Menschenrechte indigener Völker in Brasilien – Deutsche Unternehmen sollen sich zu ihrer Verantwortung bekennen

In ganz Brasilien formiert sich indigener Widerstand gegen den Abbau verfassungsmäßig garantierter Grundrechte. Seit dem Amtsantritt Jair Bolsonaros am 01. Januar 2019 überschlagen sich die Ereignisse für Brasiliens Indigene: Seit mehr als einem Jahr erleben wir nun einen brasilianischen Präsidenten, der mit seinen Äußerungen Indigene öffentlich rassistisch diffamiert und eine Wirtschaftspolitik mit katastrophalen Auswirkungen für Umwelt und Menschen verfolgt.

Indigene Territorien sollen per Gesetz für Rohstoffabbau geöffnet und indigene Rechte systematisch beschnitten werden. Regierungsprogramme, zu ihrer Förderung, werden eingestellt und Unterstützungsorganisationen bedrängt und eingeschüchtert. Wir beobachten Korruption, Machtmissbrauch und wachsender Einfluss von Lobbygruppen auf der einen und die Aushöhlung indigener Rechte auf der anderen Seite. Brasiliens Regierung setzt auf verstärkte Wirtschaftsinvestitionen auch auf indigenem Land, um weiteres Wirtschaftswachstum zu erzielen.

Viele deutsche Unternehmen sind aktiv in Brasilien. Manche ihrer Aktivitäten haben negative Folgen für Indigene. Doch diese globalen Bezüge werden in der deutschen Öffentlichkeit kaum wahrgenommen. Staudamm-Projekte und der Einsatz von Pestiziden im Soja-Anbau führen zu massiven Menschenrechtsverletzungen an Indigenen. Trotzdem kann die Unternehmensverantwortung deutscher Unternehmen im Ausland nur schwer eingefordert werden. Wenn TÜV Süd einen einsturzgefährdeten Damm als sicher zertifiziert oder Bayer Monsanto Pestizide in Brasilien verkauft, die in Europa verboten sind, dann müssen diese Unternehmen in Deutschland für ihre Handlungen haftbar gemacht werden. Die GfbV unterstützt Betroffene in ihren Forderungen und sucht den Dialog mit deutschen Politiker*innen und Unternehmen.


Weiterführende Informationen

Am 25. Januar 2019 um 12:28 Uhr Ortszeit geschieht das Unfassbare. Ohne Sirenen oder jegliche Alarmsignale bricht der Staudamm bei Brumadinho. 272 Menschen sterben an diesem Tag, 21 weitere werden bis heute vermisst. Was bleibt, sind Wut, Trauer und Verzweiflung. 7 Das Sicherheitszertifikat vom deutschen Unternehmen TÜV Süd hätte nie ausgestellt werden dürfen. Heute wissen wir, dass die Bedenken von Sachverständigen längst dokumentiert worden waren. Doch Schwachstellen im brasilianischen Minengesetz machten den Damm legal. Der Staat interveniert erst, wenn ein Zertifikat insgesamt negativ ausfällt. Von der Katastrophe sind auch Indigene betroffen, die Pataxó Hã-HãHãe. Sie sind durch ihre Lebensweise besonders gefährdet und gleichzeitig rechtlich am schlechtesten geschützt.

Am 25. Januar 2019 brach der Damm des Rückhaltebeckens einer Erzmine in der Nähe der Stadt Brumadinho. Die Auswirkungen sind heute noch spürbar. Regina Sonk, Referentin für Indigene Völker der Gesellschaft für bedrohte Völker, spricht mit Niels Keilhack über Katastrophe und ihre Folgen für die dort lebenden indigenen Pataxó und die Verantwortung des TÜV Süd.


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