Der Kanal zerschneidet Strand und Riff – Umweltschäden, die bisher nach dem gescheiterten Tourismusprojekt blieben. Foto: © Newsroom

Ein hässlicher Kanal teilt heute sowohl den Strand als auch das Korallenriff einer ehemaligen natürlichen Bucht Fidschis – Umweltschäden durch ein gescheitertes Tourismusprojekt. Doch die verlassene Baustelle ist auch ein Erfolg gegen rücksichtslose Investoren.

 

Von Sophia Lüneburg

Das chinesische Bauunternehmen Freesoul Real Estate Development (dt. etwa: Freigeist Immobilienentwicklung) beginnt im Mai 2018 auf Malolo Island ein Megaprojekt: Es will das größte Touristen-Resort Fidschis bauen. Die Insel Malolo liegt etwa 20 Kilometer westlich von Fidschis Hauptinsel. Im Laufe des Jahres bricht das Unternehmen zahlreiche Umweltauflagen, bedroht die Existenzgrundlage indigener Dörfer und ignoriert mehrere Baustoppanordnungen. Die Regierung bleibt lange tatenlos, trotz Protest der Anwohner. Doch dann sorgen drei neuseeländische Journalisten des Newsroom Online Portals für Aufruhr.

Anfang 2018 pachtet Freesoul Land an der Küste von Malolo Island. Das Land gehört einem der drei indigenen Clans der Insel, auch wenn die Grenzen der indigenen Territorien zum Teil nicht offiziell geklärt sind. Im Sommer beginnt das Unternehmen damit, einen Kanal durch das Riff zu schlagen. Die vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) hat es nicht durchgeführt, noch besitzt es die Genehmigung, an der Küste zu bauen. Die Folgen sind Abwasser im Meer, mit Schutt versperrte Strände und tote Mangroven. Anfangs waren die Inselbewohner noch für den Tourismus in ihrer Region. Doch dies änderte sich.

Australische Surfer und der indigene Clan, auf dessen Land Freesoul baut, gehen gegen das Unternehmen vor. Sie schicken Drohnenbilder an die Regierung. Es werden mehrere Baustopps von unterschiedlichen Behörden veranlasst. Doch Freesoul ignoriert sie alle. Eine angemessene Reaktion des Staates hierauf bleibt aus. Im Gegenteil wird im Dezember 2018 die Genehmigung der UVP erteilt – trotz schwerer Verstöße, die das Umweltministerium feststellt. Für die indigene Dorfgemeinschaft haben die Eingriffe in die Umwelt direkte Auswirkungen auf ihren Alltag: Die Frauen müssen nun durch das Abwasser der Baustelle tauchen, um Krabben zu fischen; Fischgründe im Riff sind bedroht; das Land verliert durch die Abholzung an Halt.

Erst der öffentliche Druck, den ein Bericht des neuseeländischen Nachrichtenportals Newsroom Anfang Februar 2019 mit sich bringt, zwingt die Regierung zu handeln. Freesoul muss laut Angabe der Staatsanwaltschaft mit Strafen von bis zu 750.000 Dollar und die Verantwortlichen mit bis zu 10 Jahren Gefängnis rechnen. Das Urteil steht noch aus (Stand im Mai 2019; Anm. d. Red.).

Die Situation entspannt sich jedoch nicht. Stattdessen werden am 3. April 2019 drei Newsroom-Journalisten verhaftet, nachdem sie Freesouls Büro besucht hatten, um über die angerichteten Umweltschäden zu sprechen. Die Folgen dieses Vorfalls sind jedoch positiv: In einem Statement entschuldigt sich Fidschis Ministerpräsident Frank Bainimarama bei den Journalisten und stellt sich gegen Unternehmen wie das chinesische Freesoul: „Sie sind nicht willkommen in Fidschi“ (Übersetzt aus dem Englischen, Anm. d. Red.).

Schließlich wird Freesoul am 5. April 2019 die UVP Genehmigung wieder entzogen. Das Areal muss nun wieder in seinen natürlichen Zustand zurückversetzt werden. Wie, das ist noch unklar. In jedem Fall ist die Entwicklung ein Erfolg für die Bewohner Malolos – und ein Beispiel, wie auch Proteste auf kleiner Ebene mit Durchhaltevermögen viel erreichen können.


Sophia Lüneburg studiert Sozialwissenschaften an der Universität Göttingen mit einem Schwerpunkt auf internationaler Politik. 



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