Das war unser 2017!

2017 erreichten uns dringende und Herz zerreißende Hilferufe. Angehörige von Minderheiten wurden gefoltert, ihre Dörfer bombardiert und zerstört, ihre Familienangehörigen willkürlich in Haft genommen. Viele mussten unter schrecklichen Umständen fliehen. Diese Erfahrungen hinterlassen tiefe Spuren in der Seele eines Menschen. Wie sehr sie darunter leiden, erzählen uns überlebende Opfer täglich. Ihr schweres Schicksal treibt uns an, gegen Gewaltherrschaft, Unterdrückung und Verfolgung anzuarbeiten. Wir versuchen unser Möglichstes:

  • Wir dokumentieren Verbrechen und klagen sie öffentlich an.
  • Wir verhandeln mit Politikern und überzeugen die Medien, auch über Randthemen zu berichten.
  • Wir vermitteln Minderheiten Kontakte und Wissen und unterstützen ihre Initiativen für Frieden, Versöhnung und Gerechtigkeit.

„Denen eine Stimme geben, die keine haben“, ist unser Leitsatz. Wir sind ihm bis heute treu geblieben. So haben wir uns seit Jahren für die Anerkennung des schweren Schicksals der Wolfskinder, der Überlebenden der Hungerkatastrophe in Ostpreußen 1945 bis 1947, eingesetzt. Sie haben sich damals ganz allein und dem Hungertod nahe nach Litauen durchgeschlagen, wo sie von fremden Familien oft als willkommene Arbeitskraft aufgenommen wurden. Oder sie fanden sich in sowjetischen Kinderhäusern wieder. 2017 haben wir es geschafft, dass die Betroffenen nun endlich eine finanzielle Wiedergutmachung beantragen können.

Die herzzerreißenden Bilder von verzweifelten Rohingya, die in Burma zu Fuß mit ihren kleinen Kindern oder völlig erschöpften Großeltern auf dem Rücken in langen Flüchtlingstrecks um ihr Leben laufen, verfolgen uns seit Ende August 2017 bis in unsere Träume. Wir haben uns mit Menschenrechtsorganisationen in aller Welt vernetzt, um diese Verbrechen gegen die Menschlichkeit anzuprangern und den Druck so zu erhöhen, dass die „ethnischen Säuberungen“ endlich aufhören. So zwangen wir die EU-Außenminister und die Vereinten Nationen, das Leid derer, die selbst keine Stimme haben, nicht länger zu ignorieren.

Die Türkei blockiert noch immer den Zugang zu den von Kurden verwalteten Gebieten in Nordsyrien. Trotzdem unterstützen wir ihre Projekte für ein friedliches und gleichberechtigtes Miteinander der verschiedenen Volksgruppen und Kriegsflüchtlinge in ihrer Region nach Kräften. Und auch dieses Jahr reiste unser Nahostreferent in die Region, um sich ein Bild vor Ort zu machen.

Mit dem neuen US-Präsidenten entwickelte sich auch eine neue Politik gegen die Interessen der Native Americans, deren Kritik an Trump immer mehr zum Widerstand wird. Wir unterstützen den Widerstand der Native Americans gegen die Aushöhlung ihrer Rechte. Unter dem Motto „Make Native America Great Again“ mobilisierten wir für sie auf der Leipziger Buchmesse Unterstützung und warben am Rand des G-20-Gipfeltreffens in Hamburg mit phantasievollen und friedlichen Menschenrechtsaktionen für ihre Anliegen.

Überhaupt gingen wir 2017 bei Straßenaktionen neue Wege. Während in deutschen Innenstädten sich ein Infostand an den anderen reiht, versuchen wir mit kreativen Aktionen aufzurütteln. „Das ist jetzt schon der Dritte mit so einer großen Zeitung auf den Knien. Da steht drin, dass im Südsudan ganz viele Menschen umgebracht werden. Jeder dritte ist da auf der Flucht! Hast Du schon mal davon gehört?“, fragt ein junger Mann seine Freundin am Handy. Viele Passanten blieben stehen und lasen neugierig geworden unsere Riesenzeitungen, mit denen wir in mehreren deutschen Städten auf das Morden im Südsudan aufmerksam machten.

Im November bekamen wir Besuch vom Ashaninka Benki Piyãko aus Brasilien. „Wir wollen, dass alle verstehen: Nur wenn der Wald lebt, können wir selbst überleben“, erzählte er auf unserer Mitgliederversammlung und forderte uns in seinem Vortrag eindringlich dazu auf, die Natur nicht plündern zu lassen. 2.000 junge Bäume haben die Ashaninka auf ihrem Territorium schon nachgepflanzt. Weil sie den Wald verteidigen, haben ihnen Holzfäller sogar mit dem Tod gedroht. Wir haben jetzt erreicht, dass Mitarbeiter der deutschen Botschaft die Ashaninka-Gemeinschaft besuchten. Öffentliche Aufmerksamkeit ist für sie ein gewisser Schutz.

Internationale Aufmerksamkeit ist es auch, die die Minderheiten in China schützen könnte. Nie war die Angst unter Chinas Nationalitäten so groß, gleichgeschaltet und ausgelöscht zu werden, wie heute. Staatspräsident Xi Jinping kopiert Maos menschenverachtende Methoden, um die Macht der Kommunistischen Partei zu sichern.

Europas Politiker schweigen zu dieser Verfolgung. Sie wollen die chinesische Führung nicht verärgern. Weil wir den Verfolgten eine Stimme geben, sind wir bei Staatsbesuchen aus der Volksrepublik gefragte Interviewpartner kritischer Medien. In Menschenrechtsreporten und Gesprächen in Ministerien und im Bundestag erläutern wir die Hintergründe der Repression. Doch auch Chinas Reaktion auf unsere Initiativen wird immer harscher. So wird versucht, von uns registrierte Menschenrechtler aus den Vereinten Nationen zu vertreiben. Als wir erreichten, dass der Weimarer Menschenrechtspreis 2017 an den inhaftierten uigurischen Menschenrechtler Ilham Tohti verliehen wird, gingen chinesische Hacker gegen die Internetseite des Preises vor. Doch wir lassen uns davon nicht einschüchtern, denn Uiguren, Tibeter und Mongolen brauchen uns heute mehr denn je zuvor.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen und erfahren über unseren Einsatz für bedrohte Minderheiten 2017. Deswegen berichten wir am Ende eines jeden Jahres in einem Informationsblatt über Schwerpunkte unserer Menschenrechtsarbeit. Sie können sich das Faltblatt kostenlos herunterladen: Download des Faltblatts (pdf)

Wir möchten Sie ermuntern, Kontakt mit uns aufzunehmen, wenn Sie Fragen zu unserer Arbeit haben oder mehr Details über einzelne Kampagnen erfahren möchten. Hier finden Sie unsere Mitarbeiter im Überblick: Ihre Ansprechpartner

Wir hoffen, Sie kommen gut ins neue Jahr. Für uns wird 2018 ein ganz besonderes Jahr. Denn die Gesellschaft für bedrohte Völker wird 50!

Ihr GfbV-Team


Unsere Arbeit ist nur durch Ihre Unterstützung möglich! Bitte spenden Sie jetzt, damit wir uns auch 2018 für verfolgte Minderheiten einsetzen können.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft

(IBAN)DE68 2512 0510 0000 708090

(BIC) BFSWDE33HAN

Herzlichen Dank!