Katar – die Schattenseiten der WM

Die Fußball-Wetmeisterschaft ist das Ereignis für Fußballfans weltweit. Sie selbst soll für Völkerverständigung, Energie und Freude stehen. Doch die Realität sieht anders aus. Die erste Weltmeisterschaft findet nun in diesem Jahr im Nahen Osten in Katar statt, doch sie steht unter schlechten Vorzeichen. Arbeitsmigrant*innen, religiöse Minderheiten, Journalist*innen und Menschenrechtler*innen – sie alle sind dort nicht sicher, denn die Welt ist erneut zu Gast in einem Land, das Menschenrechte mit Füßen tritt. Menschenrechtsverletzungen und ausbeuterische Arbeitsbedingungen sind in Katar Teil der Tagesordnung.

Wie man auch an den Beispielen China und Russland erkennen kann, sind Fußball und Politik eng miteinander verbunden. Dies wird durch die zunehmende Kommerzialisierung, Medialisierung und Internationalisierung unterstützt.

 

 

Memorandum, Juli 2022:

 

Öl-Milliarden für Islamismus und Gastarbeiter als Arbeitssklaven

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Katar ist eines der reichsten Länder der Welt und unterstützt mit diesem Geld islamistische Gruppen, wie die Taliban oder Al-Qaida. Durch diese aggressive Außenpolitik werden ethnische und religiöse Minderheiten, wie die Hazara, Mandäer*innen, Yezid*innen, Bahai und viele mehr verfolgt und diskriminiert. Weiterhin bleibt auch die LGBTQ+ Community bedroht, Homosexualität ist streng verboten und wird mit Auspeitschen, Inhaftierung oder sogar Todesstrafe bedroht, ganz zu schweigen von den religiösen Minderheiten, die ihren Glauben nur in Untergrundgemeinden ausleben können oder der Illusion von Frauenrechten im Land.

Auf der offiziellen WM-Webseite wird überwiegend von Großzügigkeit, Gastfreundschaft und einem fantastischen Wüstenabenteuer in Bezug auf Katar gesprochen. Die FIFA preist Katar sogar an, denn das Gastgeberland habe in den vergangenen Jahren einige der umweltfreundlichsten, modernsten und architektonisch bemerkenswertesten Sportstätten errichtet. Mit keinem Wort erwähnt werden die Arbeitsmigrant*innen, auf deren Rücken das Projekt ermöglicht wurde. Versprochen wurde ihnen gute Arbeit und Reichtum, jedoch wurden sie durch das Kafala-System quasi zu Sklav*innen, die unter schwersten Bedingungen schuften müssen. Tausende von ihnen sollen gestorben sein. Die Bauarbeiten für die Weltmeisterschaft wurden trotz überfüllten Baustellen und hohem Risiko der Übertragung von COVID-19 fortgesetzt.

Die Menschenrechtslage im Gastgeberland und die Unterstützung von islamistischen Gruppen werden durch die WM im Land totgeschwiegen. Diese eine Großveranstaltung ist eine Imagewäsche fürs Land ohne jegliche Verbesserung der Lage.

In unserem Projekt wollen wir kontinulierlich über die Situation von religiösen und ethnischen Minderheiten, Gastarbeiter*innen und FLINTA+ aufmerksam machen und sowohl Katar, den Deutschen Fußballbund, FIFA, als auch die Sponsor*innen in die Verantwortung ziehen.

 

 

Mediathek

 

Wichtige Fragen zur WM in Katar

Hier beantworten unsere Expert*innen zentrale Fragen zur WM 2022 in Katar. 

 

 

Wann und wo findet die WM 2022 statt?

Die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft wird dieses Jahr von Katar ausgetragen und findet dort vom 21. November bis zum 18. Dezember statt.

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Fußball ist doch cool. Warum interessiert ihr euch also dafür?

Fußball ist natürlich cool, aber der Sport wird ideologisch missbraucht – für die einen geht es ums Geld, für andere um politischen Vorteil. Mit der WM erlangt Katar mehr und mehr Einfluss und gibt sich als „weltoffen“ zur Schau. Denn sie dient als Imagewäsche: Katar kann das Bild, das die Welt von dem Emirat hat so gestalten, wie sie es wollen.

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Was ist euer Problem mit Katar als Gastgeberland?

Die Menschenrechte werden vom WM-Gastgeber Katar mit Füßen getreten. Nicht nur betreibt Katar eine aggressive Außenpolitik, indem das Regime islamistische Gruppen wie Taliban oder Al-Qaida unterstützt, welche dann religiöse Minderheiten wie Yezid*innen, Mandäer*innen, Bahai, Hazara, Kopt*innen der Aramäer*innen verfolgen. Im Land selbst ist die Menschenrechtslage auch sehr kritisch.

So wirklich Glaubensfreiheit existiert in Katar nicht. In Katar herrscht eine radikale Vorstellung vom Islam – der Wahhabismus - daher müssen religiöse Minderheiten ihren Glauben in Untergrundkirchen und -gemeinden ausleben. Auch Frauen und LGBTQ+ stehen nach wie vor unter extrem hohem Druck seitens der Regierung und der Gesellschaft – sie riskieren Diskriminierung, Belästigung, polizeiliche Überwachung und Einschüchterung. Doch hier hört es nicht auf, die Arbeitsmigrant*innen, die die vielen Stadien und alles drumherum errichtet haben, werden durch das Kafala-System wie Sklaven behandelt.

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Das Kafala-System, was genau ist das?

Fast 90% von Katars Einwohner*innen sind Ausländer*innen aus u. a. Bangladesch, Nepal und Indien. Viele von ihnen sind Arbeitsmigrant*innen und gehören zu denen, die am meisten unter der Ausrichtung der WM in Katar leiden.

Das Kafala-System ist eine Visumskategorie, die auf Sponsoring basiert und den Arbeitgebern die volle Kontrolle über die Aufenthaltsgenehmigung der Arbeitsmigrant*innen, die Ein- und Ausreise und die Möglichkeit, den Arbeitgeber zu wechseln gibt. Die Regeln und Beschränkungen des Kafala-Systems ermöglichen es missbräuchlichen Arbeitgebern, skrupellose Beschäftigungspraktiken anzuwenden, die Zwangsarbeit gleich kommen können. Dazu gehören übermäßig lange Arbeitszeiten, das Einbehalten von Pässen und Reisedokumenten, die Nichtzahlung von Löhnen sowie physischer, psychologischer und sexueller Missbrauch oder die Androhung von Missbrauch. Die Opfer haben oft kaum oder gar keine Schutzmöglichkeiten. Insbesondere betroffen sind die Arbeiter im Baugewerbe und Hausangestellte. Zwar wurde das Kafala-System offiziell abgeschafft, aber in der Praxis wird das System immer noch umgesetzt.

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Warum darf die WM dann in Katar stattfinden und was hat das Ganze mit Politik zu tun?

Im Dezember 2010 hat Katar die Auslosung gewonnen. Seit der Vergabe stehen jedoch Manipulationsverdachte im Raum. Unter anderem hat das Stattfinden in Katar politische Gründe. Katar ist ein kleines, aber reiches Land, dass sich sicherheitspolitisch größeren militärisch stärkeren Ländern wie Saudi-Arabien gegenübersieht. Daher setzt Katar bei seiner Sicherheitspolitik auf Soft-Power. Das kleine Land tätigt milliardenschwere Investitionen in Kulturprojekte nationaler sowie internationaler Natur, Wissenschaft sowie Infrastruktur. Hier kommt auch der Fußball ins Spiel, Katar sponsert und übernimmt sogar Fußballklubs.

Am 2. Dezember 2010 kündigte der damalige FIFA-Präsident Sepp Blatter Russland und Katar als Gastgeberländer der Fußball-WM 2018 und 2022 an. Von Beginn an stand die Vergabe unter Verdacht, gekauft worden zu sein. Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy wird des Betrugs belastet, der sich am 23. November 2010 im Élysée-Palast in Paris, eine Woche vor der Abstimmung über die Vergabe, mit dem ehemaligen Union of European Football Associations (UEFA)-Präsident Michel Platini und dem katarischen Staatsoberhaupt Tamim bin Hamad Al-Thani traf. Platini willigte ein, im FIFA-Ausschuss für Katar einzutreten. Der Wüstenstaat erklärte sich im Gegenzug bereit, den professionellen Fußballklub Paris Saint-German (PSG) zu übernehmen und in Frankreich eine TV-Sportkette aufzubauen. Blatter erklärte der französischen Zeitung „Le Monde“ später, dass Katar die WM ohne die Intervention von Präsident Sarkozy bei Platini nie bekommen hätte.

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Aber kann dem entgegengehalten werden?

Die WM in Katar ist regelrecht eine Imageaufpolierung. Sowohl der FIFA als auch der DFB müssen hierzu Stellung beziehen. Zentral muss sich mit der Frauen- und LGBTIQ-verachtende Politik Katars und der Finanzierung von islamistischen Gruppen, welche Minderheiten verfolgen, auseinandergesetzt werden. Die Betroffenen brauchen Schutz.

Das bedeutet es muss eine kontinuierliche Auseinandersetzung mit den Themen und kritische Stellungnahme geben. Und auch besonders wichtig ist, dass die nächsten Vergaben von WM oder EM an menschenrechtliche Vorgaben geknüpft werden, damit nicht noch einmal ein Land wie Katar diese Chance hat.

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Was haben den FIFA und DFB überhaupt mit Menschenrechten zu tun?

Der FIFA-Präsident Gianni Infantino eröffnet den FIFA Good Practice Guide mit den Worten „Fußball ist für alle da.“ Nach eigenen Worten will die FIFA das Leben der Menschen verbessern und eine gerechtere und gleichberechtigte Gesellschaft fördern. Dies soll durch Art. 3 der FIFA-Statuen weiter gefestigt werden. Mit dem Artikel bekennt sich die Organisation zur Einhaltung aller international anerkannten Menschenrechte und setzt sich für den Schutz dieser Rechte ein.

Auch der DFB ist sich der gesellschaftlichen Verantwortung bewusst und bekennt sich gemäß § 2 seiner Satzung zur Achtung aller international anerkannten Menschenrechte und setzt sich für die Achtung dieser Rechte ein. Die eigene DFB-Menschenrechts-Policy soll dies untermauern.

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Ah. Und was haben sie bis jetzt gemacht?

Bis jetzt kamen sie diesen Versprechen nicht nach! Regelmäßig verteidigt FIFA-Präsident Infantino Katar, die Fortschritte seien unbestreitbar, sogar exzellent. Zwar liegt er damit nicht vollkommen falsch, mit den bestehenden Reformen, ist aber bei Langem nicht genug getan. Auch werden sie nicht zufriedenstellend durchgesetzt.

Wenn Fußball wirklich für alle da sein soll, wie es versprochen wird, müssen sich die FIFA und der DFB ihrer Verantwortung stellen und sich kritisch äußern.

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Was sagt die katarische Regierung?

Die hält sich bedeckt. Sie weist die Kritik zurück und beschreibt sich regelrecht als „weltoffen“ und „reformfreudig“. Der Emir weist dabei besonders auf die eingeführten Reformen hin, u. a. soll es zu großen Verbesserungen durch die Einführung eines Mindestlohns, einer verpflichtenden Krankenversicherung, die Arbeitgeber ermöglichen müssen und das Recht auf freie Arbeitswahl gekommen sein.

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Und die deutsche Regierung?

Die deutsche Regierung macht gute Miene zum bösen Spiel. Sie braucht Katar, um die Versorgung mit Erdgas zu garantieren und ist zurückhaltend mit der öffentlichen Kritik. Vielmehr betont sie Katar als wichtigen Handels- und Investitionspartner für die Zukunft und preist die bereits stattgefunden Reformen an. Diese seien jedoch ausbaufähig.

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Was fordert ihr also?

Wir mahnen dazu, dass bei internationalen Sportereignissen wie der WM auch immer die politische Lage der Gastgeberländer berücksichtigt wird.

Ob Russland, China oder nun auch Katar – die Menschenrechtsverletzungen können nicht einfach hingenommen werden, sie müssen angesprochen werden. Daher fordern wir alle auf sozusagen die „Rote Karte für Katar“ zu zeigen, nicht nur Regierungen sollen sich kritisch äußern und Druck ausüben, sondern auch Fußballverbände wie FIFA und DFB und Sponsoren wie Adidas.

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Warum denn auch die Sponsoren?

Adidas als einer der weltweit größten Sponsoren des Fußballs, trägt nicht nur die Imagewäsche mit, sondern zieht auch kommerziellen Nutzen aus Events wie der WM. Diese Unternehmen haben eine Verantwortung, die sie nicht ignorieren können. Auch in ihren Statuten wird immer wieder auf Gemeinschaft und Miteinander hingewiesen. Das kann man bei der WM und deren Sponsoring nun nicht betrachten.

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