Foto: Rob Waddington/Flickr CC BY-SA 2.0

Liebe Leserin, lieber Leser,

seit Wochen, ja Monaten, ist wegen der Corona-Pandemie unser Alltag verändert. Auch hier im Büro hat es einige neue Regeln gegeben, um Hygienebestimmungen einzuhalten. So wollen wir uns selbst und unsere Kolleg*innen schützen. Wir mussten uns Alternativen für Sitzungen überlegen, bei denen wir uns normalerweise mit mehreren Leuten in unserem Saal treffen. Die Redaktionskonferenz für diese Zeitschrift ist eine dieser Sitzungen.

Die vorliegende Ausgabe haben wir deswegen per Telefonkonferenz geplant. So konnten wir alle miteinander sprechen und über Ideen beraten – aber etwas hat gefehlt. Kein Zucken einer Augenbraue verriet eventuelle Zweifel; keine vorgebeugte Körperhaltung, dass bei jemandem vielleicht doch noch eine Idee im Hinterkopf geisterte, der nur die klare Formulierung noch fehlte. Stattdessen manchmal Schweigen in der Leitung. Was nicht explizit geäußert wurde, fand kaum Eingang in diese Ausgabe. Die Sitzung für die nächste Ausgabe halten wir per Videokonferenz ab.

Die nonverbale Kommunikation, die Gestik und Mimik, spielt eine große Rolle in unserer Interaktion. Ohne sie fühlen wir uns unsicherer. Doch nicht nur Gefühle vermögen wir mit unserem Körper zu vermitteln. Manchmal wird auch die Körperoberfläche an sich zur eigenen Ausdrucksform.

Viele indigene Völker sowie ethnische oder religiöse Minderheiten nutzen Körperbemalungen und Tattoos. Die Bedeutungen der Körpermodifikationen können ganz unterschiedlich sein: Mal werden sie nur zu besonderen Anlässen aufgetragen, mal dienen sie als Erkennungszeichen, mal zeigen sie eine (Familien-)Zugehörigkeit, sollen Unheil abwenden oder Stärke demonstrieren. Andere Modifikationen symbolisieren zum Beispiel den Übertritt vom Kind- zum Erwachsenensein.

Neben den Körperveränderungen, denen sich die Mitglieder einer Gesellschaft selbst unterziehen, gibt es auch jene, die an sie herangetragen werden – mit Gewalt. Denn der Eingriff in den Körper ist ein Eingriff in die Privatsphäre und ein Verstoß gegen das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Oft ist ein solcher Eingriff nicht wieder umkehrbar. Leid und Stigmatisierung begleiten die Betroffenen ihr Leben lang. Das Verständnis für die eigene Identität kann darüber verloren gehen.

Ausdrucksstark und verletzlich, schützenswert und formbar: Unser Körper ist all‘ das. Erfahren Sie auf den nächsten Seiten mehr über den Körper als Angriffsfläche und Ausdrucksform.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Herzliche Grüße

Johanna Fischotter
Redakteurin



GfbV-Zeitschrift im Abo

Wir würden uns besonders darüber freuen, wenn Sie unsere Zeitschrift regelmäßig lesen möchten: Das Abonnement umfasst sechs Ausgaben im Jahr und kostet inklusive Versand 25 Euro pro Jahr (ermäßigt 20 Euro).

Jetzt Zeitschrift abonnieren oder kostenloses Probeheft anfordern.


Lesen Sie weiter