08.05.2018

Eurovision Song Contest: Im Schatten der Superstars - Aboriginal Australians im Elend

Jessica Mauboy singt auch für indigene Gemeinschaften Australiens (Pressemitteilung)

Als Angehörige einer indigenen Gemeinschaft wirbt Jessica Mauboy aktiv um Unterstützung für bitter nötige Bildungsprojekte für Kinder der Aboriginal Australians. Foto: Eva Rinaldi via Flickr

Anlässlich der Teilnahme des indigenen australischen Superstars Jessica Mauboy am Eurovision Song Contest (ESC) in Lissabon macht die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) auf die traurige Lage der Aboriginal Australians auf dem fünften Kontinent aufmerksam. „Glanz und Glamour der wohl bekanntesten Singer-Songschreiberin Australiens sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die übergroße Mehrheit der rund 700.000 Aboriginal Australians in großem Elend lebt. Im Gegenteil: Als Angehörige einer indigenen Gemeinschaft wirbt Jessica Mauboy aktiv um Unterstützung für bitter nötige Bildungsprojekte für Kinder der Aboriginal Australians“, betont die GfbV-Referentin für indigene Völker, Yvonne Bangert.

In einem 17-seitigen neuen Memorandum hat die GfbV ernüchternde Fakten über die Situation der Aboriginal Australians zusammengetragen. So ist ihre Lebenserwartung um durchschnittlich 15 Jahre geringer als die der Mehrheitsbevölkerung. Der Anteil Indigener an Häftlingen ist überproportional hoch. Auch Kinder müssen Gefängnisstrafen absitzen, nicht selten wegen Bagatelldelikten. So traf die UN-Sonderberichterstatterin zu den Rechten indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz, im April 2017 auf Aboriginal Australians, die verhaftet wurden, weil sie ein Stück Obst geklaut oder in einem Müllcontainer geschlafen hatten. Sie kritisierte, die Menschen würden offenbar dafür bestraft, dass sie arm sind.

„Die australische Regierung unternimmt kaum etwas, um den Aboriginal Australians über das schwere Trauma der Stolen Generation hinwegzuhelfen, das ihnen von 1900 bis in die frühen 1970er Jahre zugefügt wurde und das bis heute fortwirkt“; kritisiert Bangert. Damals wurden bis zu 100.000 indigene Kinder gewaltsam aus ihren Familien gerissen und in Heimen oder weißen Familien aufgezogen. Die aktuellen großen Probleme der Aboriginal Australians mit Alkohol- und Drogenmissbrauch, hohen Häftlingszahlen und Suizidraten führen Fachleute auf die Zerstörung der Identität und den Kulturverlust als Folge dieser Traumatisierung zurück. Lösungsansätze, welche die Aboriginal Australians einbeziehen wie zweisprachige und bi-kulturelle Bildungsprojekte werden viel zu wenig gefördert.

„Die australische Regierung hat sich zwar offiziell bei den Aboriginal Australians für den traumatisierenden Kindesentzug entschuldigt. Doch Experten sprechen bereits von einer neuen Stolen Generation. Denn auch heute werden indigene Kinder aus sogenannten Problemfamilien in nicht-indigene Pflegefamilien gegeben, obwohl es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass diese Kinder möglichst bei Verwandten oder einer indigenen Pflegefamilie aufwachsen sollen“, berichtet Bangert.

Das Memorandum können Sie hier kostenlos herunterladen (PDF).

 

Header Foto: Eva Rinaldi via Flickr