Indigene Völker in der Arktis zwischen Klimawandel und Rohstoffboom

Die indigenen Völker in der Arktis stehen vor enormen Herausforderungen: Der Klimawandel bedeutet für sie einen grundsätzlichen Wandel ihrer Lebensbedingungen und einen Wertewandel. Manche Gemeinschaften werden gespalten zwischen denen, welche die Traditionen erhalten wollen und jenen, die am Wirtschaftsleben nach Vorbild der westlichen Welt teilhaben wollen. Diese Veränderungen gehen für viele schneller vonstatten, als sie sich und ihre Lebensweise anpassen können. Identitätsverlust insbesondere in der Jugend ist oft die Folge mit der Konsequenz einer hohen Drop-out-Rate von Alkohol- und Drogenabhängigen oder Suizid unter Jugendlichen.

Die Arktis erwärmt sich viel schneller als der restliche Erdball. Jäger und Eisfischer in Grönland, die auf ausreichend dick gefrorenes Meereis als Transportwege angewiesen sind, kehren immer öfter nicht zurück, weil sie in das Eis einbrechen und ertrinken. Oder sie können nicht mehr lange genug zur Jagd ausfahren, um ausreichend Vorräte für das restliche Jahr zu beschaffen. Grönland ist zusätzlich von großem geostrategischen Interesse. Russland, USA und China ringen um die Vorherrschaft in den immer länger eisfrei bleibenden Gewässern des Eismeers.

Der Permafrost taut, Eisberge und Gletscher verschwinden. Regen, Schnee, Tauwetter und Frost folgen so rasch aufeinander, dass sich auf dem Schnee vereister Harsch bildet, den die Rentiere in Sápmi und Sibirien nicht durchdringen können, wenn sie nach Futter scharren. Viele Tiere verletzen sich dabei an der scharfen Eiskante. Hinzu kommen Wirtschaftsprojekte für die Rohstoffförderung oder den Bau von Windparks, die keine Rücksicht auf die Wanderwege der Rentierherden oder ihre Weidegebiete nehmen.

Ein international gültiges Regelwerk wie für die Antarktis gibt es für die Arktis bislang nicht. Wir wollen erreichen, dass sich das ändert. Indigenen Völkern droht ohne näher definierte, ökologisch nachhaltige und in ihrer Umsetzung überprüfte Regeln zur Nutzung der Rohstoffe und ihres Landes weitere Marginalisierung und die Zerstörung ihrer Lebensgrundlagen. Dringend müssen Regierungen und Unternehmen gedrängt werden, indigene Rechte stärker zu beachten und den ungezügelten Rohstoffwettlauf in der Arktis einzuschränken. Dies wird im Rahmen dieses Projekts geschehen, im Dialog mit der Öffentlichkeit, Regierungen und Unternehmen, durch zahlreiche strategische Interventionen. Klimaforscher*innen und Wissenschaftler*innen werden dabei ebenfalls einbezogen.


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Headerimage: Nenzen der Jamal-Halbinsel in Sibirien, Foto: evgenii/stock.adobe.com