21.08.2025

Zweite Nama-Jugendkonferenz in Mariental (Namibia)

Rechte indigener Gemeinschaften im Fokus (22.-23. August)

Youth Conference der NTLA über extraktive Industrien, kulturelle Rechte und den geplanten Hafenausbau auf Shark Island

Rund 60 junge Vertreter der Nama treffen sich am 22. und 23. August in Mariental, Namibia, um über die sozialen, politischen und menschenrechtlichen Dimensionen der Wasserstoff-Produktion im Süden Namibias zu diskutieren. Die Youth Conference findet als Reaktion auf das umstrittene Hyphen-Großprojekt zur Produktion von grünem Wasserstoff statt, einem internationalen Milliardenvorhaben, das tiefgreifende Auswirkungen auf Land, Umwelt und indigene Rechte im Süden Namibias haben könnte. Im Mittelpunkt der Konferenz stehen zentrale Themen wie die Auswirkungen ausbeutender Industrien auf Umwelt und Gemeinschaften, die Rechte Indigener Völker im Zusammenhang mit großflächigen Investitionsprojekten sowie das Spannungsfeld zwischen wirtschaftlichen Interessen und dem Schutz von Kultur und kulturellem Erbe. Ein besonderer Fokus liegt auf dem geplanten Hafenausbau auf Shark Island. Dieser zentrale Gedenkort an den Völkermord an den Nama und Ovaherero würde durch das Vorhaben in seiner derzeit geplanten Form massiv beeinträchtigt und in Teilen zerstört. Weiterhin wird das Recht auf freie, vorherige und informierte Zustimmung (Free, Prior and Informed Consent – FPIC) sowie das Recht auf echte und substanzielle Konsultation der betroffenen Gemeinschaften intensiv diskutiert.

Die Konferenz wird von der Nama Traditional Leaders Association (NTLA), dem European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR) und der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) organisiert.

Das Hyphen-Projekt zur Erzeugung von grünem Wasserstoff ist mit rund 10 Milliarden US-Dollar eines der größten Industrieprojekte im südlichen Afrika. Es wird auch von deutschen Unternehmen und Investitionen getragen. Die erste Nama-Jugendkonferenz im April 2025 formulierte bereits klare Forderungen zur Beteiligung der lokalen Bevölkerung. Die Folgekonferenz im August vertieft diese Diskussionen und setzt ein Zeichen für die Rechte indigener Gemeinschaften in Zeiten globaler Klimapolitik und Ressourcennutzung.

„Das Hyphen-Projekt ist ein Paradebeispiel dafür, wie wirtschaftliche Interessen indigene Rechte verdrängen können, wenn keine verbindliche Einbindung der Betroffenen erfolgt. Deutschland und andere beteiligte Akteure müssen ihrer historischen Verantwortung gerecht werden“, erklärt Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika.

„Das Projekt berührt nicht nur Umwelt- und Menschenrechte, es steht auch im Kontext kolonialer Gewalt. Echte Teilhabe ist kein nettes Extra, sondern ein völkerrechtliches Gebot“, ergänzt Andrea Pietrafesa vom ECCHR.

Maboss Johannes Ortmann von der NTLA betont: „Wir, die Nama, dürfen nicht Zuschauer unserer eigenen Zukunft sein. Entscheidungen über unser Land und Erbe dürfen nicht ohne uns getroffen werden.“

Journalist*innen sind herzlich eingeladen, an der Konferenz teilzunehmen. Die Veranstaltenden bieten Einblicke in lokale Perspektiven und stehen für Hintergrundgespräche zur Verfügung.

Kontakt für Presseanfragen:

  • NTLA: Maboss Johannes Ortmann maboss.ortmann@gmail.com oder +264 81 481393
  • ECCHR: Andrea Pietrafesa: pietrafesa@ecchr.eu Anne Schroeter: schroeter@ecchr.eu
  • GfbV: Laura Mahler  l.mahler@gfbv.de oder +49 3051 695825-3