Kurdischer Volkssänger Bavê Selah ist frei

 

08. März 2011

Der kurdische Volkssänger Bavê Selah, der am 25. Januar 2011 von syrischen Sicherheitskräften in Aleppo festgenommen wurde, ist nach einer Meldung aus Syrien am 5. März freigelassen worden.

Hintergrund

Der kurdische Volkssänger Bavê Selah wurde am 25. Januar 2011 von syrischen Sicherheitskräften in Aleppo festgenommen. Ohne Erklärung drangen die Sicherheitskräfte in sein Haus ein und verschleppten den kranken 60-Jährigen an einen bisher unbekannten Ort. Unterstützer des Sängers sind in großer Sorge um sein Leben. Selah leidet an Diabetes und ist auf seine Medikamente dringend angewiesen.

Nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) ist der populäre kurdische Volkssänger Abdulrahman Omer, bekannt unter dem Namen Bavê Selah, in keiner politischen Organisation Mitglied. Sein einziges Vergehen ist sein jahrelanges Engagement für den Erhalt und die Pflege der kurdischen Sprache und Kultur. Der Künstler dokumentiert und sammelt alte kurdische Volkslieder. Bavê Selah wurde in der Vergangenheit bereits wiederholte Male aufgrund seines Einsatzes für die kurdische Kultur festgenommen. Er tritt regelmäßig bei öffentlichen Veranstaltungen auf und organisiert Musikkonzerte im In- und Ausland.

Im Juni 2000 versprach der junge syrische Präsident Bashar al-Assad, der seinen Vater beerbte, dass die arabische Republik Syrien sich politisch öffnen werde. Auch den Kurden sicherte er wiederholt mehr Rechte zu. Doch stattdessen ist die Verfolgung der Kurden und die Unterdrückung der demokratischen Opposition im Land verschärft worden. Täglich werden Angehörige der ethnischen Minderheit, vereinzelt auch christliche Assyro-Aramäer, ohne erkenntliche Gründe inhaftiert.

Immer wieder werden "unbequeme" Menschenrechtler unter Verweis auf syrische Gesetze und mit dem Vorwurf, dem Ansehen des Staates zu schaden, verhaftet und gefoltert. Viele "verschwinden" wie Bavê Selah für Tage oder Wochen. In einigen Fällen bleibt ihr Aufenthaltsort sogar monatelang unbekannt. Insgesamt sollen sich in Syriens Gefängnissen etwa 3.000 politische Gefangene befinden. Kurden sind überproportional häufig unter ihnen.

Die Zustände in den Gefängnissen sind katastrophal. In sogenannten Gemeinschaftszellen werden in der Regel zwischen 45 und 100 Insassen untergebracht. Im Winter ist es furchtbar kalt, die hygienischen Zustände sind katastrophal und eine medizinische Versorgung wird praktisch nicht geboten. Folter ist in Syriens Gefängnissen und Polizeistationen gängige Praxis. Neben den körperlichen Verletzungen kämpfen die Leidtragenden ihr Leben lang mit den psychischen Folgen der Misshandlungen. Teilweise erliegen die Opfer ihren schweren Verletzungen.

Die kurdische Minderheit Syriens ist seit Jahrzehnten erheblichen staatlichen Repressionen unterworfen. Obwohl die Kurden etwa zehn Prozent der Bevölkerung Syriens ausmachen, haben sie noch immer keine politische Vertretung. Kurdische Parteien sind defacto verboten, da die syrische Verfassung auf ethnischer oder religiöser Identität basierende Parteien nicht zulässt. Trotz einiger Lockerungen in der Politik gegenüber der kurdischen Minderheit seit dem Machtantritt Bashar al-Assad bleibt zivilgesellschaftliches Engagement für Kurden weiterhin gefährlich.

Bitte unterstützen Sie unseren Appell an Ruprecht Polenz, Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Deutschen Bundestages, sich für die Freilassung des syrisch-kurdischen Künstlers Abdulrahman Omer, bekannt als Bavê Selah, einzusetzen.


Foto: GfbV