Aggression gegen das kurdische Autonomiegebiet in Syrien.

Dieser Einsatz für die Menschen in Afrin steht in der Tradition unserer seit fünf Jahrzehnten andauernden Menschenrechtsarbeit für die Kurden, Assyrer/Chaldäer/Aramäer, Armenier, Turkmenen, Aseri, Balutschen, Ahwazi, Christen, Yeziden, Aleviten, Drusen, Ismailiten, Schiiten, Kopten, Bahá'í, Shabak, Zoroastrier und andere Minderheiten im Nahen Osten. Zum Schutz der Zivilbevölkerung und zur Prävention von Vertreibung, Flucht und Genozid setzen wir uns seit fünfzig Jahren für eine friedliche Lösung von bestehenden Konflikten wie für die Syrien-Krise, für den israelisch-palästinensischen Konflikt oder für den türkisch-griechischen Konflikt auf Zypern ein.

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Seit 2012: Verstärkter Einsatz für die Rohingya

 

Als im Juni 2012 die Jahrzehnte lange Ausgrenzung und Diskriminierung von muslimischen Rohingya in Burma eskalierte und in gewaltsame Übergriffe auf die Minderheit mündete, erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker die Hintergründe der Gewalt. Denn seit mehr als 30 Jahren engagierte sich die Menschenrechtsorganisation schon für die Minderheit. Schon vor Jahren prangerte die GfbV das Versagen von Burmas Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi an. Inzwischen stimmen viele Regierungen in diese Kritik ein und fordern Bürgerrechte für Rohingya. Mit vielen Kampagnen machte die GfbV auf die Apartheid ähnliche Ausgrenzung der Minderheit aufmerksam und mobilisierte international Unterstützung für die Verfolgten.

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Jubiläumsausgabe unserer Zeitschrift „bedrohte Völker - pogrom“

Seit fünf Jahrzehnten kämpfen wir für die Rechte ethnischer und religiöser Minderheiten sowie indigener Gemeinschaften auf der ganzen Welt – mit Erfolg. In der Jubiläumsausgabe unserer Zeitschrift stellen wir die Themen und das Vorgehen unserer Menschenrechtsarbeit noch einmal ausführlicher vor.

Unsere Zeitschrift „bedrohte Völker - pogrom“ berichtet regelmäßig und aktuell über verfolgte ethnische und religiöse Minderheiten, Nationalitäten sowie indigene Völker in aller Welt. Bei uns kommen nicht nur ausgewiesene Experten, sondern auch die Betroffenen selbst zu Wort.

Leseproben der Jubiläumsausgabe und weitere Informationen finden Sie hier.

Bitte tragen Sie zu unserer Menschenrechtsarbeit für bedrohte Völker mit einer Spende bei.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft

(IBAN)DE68 2512 0510 0000 708090

(BIC) BFSWDE33HAN

Herzlichen Dank!