10.10.2018

Europa muss sich mehr für Frieden und Menschenrechte einsetzen

Wachsende Gewalt muss endlich ernst genommen werden (Pressemitteilung)

Paul Biya, der Staatschef Kameruns, darf die dramatische Lage im Land nicht länger schönzureden. Die Europäische Union muss mit gezielten Sanktionen Paul Biya dazu zwingen, die Situation ernst zu nehmen. Bild: UN Photo/Marco Castro via Flickr CC BY-NC-ND 2.0

Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat ein stärkeres Engagement Deutschlands für Frieden in Kamerun gefordert. „Wer Flucht und Migration aus Afrika wirksam bekämpfen will, darf nicht tatenlos zusehen, wie der Kamerun im Bürgerkrieg versinkt. Deutschland und die Europäische Union dürfen nicht länger die Augen vor der eskalierenden Flüchtlingskrise in Westafrika verschließen“, forderte der GfbV-Direktor Ulrich Delius am Mittwoch in Göttingen. Schon heute seien 276.000 Menschen in Kamerun auf der Flucht vor Gewalt. Wenn Kameruns Staatsführung sich nicht endlich ernsthaft um eine politische Lösung des Streits um die Zukunft der anglophonen Landesteile bemühe, müsse die Europäische Union (EU) den greisen Staatschef Paul Biya mit gezielten Sanktionen dazu zwingen, die dramatische Lage nicht länger schönzureden. An diesem Donnerstag wird der Deutsche Bundestag auf Antrag der FDP und von Bündnis 90/Die Grünen über die Lage in dem westafrikanischen Land beraten.

Am letzten Donnerstag war in der Stadt Ndop der katholische Seminarist Gérard Anjiangwe von Soldaten vor einer Kirche erschossen worden. Weitere drei Angehörige der anglophonen Bevölkerungsgruppe sind am letzten Sonntag in der Stadt Bamenda getötet worden. Insgesamt starben seit Ausbruch des Konflikts im Jahr 2016 bereits mehr als 400 Zivilisten und 176 Sicherheitskräfte. 

Nachdrücklich kritisierte der Menschenrechtler die Ignoranz, mit der Kameruns Regierung auf die zunehmende Gewalt in anglophonen Landesteilen reagiert. So lobte der seit 36 Jahren amtierende Präsident Paul Biya nach dem Ende der Präsidentschaftswahlen am Sonntag, die Wahlen hätten auch in den anglophonen Regionen in einer „Atmosphäre der Ruhe“ stattgefunden. Dabei wurden am gleichen Tag drei Menschen erschossen und die Zivilbevölkerung in den englischsprachigen Gebieten wagte aus Angst vor weiterer Gewalt nicht, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen. „Wie kann man von der Normalität des Lebens sprechen, wenn in den englischsprachigen Regionen von den vorgesehenen 2.343 Wahlbüros aufgrund der Gewalt nur 79 Abstimmungszentren geöffnet waren“, erklärte Delius.

Wenn heute die Unabhängigkeitsbewegung in den anglophonen Regionen so stark sei, so sei dies auch auf das Versagen der Kolonialmächte zurückzuführen. Denn sie hätten die Interessen der englischsprachigen Minderheit in der früheren deutschen Kolonie weitgehend ignoriert, um sich den Zugriff auf Ölvorkommen zu sichern. Dringend müsse nun endlich nach einer politischen Lösung des eskalierenden Konflikts gesucht werden, um die Gewalt wirksam einzudämmen.       

Headerbild: UN Photo/Marco Castro via Flickr