Sudanesin Meriam Yahia Ibrahim ist frei!

    
25. Juli 2014

Endlich ist Meriam in Sicherheit. Wir freuen uns, dass die junge Mutter aus dem Sudan gestern mit ihrer Familie in Italien angekommen ist. Ihr Sohn ist erst 20 Monate alt und braucht sie noch genauso dringend wie seine kleine Schwester, die vor acht Wochen in einem Gefängnis der sudanesischen Hauptstadt Karthum zur Welt kam. Vater Daniel konnte und wollte nicht glauben, dass Meriam ausgepeitscht und hingerichtet werden sollte. Denn ihr „Verbrechen“ war, dass sie den falschen Glauben hatte und sich nicht vom Christentum abkehren wollte. Aber Glaube ist doch kein Verbrechen!

All denjenigen, die sich an unserer E-Mail-Kampagne für Meriam beteiligt haben, danken wir sehr herzlich! Sie alle haben dazu beigetragen, dass das Todesurteil gegen Meriam nicht vollstreckt wurde und die Familie vereint ist. Danke!

Die vergangenen zehn Wochen waren für uns eine Berg- und Talfahrt der Gefühle. Meriam war hochschwanger, als sie am 11. Mai zum Tod durch Erhängen verurteilt wurde. Seitdem versprachen die sudanesischen Behörden mal ihre baldige Freilassung und ließen uns so auf ein schnelles Ende der Tragödie hoffen. Dann zeigten sie wieder Härte und gaben vor, sie dürften nicht in laufende Gerichtsverfahren eingreifen, weil der Sudan ein Rechtsstaat sei. Wir prangerten diese Doppelmoral an und machten deutlich, dass es im Sudan keine Gerechtigkeit für Andersgläubige gibt.

Wir waren die Ersten in Europa, die nur wenige Stunden nach dem Todesurteil über die drohende Hinrichtung Meriams berichteten. Sogleich wandten wir uns an Bundeskanzlerin Angela Merkel und baten sie um Hilfe. Auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier und den Menschenrechtsbeauftragten der Bundesregierung, Christoph Strässer, schalteten wir ein. Sie alle sprachen mit sudanesischen Ministern und Diplomaten, baten sie um Milde und eine baldige Freilassung der Christin.

Um den Druck auf Sudans Politiker zu verstärken, mobilisierten wir und andere Organisationen über soziale Netzwerke eine weltweite Petitions-Kampagne für Meriams Freilassung. Als der sudanesische Außenminister Anfang Juni nach Deutschland kam, um an einer Werbeshow des Deutschen Afrikavereins für den Sudan mitzuwirken, fuhren wir nach Berlin und demonstrierten vor seinem Hotel. Mit Galgenstricken um den Hals und großen Bannern für mehr Religionsfreiheit im Sudan machten wir Meriams Schicksal zu einem Thema in Berlin.

Zum Glück sind Meriam und ihre Familie jetzt endgültig frei. Doch Menschenrechte, nicht nur die von Christen, tritt der Sudan weiter mit Füßen. Als die US-Schauspielerin Angelina Jolie bei einer Konferenz gegen sexuelle Gewalt in London zu mehr Schutz von Frauen im Krieg aufrief, legten wir neueste Zahlen über einen drastischen Anstieg von Vergewaltigungen durch regierungsnahe Milizen im westsudanesischen Darfur vor. So gibt es auch für uns noch viel zu tun, damit grundlegende Menschenrechte im Sudan endlich beachtet werden.