Mai - Ringen um Selbstbestimmung und Landrechte

Text: Lisa Nowag
Foto: Jorge Fernández/agefotostock


Vorderseite

Angehörige der indigenen Gruppe der Ati führen während des Festivals Dinagyang auf der philippinischen Insel Panay einen traditionellen Tanz vor. Mit bunten Kostümen und beeindruckenden Choreographien soll das soziokulturelle Leben vor der spanischen Kolonialisierung und der Ankunft des Katholizismus dargestellt werden. Foto: Jorge Fernández / agefotostock

von Lisa Nowag

Auf den Philippinen finden über das Jahr verteilt zahlreiche Straßenfestivals statt. Insbesondere musikalische und tänzerische Darbietungen werden dabei häufig von der indigenen Bevölkerung getragen. Denn mit etwa 30 verschiedenen ethnischen Gruppen stellen die Indigenen auf den Philippinen zwischen zehn und zwanzig Prozent der Gesamtbevölkerung. Damit machen sie den Inselstaat zu einem der kulturell vielfältigsten Länder weltweit. Die Festivals bilden einen Rahmen für die Präsentation der lang umkämpften Identität indigener Gruppen und gelten als ein Symbol der Wertschätzung und Anerkennung ihres kulturellen Reichtums.

Lumad-Musikgruppe auf dem Kadayawan Festival in Davao. Es findet in der dritten Augustwoche statt und ist nicht ein Erntefest, sondern soll auch den Lumad Anerkennung und Respekt zollen. Foto: Constantine Agustin / Flickr CC BY-ND 2.0

Zwischen den Fronten
Trotz der Integration indigener Tänze in öffentliche Festivals und Veranstaltungen, sind auf den Philippinen viele ethnische Minderheiten Verfolgung und Diskriminierung ausgesetzt. So auch die Lumad, die aus 18 verschiedenen ethno-linguistischen Untergruppen bestehen und denen rund 15 Millionen Menschen angehören. Die meisten von ihnen leben im Süden des Landes auf der Insel Mindanao.

Während die philippinische Bevölkerung zum Großteil dem christlichen Glauben angehört, leben auf Mindanao mehrheitlich Muslime. Jahrzehntelang herrschte auf der Insel Bürgerkrieg. Im Kampf um mehr Autonomie kam es zwischen revolutionären Bewegungen der indigenen muslimischen Moro und der philippinischen Armee immer wieder zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der Bürgerkrieg wurde ohne Rücksicht auf die dort lebende Bevölkerung auch auf indigenem Gebiet ausgetragen. Obwohl der Krieg mittlerweile beendet wurde, ist die Gefahr für die indigenen Gemeinschaften Mindanaos noch nicht gebannt. Denn immer wieder gibt es gewaltsame militärische Übergriffegegendie Lumad, da diese Widerstand gegen den Abbau von Bodenschätzen und die damit verbundene Zerstörung ihres Landes leisten, das sie von ihren Vorfahren geerbt haben. Die Menschen sind gegen Landraub und Vertreibung nahezu machtlos.

Mit dem Festival "Araw ng Davao" wird der Geburtstag der multikulturellen Stadt Davao am 16. März gefeiert. Bei Paraden, Tänzen und Schönheitswettbewerben präsentieren sich auch Lumad in farbenfroher Kleidung. Foto: Bro. Jeffrey Pioquinto SJ / Flickr CC BY 2.0
Im Angebot: Kunstvoll geflochtene Armreifen aus zweifarbigem Bast. Foto: Shubert Ciencia / Flickr CC BY 2.0

Schulen der Lumad werden zwangsweise geschlossen
Den Lumad wird auch der Zugang zu angemessener Schulbildung schwergemacht. Mehr als 30 eigenständige Schulen wurden in Lumad-Gemeinden auf Druck des Militärs geschlossen. An öffentlichen Schulen finden die spezifischen Interessen und Bedürfnisse der indigenen Kinder keinerlei Berücksichtigung. Diskriminierungen im Schulalltag führen zudem häufig zu einem vorzeitigen Abbruch der Schullaufbahn. Hinzu kommt, dass den Lumad grundlegende Sozialleistungen oft verwehrt bleiben. Deshalb müssen bei ihnen meist alle Familienmitglieder zum Lebensunterhalt beitragen.

Seit dem Einzug des Militärs in die indigenen Gebiete Mindanaos und den damit verbundenen Schulschließungen demonstrieren die Lumad immer wieder für ihre Rechte. Sie haben mit internationalen NGOs Kontakt aufgenommen und auch Solidarität erfahren: Die philippinische Regierung wurde bereits mehrfach aufgefordert, Menschenrechtsstandards einzuhalten.

 

Vergebliche Hoffnung auf ein Eingreifen des Präsidenten
Zu Beginn der Amtszeit von Präsident Rodrigo Duterte hofften die Lumad, dass sich ihre Lage verbessern und ihre Rechte durchgesetzt würden. In seinem vorherigen Amt als Bürgermeister der Metropole Davao City hatte sich Duterte mehrfach für einen stärkeren Schutz der indigenen Bevölkerung ausgesprochen und aktiv an der Verbesserung des Bildungssystems mitgewirkt. Doch nach seiner Wahl im Juni 2016 endete auch sein Engagement für die Lumad. Im anhaltenden Konflikt um den Rohstoffabbau kam es in den vergangenen Jahren zu zahlreichen Todesfällen. Zudem drohte Duterte damit, Schulen der Lumad zu bombardieren, an denen Lehrkräfte ihren Schülern nahelegen würden, gegen die Regierung zu rebellieren.

Im März 2018 hat die philippinische Regierung ihren Rückzug vom Internationalen Strafgerichtshof angekündigt. Das ist ein weiterer Rückschlag für die Lumad in ihrem Kampf um ein Ende von Gewalt und Straflosigkeit. Angehörige von Armee und Milizen bleiben für ihre Verbrechen an den Indigenen meist straflos. Die nationalen Gerichte der Philippinen stehen unter massivem Druck der Regierung, sodass es in der Regel nicht zur Verurteilung der Täter kommt.

über die Autorin

Lisa Nowag hat nach ihrem Abitur Freiwilligenarbeit in ökologischen Projekten in Südafrika geleistet. Ihr Bachelorstudium absolvierte sie in den Fächern Ethnologie und Kulturanthropologie an der Uni Mainz, wo sie sich mit regionalen Schwerpunktthemen zu Subsahara-Afrika und Südostasien befasste. Ihr Beitrag entstand im Rahmen eines Praktikums im Asien- und Afrikareferat der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV).