21.10.2025
Wer sind die Krimtataren?
Cross-mediale Veranstaltungsreihe zur Geschichte, Kultur und Politik des Indigenen Volkes
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) und das Institut für Caucasica-, Tatarica- und Turkestan-Studien (ICATAT) laden zu einer cross-medialen Veranstaltungsreihe zur Geschichte, Kultur und aktuellen menschenrechtlichen und politischen Lage der Krimtataren ein – einem der Indigenen Völker der von Russland besetzen Krim. Zwischen dem 4. November und dem 11. Dezember 2025 werden Veranstaltungen in insgesamt neun Städten stattfinden.
Im Rahmen der Veranstaltung wird das neu erschienene Buch „Die Krimtataren, Geschichte, Kultur, Politik“ vorgestellt und Ausschnitte einer Dokumentarfilm-Serie über krimtatarische Spuren in Deutschland gezeigt. Die Krimtatarin, Autorin und Aktivistin Elnara Nuriieva-Letova wird aus ihren Prosatexten lesen. Darin lässt sie uns an ihrer Suche nach Orientierung und Identität teilhaben und beschreibt, wie ihr eigenes Leben sich seit der Besetzung der Krim verändert hat. Krimtatarische Musiker werden die Veranstaltung zudem musikalisch rahmen. Im Anschluss gibt es die Gelegenheit des Austauschs mit den Künstlern sowie mit Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV und Osteuropa-Expertin, und Dr. Mieste Hotopp-Riecke, Leiter des ICATAT.
Veranstaltungen im Überblick
04.11.2025, 19.30 Uhr, Zentralbibliothek Magdeburg, Breiter Weg 109, 39109 Magdeburg
05.11.2025, 16 Uhr, European Center for Minority Issues (ECMI), Schiffbrücke 12, 24393 Flensburg
20.11. 2025, 19 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte, Greifswalder Str. 4, 10405 Berlin
25.11. 2025, 14 Uhr, Academy of International Affairs, Rheinallee 24, 53173 Bonn
27.11. 2025, 19 Uhr, Kinemathek Karlsruhe, Kaiserpassage 6, 76133 Karlsruhe
02.12. 2025, 18.30 Uhr, Institut für Osteuropäische Geschichte, Spitalgasse 2, Hof 3, Eingang 3.2 (Campus) 1090 Wien
05.12. 2025, 19 Uhr, Eine Welt Haus München, Schwanthaler Str. 80, 80336 München
10.12. 2025, 18.30 Uhr, Deutsches Musikarchiv, Deutscher Platz 1, 04103 Leipzig
11.12. 2025, 19 Uhr, Paulinerkirche, Papendiek 14, 37073 Göttingen
„Seit vielen Jahrhunderten leben Krimtataren auf der Krim. Heute werden sie dort von den russischen Besatzern systematisch verfolgt und schikaniert. Willkürliche Festnahmen, Verschleppungen, Hausdurchsuchungen und lange Haftstrafen sollen die Menschen einschüchtern. Doch die Krimtataren sind nicht nur Opfer russischer Repression. Sie waren und sind wichtige Akteure in Politik und Kultur Europas. Unsere Veranstaltungsreihe legt einen Schwerpunkt auf authentische Informationen über die menschenrechtliche und politische Lage auf der Krim und die Geschichte und Kultur des Indigenen Volkes. Damit stellen wir uns gegen russische Propaganda und Desinformation, die teils auch in Deutschland verfängt“, erklärt Reinke, die Mitherausgeberin des Buches „Die Krimtataren, Geschichte, Kultur, Politik“ ist. Es ist das erste Buch in deutscher Sprache, das kompakt dargestellt, dass die Krimtataren seit Jahrhunderten in Europa präsent sind – als Händler, Diplomaten, Kulturschaffende, Militärs. Zeugnisse dieses krimtatarischen Handelns finden sich überall in Deutschland.
Dr. Mieste Hotopp-Riecke ist Experte zur Thematik der Krimtataren. Er hat gemeinsam mit einem krimtatarischen Filmteam eine Dokumentarfilm-Serie über Städten und Personen in Deutschland gedreht, die krimtatarisches Kulturgut bewahren. „Wir wollen mit dem Publikum ins Gespräch kommen. Wir wollen aufklären und werben um Solidarität für die Krimtataren und ihre Situation heute“, sagt Hotopp-Riecke. Elnara Nuriieva-Letova, krimtatarische Cross-Media Aktivistin und Autorin ergänzt: „Unsere Stimmen sollen gehört werden. Wir wollen, dass mit uns gesprochen wird, wenn es um Entscheidungen zu unserer Heimat geht. Durch die Veranstaltungsreihe wollen wir unsere Sichtbarkeit in Deutschland steigern und für uns selbst sprechen.“
Angesichts der aktuellen Diskussion um eine drohende Abtretung der Krim an die Russländische Föderation und der russischen Propaganda, dass die Krim schon immer russisch sei, ist es von großer Bedeutung, über die krimtatarische Geschichte und die Verflechtungen in ganz Europa zu berichten, sind sich die Veranstalter einig.
Die Veranstaltungsreihe wird unterstützt vom Ukrainischen Institut Deutschland aus Mitteln des Auswärtigen Amtes, von der DELP-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung sowie einem Bündnis krimtatarischer und deutschen Initiativen und NROs.