Krieg schürt Hungerkatastrophe

Der Südsudan braucht schnellstens Frieden!

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Gerettet und zum Glück in guter Obhut! Doch die Schrecken von Krieg und Flucht scheinen sich in diesem kleinen Gesicht widerzuspiegeln. Foto: Albert Gonzalez Farran

Der Anblick ist herzzerreißend: Die Flüchtlinge aus dem Südsudan, die in diesen Tagen die rettende Grenze zu Uganda erreichen, sind vollkommen ausgezehrt und erschöpft. Fast alle sind Frauen und Kinder. Vor allem die Kleinen wirken apathisch, sind dramatisch unterernährt. Tagelang sind diese Flüchtlinge in sengender Hitze gelaufen – ohne Proviant, mit nur ganz wenig Wasser, in ständiger Todesangst.

In vielen südsudanesischen Dörfern gibt es kaum noch oder gar keine Nahrungsmittel mehr. Viele Bewohner mussten fliehen, auch weil der Krieg näher rückte. Alte, Kranke und Gebrechliche bleiben zurück, die Strapazen einer Flucht würden sie nicht überleben. Doch auch so warten sie alleingelassen auf den Tod. Denn humanitäre Helfer trauen sich nicht mehr in die Region. Dutzende Mitarbeiter von Hilfswerken wurden bereits in Hinterhalte gelockt und getötet.

In keinem Land Afrikas sind heute so viele Menschen von einer Hungersnot bedroht wie im Südsudan: Rund 7,5 Millionen Menschen kämpfen um ihr Überleben. Mehr als 3,6 Millionen Südsudanesen sind auf der Flucht vor Hunger und Krieg.

Es bahnt sich eine furchtbare Tragödie an und sie ist von Menschen gemacht! Sie ist vor allem die Folge des blutigen Bürgerkriegs. Die Notleidenden brauchen jetzt zwar unbedingt mehr Hungerhilfe, aber vor allem Frieden. Nur dann können sie wieder ihre Felder bestellen.

Der Bürgerkrieg hat viele Familien zerrissen. Die meisten Frauen sind mit ihren Kindern auf sich allein gestellt. Oft haben sie sich von Schwestern oder Eltern getrennt, die die gefährliche Flucht ins Nachbarland scheuten oder sich nicht zutrauten. Die Soldaten der südsudanesischen Armee sind für ihre Brutalität gefürchtet. Wer in ihre Hände fällt und einer „falschen“ Volksgruppe angehört, dem droht Schreckliches. Eigentlich sollte die Armee Zivilisten beschützen. Doch Fliehende und Kinder sind Soldaten schutzlos ausgeliefert, werden oft ermordet, Frauen zuvor vergewaltigt. Auch die gegnerische Seite, die Milizen, begehen Gräueltaten. Sie werben Männer an, versprechen ihnen etwas Geld als Sold, geben ihnen eine Waffe in die Hand. Damit fühlen sich manche sicherer, lassen ihre Familie im Stich und ziehen in den Krieg.

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Hals über Kopf musste diese kleine Familie vor Kämpfen fliehen. Die Mutter konnte ihre beiden kleinen Kinder retten. Sie quält die Ungewissheit: Was geschah mit ihrem Mann und den anderen beiden Kindern? Foto: World Humanitarian Summit via Flickr

Viele Südsudanesen haben niemals etwas anderes als Krieg, Hunger und Flucht erlebt. Fast 40 Jahre lang litten sie unter der Vernichtungspolitik des arabisch dominierten Sudan, der den Südsudan als Teil seines Landes beherrschte. Mehr als 2,5 Millionen Menschen fielen diesem Völkermord zum Opfer. Als der Südsudan im Jahr 2011 schließlich unabhängig wurde, war die Hoffnung groß: endlich Frieden, Entwicklung und ein bisschen Wohlstand! Doch der Traum erfüllte sich nicht. Denn den südsudanesischen Politikern gelang es nicht, die Schrecken der Vergangenheit zu überwinden. Misstrauen, willkürliche Verhaftungen, Korruption, Vetternwirtschaft und Machtkämpfe schürten Spannungen. Der Kampf um lukrative Öleinnahmen und ethnische Vorbehalte heizten Konflikte an. Ende des Jahres 2013 brach ein Bürgerkrieg aus, der bis heute andauert. Mehr als 50.000 Menschen sind ihm bereits zum Opfer gefallen. Allen Konfliktparteien werden schwerste Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. So ziehen Soldaten plündernd und mordend durch die von Minderheiten bewohnten Regionen, um diese zu entvölkern.

Bidi Bidi wird die provisorische Siedlung in Uganda genannt, in der die vielen Flüchtlinge aus dem Südsudan untergebracht werden. Es ist die am schnellsten wachsende Flüchtlingssiedlung der Welt. Bald wird sie auch die größte sein. Pro Tag treffen hier durchschnittlich 2.000 Südsudanesen ein. Insgesamt leben heute bereits 250.000 Schutzsuchende in Bidi Bidi. Ihnen wurde jeweils etwas Land und Geld für den Bau einer Hütte zur Verfügung gestellt, damit sie nicht nur auf Hilfe von außen angewiesen sind, sondern auch etwas anbauen können. Doch ihre Zukunft sieht düster aus. Bidi Bidi ist längst überbelegt, wächst trotzdem und es gibt immer mehr Versorgungsengpässe. Das wird sich kaum ändern, wenn der Krieg im Südsudan nicht endlich beendet und so auch der Hunger eingedämmt wird.

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Im Südsudan wird mit Waffen aus deutscher Lizenzproduktion gekämpft wie mit dem G3-Sturmgewehr, das die Firma Heckler & Koch entwickelt hat. Foto: Steve Evans via Flickr

Viele kleinere Völker wie die Nuer, Shilluk und Toposa befürchten, dass die Dinka-Mehrheit sie aus dem Südsudan vertreiben oder sogar vernichten will. Es gab schon Massaker an kleineren Volksgruppen: Dinka-Soldaten hatten es ganz gezielt auf die Minderheiten abgesehen. Die Vereinten Nationen warnen bereits vor einem Genozid. Selbst Babys, Nonnen und alte Menschen sind allein aufgrund ihrer ethnischen Herkunft in großer Gefahr. Auch die Warlords und Rebellen schrecken nicht vor fürchterlichen Gräueltaten zurück. Die Täter bleiben meist straflos. Doch es darf keinen neuen Völkermord wie 1994 in Ruanda geben! „Nie wieder Ruanda“ bedeutet auch, dass jetzt schnell gehandelt werden muss, um einen Genozid oder ein Auseinanderbrechen des Landes in viele kleine von Warlords kontrollierte Gebiete zu verhindern.

Seit fast 50 Jahren setzt sich die GfbV für die Menschenrechte von Südsudanesen ein. Leidvoll zeigt ihr Schicksal heute, dass aus Opfern Täter werden können. Doch wir wollen die Notleidenden nicht im Stich lassen und bleiben an der Seite der Opfer: der unschuldigen Kinder, der unbeteiligten Zivilisten, der bedrohten Minderheiten. Jahrelang haben wir vor dem sich abzeichnenden Desaster gewarnt – und wurden viel zu wenig ernst genommen. Jetzt wäre es unverantwortlich, die Augen vor der dramatischen Lage zu verschließen.

Viele Südsudanesen, die wir früher unterstützt haben, wenden sich heute wieder hilfesuchend an uns, um noch mehr Leid in ihrer Heimat zu verhindern. Sie wollen, dass Südsudans Politiker keine neuen Waffen kaufen, sondern Entwicklung und Infrastruktur fördern. Und dass die Verantwortlichen für die schlimmen Gräueltaten zur Rechenschaft gezogen werden. Doch vor allem wollen sie einen umfassenden Friedensprozess, an dem nicht nur die beteiligt werden, die die meisten Waffen haben, sondern auch Oppositionspolitiker, Nichtregierungsorganisationen und Kirchen.

  • Deutschlands führende Politiker sprechen viel über Hunger und Flucht in Afrika. Doch Hungerhilfe allein wird die Fluchtursachen nicht eindämmen. Wir werden Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Sigmar Gabriel, Entwicklungsminister Gerd Müller, Innenminister Thomas de Maiziere und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drängen, sich aktiver für ein Ende von Gewalt und Krieg im Südsudan einzusetzen. Dazu gehörte auch, auf die Ukraine einzuwirken, die von den Vereinten Nationen beschuldigt wird, einer der bedeutendsten Rüstungslieferanten des Südsudan zu sein. Diese Waffenlieferungen müssen gestoppt werden!
  • Unsere Kampagne „Kandidatencheck Menschenrechte“ zur Bundestagswahl 2017 thematisiert auch die katastrophale Lage im Südsudan. Mit unseren Fragen wollen wir unsere Politiker aufrütteln: Sie müssen dazu beitragen, einen Völkermord im Südsudan zu verhindern.
  • Im UN-Menschenrechtsrat und am Rand der UN-Vollversammlung werden wir uns dafür einsetzen, dass der seit langem Sondergerichtshof geplante endlich aufgebaut wird, um Gräueltaten im Südsudan zu ahnden.
  • Wir werden uns dafür engagieren, dass gegen die Verantwortlichen des Mordens Sanktionen verhängt werden (Reise- und Finanzbeschränkungen). Nur wenn der Druck auf sie erhöht wird, kann das Morden beendet werden!
  • Mit öffentlichkeitswirksamen Protesten werden wir auf  Hunger, Krieg und Flucht im Südsudan aufmerksam machen und Regierungen zum Handeln drängen.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft

(IBAN) DE07 2512 0510 0000 506070

(BIC) BFSWDE33HAN


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Die Kampagne wurde im Juli 2017 lanciert.