Foto: © Johanna Fischotter

Liebe Leserin, lieber Leser,

227: Das ist die erschreckende Anzahl an ermordeten Umweltaktivist*innen alleine im Jahr 2020, die die Nichtregierungsorganisation Global Witness ermittelt hat. Die Dunkelziffer könnte sogar höher liegen, da es in einigen Ländern schwierig ist, an gesicherte Daten zu kommen. Für das Jahr 2021 liegen noch keine Zahlen vor. Doch es ist zu befürchten, dass die Zahl weiter gestiegen ist. Wer sich für den Umweltschutz engagiert, riskiert in einigen Ländern das eigene Leben. Besonders Indigene sind in Gefahr, die sich gegen Regierungen, Unternehmen und illegale Machenschaften auf ihren Territorien zur Wehr setzen.

In Indien zum Beispiel treibt die Regierung unter Premierminister Narendra Modi die Förderung von Kohle voran. 55 neue Minen sollen in den kommenden Jahren entstehen – zumeist auf indigenem Land. Es sind indigene Adivasi-Frauen die sich friedlich den Vorhaben entgegenstellen, protestieren, (ihr eigenes) Land besetzt halten. Dafür schlägt ihnen zu oft massive Gewalt entgegen.

Auch in Kanada stellen sich Indigene gegen Vorhaben der Regierung: zum Beispiel die West’suwet’en. Die Regierung will eine Gas-Pipeline durch ihr Gebiet bauen lassen, die Indigenen wollen das nicht. Protestcamps und Straßenblockaden werden hier regelmäßig von der kanadischen Polizei geräumt.

In Brasilien eskaliert aktuell die Gewalt gegen die indigenen Yanomami im Regenwald. Illegale Goldgräber verwüsten ganze Landstriche. Kommen ihnen Indigene in die Quere, schießen sie. Sie entführen Kinder und vergewaltigen Frauen, sodass in den indigenen Dörfern mittlerweile eine angespannte Atmosphäre des Schreckens herrscht. Obwohl ihr Gebiet als indigenes Territorium offiziell anerkannt ist und die brasilianische Regierung es als solches vor Invasionen schützen müsste, hilft die Regierung Bolsonaros den Yanomami nicht. Im Gegenteil: Die laxen Regulierungen ermöglichen es sogar, dass illegal geschürftes Gold relativ einfach in den normalen Handel gelangt.

Überall auf der Welt wird unsere Umwelt durch Menschenhand zerstört. Um dem endlich entgegenzuwirken, arbeiten die Vereinten Nationen aktuell an dem 30-bis-30-Plan: Bis zum Jahr 2030 sollen 30 Prozent der Erdoberfläche unter Naturschutz stehen. Im ersten Moment klingt das nicht schlecht. Doch in Wahrheit geht der Plan die großen Probleme der Umweltzerstörung nicht an. Im Gegenteil wird er sogar die bestrafen, die sich schon heute am besten für den Erhalt der Umwelt einsetzen: indigene und lokale Gemeinschaften.

Wohin der 30-bis-30-Plan führen wird, lässt sich an heutigen Naturschutzgebieten schon ganz gut ablesen. Naturschutz ist zu oft ein menschenverachtendes, profitorientiertes System. Mit Geldern, auch aus Europa, werden bewaffnete Milizen ausgerüstet, die Menschen aus Naturschutzgebieten fernhalten – auch Indigene und lokale Gemeinschaften, die seit jeher hier gelebt und die Natur beschützt haben.

In beiden Fällen, dem (militarisierten) Naturschutz und der Umweltzerstörung, sehen sich Indigene übermächtigen Gegnern gegenüber. Trotzdem geben sie nicht auf. Es geht um ihre Heimat und ihr Überleben. Und am Ende betrifft ihr Kampf um den Erhalt der Natur uns alle auf die eine oder andere Weise.

 

Ich wünsche Ihnen eine spannende Lektüre!

Herzliche Grüße

Johanna Fischotter

 



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