Foto: GfbV

Liebe Leserin, lieber Leser,

am 24. Februar 2022 hat Russland auf Befehl Wladimir Putins die Ukraine angegriffen. Seither sind täglich Schreckensmeldungen in den Nachrichten, der Krieg ist Dauerthema in Gesprächen mit Freund*innen und Bekannten.

Mein Kollege Kamal Sido unterhält sich seit Beginn des Krieges immer wieder mit Menschen im Land – vorausgesetzt, die Netze funktionieren und keine Bomben oder Raken schlagen ein. Vor kurzem hat er wieder mit einem Freund in Odessa telefoniert und ihn um eine Einschätzung der Lage gebeten. Er sagte:

„Der Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine scheint einen langen, brutalen Krieg eingeleitet zu haben. Viele von uns werden weiter fliehen oder vertrieben werden. Andere werden weiterhin ihre Heimat verteidigen und vielleicht ihr Leben für die Freiheit ihres Landes opfern müssen. Wann dieser Krieg endet, können nur Russland und die USA bestimmen. Wir in der Ukraine werden wie bei einem geschlachteten Tier ausbluten. Unser Land, unsere Städte werden zerstört. Es wird ein langer Krieg werden, der Ausgang ist offen. Erst wenn eine Seite erschöpft ist, wird der Krieg enden. Mit Erschöpfung meine ich Soldaten, Ausrüstung und Geld. Der Krieg wird zu einem Stellvertreterkrieg zwischen zwei imperialen Mächten: Russland, das autoritär aufgebaut ist und den USA, die demokratisch aufgebaut sind. Auch die Menschen in Russland werden das Leid spüren. Aber auch ihr im Westen und viele Menschen weltweit werden die Auswirkungen dieses Krieges am eigenen Leib ebenfalls spüren.“

Es sind bittere Worte und bittere Gedanken.

Im Schatten des Krieges in der Ukraine scheint vieles aktuell an Bedeutung zu verlieren. Das ist verständlich – aber auch gefährlich. Gerade Angehörige von Minderheiten geraten leider immer wieder und vielerorts zwischen die Fronten oder sie sind selbst das Ziel von Übergriffen. Öffentliches Interesse, das Interesse von Politik und Medien, ist oft eines der wenigen Mittel, das Minderheiten schützen kann. Indigene und ethnische, religiöse und sprachliche Minderheiten brauchen unsere Aufmerksamkeit! Auch deswegen widmen wir diese Ausgabe Für Vielfalt den Angehörigen von Minderheiten in Konflikten weltweit.

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Herzliche Grüße

Johanna Fischotter

 



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