Sprache: Ein Menschenrecht

Insgesamt gibt es auf der Welt etwa 7.000 Sprachen. Sprachwissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass bis zum Ende des 21. Jahrhunderts nur noch etwa 3.000 Sprachen existieren werden. Denn es ist so, dass über die Hälfte der Sprachen von indigenen Völkern gesprochen und mündlich überliefert werden. Indigene Völker machen mit 370 Millionen Menschen jedoch nur 2 Prozent der Weltbevölkerung aus und dadurch sind ihre Sprachen besonders gefährdet, verloren zu gehen. Seit Jahrzehnten kämpfen sie weltweit um deren Erhalt und trotzdem verschwindet fast jede zweite Woche eine Sprache. In einer Sprache drücken sich Traditionen, Kulturen, Weltanschauungen und ganze Wissenssysteme aus. Sie werden von Generation zu Generation weitergeleitet

Aufgrund dieser Entwicklung haben die Vereinten Nationen das Jahr 2019 zum Jahr der indigenen Sprachen ernannt. Sie wollen damit der Vielfalt und dem Schutz dieser Sprachen besondere Aufmerksamkeit entgegenbringen.

Es zeigt sich ganz klar: Die wirksamste Methode zur Rettung indigener Sprachen kommt durch das Engagement indigener Initiativen. Sie versuchen, mit den unterschiedlichsten und kreativsten Methoden, ihre Sprache an die nächste Generation weiterzugeben

Deswegen fordern sie: Mehr Mitsprache von indigenen Vertretern in den Vereinten Nationen, damit die Aufwertung von Sprachen oberste Priorität bekommt. Sie wollen Unterstützung für indigene Initiativen und Bildungsprogramme direkt vor Ort. Denn ein bilinguales Bildungssystem ist die Voraussetzung dafür, dass indigene Sprecher in das kulturelle Leben eingebunden werden.

Deswegen fordern wir: Dass die deutsche Bundesregierung endlich die ILO-Konvention 169 ratifiziert, um die indigenen Sprachenrechte zu unterstützen, so wie es im aktuellen Koalitionsvertrag von 2018 festgehalten ist.

(Hier finden Sie zusammengefasst alle wichtigen Fakten zur ILO-Konvention 169)

 

Unseren Menschenrechtsreport „Sprache: Ein Menschenrecht“ sowie eine Zusammenfassung können Sie hier kostenlos runterladen.
 
Here you can find an english version.

Termine:

Die Podiumsdiskussion findet statt am 8. August von 18:00 Uhr bis 20:00 Uhr in den Räumen der DGVN, Deutsches Institut für Menschenrechte, Zimmerstraße 26/27, 10969 Berlin. Wir bitten um Anmeldung über das Onlineformular bei der DGVN und freuen uns über Ihren Besuch.

Menschenrechts-Installation zum Internationalen Tag der indigenen Völker am 9. August, ebenfalls in Berlin. Unter dem Motto „Sprache: Ein Menschenrecht. Wie Indigene ihre bedrohten Sprachen verteidigen“ wollen wir auf dem Platz der Republik nahe Bundeskanzleramt ab 11:00 Uhr und bis 15:00 Uhr die Vielfalt indigener Kulturen und Sprachen feiern.

 

#SprichdeineSprache

Tahir Mutällip Qahiri spricht von der uigurischen Sprache, ihrer langen Geschichte und seine Beziehung zum Uigurischen und wie seine Muttersprache systematisch aus dem Alltag verbannt wird.

China ein aktuelles Beispiel von Assimilierungspolitik, in der Uiguren und andere Minderheiten mit Verfolgung rechnen müssen, wenn sie ihre kulturelle Identität leben.

1,5 Millionen Uiguren, Kasachen und Kirgisen sind willkürlich von der chinesischen Regierung in Umerziehungslager verschleppt worden. Unter ihnen sind auch viele Künstler, Autoren, Lehrer oder Wissenschaftler.

Für indigene Völker ist die Kolonialzeit ein zutiefst traumatisches Erlebnis. Viel des über Jahrhunderte überlieferten Wissens ist verloren. Tom Porter erzählt, wie die Mohawk im heutigen Kanada und den USA ihre Geschichten und Sagen in die Sprache einfließen ließen, sodass sie nicht verloren gehen konnte. Mit dem Zählen von 1 bis 10 zitiert jeder Mohawk jedes Mal die eigene Schöpfungsgeschichte. Eine Sprache kann also in einzelnen Wörtern mehr sagen, als andere Sprachen in ganzen Sätzen ausdrücken.