Kleine indigene Völker Sibiriens in Gefahr

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Nenzenkind - gut geschützt vor der beißenden Kälte. Foto: Ekaterina Gaponenko via Wikimedia Commons

Immer häufiger erreichen Hilferufe aus dem hohen Norden Russlands unsere ehrenamtliche Expertin Tjan Zaotschnaja in Süddeutschland. „Wie sollen diese kleinen Gemeinschaften überleben, wenn ihnen das riesige Russland unerfüllbare Vorschriften macht und mächtige Unternehmen ihr Land zerstören, weil sie durch den Klimawandel jetzt dort leichter an begehrte Rohstoffe kommen? Wir müssen ihnen dringend helfen, sonst werden sie untergehen“, befürchtet sie. Tjan kommt aus dem sibirischen Kamtschatka und kennt als Itelmenin die großen Probleme der traditionellen Rentierzüchter, Fischer, Jäger und Sammler.

Präsident Putin hat zur Plünderung der Arktis aufgerufen, um „Russlands Reichtum zu mehren“, und Unternehmen und Behörden gehen immer rücksichtloser mit den indigenen Völkern um. So haben Konzerne schon riesige Flächen verwüstet und für die Rentierzucht unbrauchbar gemacht. Das sensible ökologische Gleichgewicht bleibt für Jahrzehnte empfindlich gestört. Denn bei Temperaturen von bis zu minus 50 Grad regeneriert sich die Natur nur äußerst langsam. Das hat auch für die Menschen schwerwiegende Folgen. So können die Nganassanen auf der Halbinsel Taimyr nicht mehr wie früher von der Jagd leben. Deshalb hat sich ihre Zahl in 30 Jahren fast halbiert. So geht es vielen Angehörigen sibirischer Völker. Sie müssen aus ihrer Heimat abwandern, verlieren ihre Wurzeln, ihren Zusammenhalt und so auch ihre Kultur.

Auf Taimyr haben die rund 11.000 Nenzen, Dolganen und Nganassanen nach 45 Tagen dunkler Polarnacht gerade mit dem Fest Cheiro die Sonne begrüßt. Sie bringt jetzt wieder jeden Tag ein bisschen länger Helligkeit. Doch nach ausgelassenem Feiern war niemandem zumute. Zu gespenstisch sind Berichte, dass an der Küste ein großer Hafen für den Export von Kohle entsteht. Draußen auf dem Meer wird nach Erdöl und Erdgas gebohrt und an Land schreitet der Abbau von Nickel, Kupfer, Kobalt und Palladium voran. Auch deutsche Unternehmen sichern sich begehrte Rohstoffe für Elektroautos.

Als Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder im September 2017 Aufsichtsratschef des Öl-Konzerns Rosneft wird, protestiert Tjan mit uns am Brandenburger Tor. Sie findet es ungeheuerlich, dass ein früherer Bundeskanzler dieser russischen Firma vorsteht. Denn sie weiß, dass Rosneft die Lebensgrundlage indigener Gemeinschaften in Sibirien zerstört. Der Konzern will dort in den kommenden vier Jahren 3,6 Milliarden Euro in die Rohstoffsuche investieren.

Aber es gibt auch Widerstand gegen die Konzerne und Behörden. So gründeten Indigene selbst eine Genossenschaft zur Vermarktung der Rentiere, die sie gejagt hatten. Der lokale Monopolist hatte ihnen keinen fairen Preis angeboten. Jetzt gibt es neue Schikanen: Die Indigenen dürfen nicht mehr frei jagen wie seit Jahrhunderten, sondern sollen teure Jagdlizenzen kaufen. Doch die können sie gar nicht bezahlen.

Wer sich engagiert gegen diese absurden Vorschriften stellt, wird eingeschüchtert. So musste sich der Dolgane Gennadij Schtschukin aus dem Ort UstAwam auf Taimyr drei Jahre lang immer wieder wegen angeblich illegaler Jagd vor Gericht verantworten. Sein Anwalt pochte zwar auf das Recht, dass jedem Indigenen acht Rentiere pro Jahr zustehen. Trotzdem wurde Schtschukin kürzlich zu einer Geldstrafe verurteilt. Offenbar sollte mit einer Vorstrafe verhindert werden, dass er sich bei Wahlen aufstellen lassen und die Interessen indigener Völker vertreten kann. Er ist nicht der einzige, dem so zugesetzt wird. In Moskau ist ein indigener Aktivist aus der Arktis sogar verhaftet worden.

Wie David gegen Goliath ringen die indigenen Völker Sibiriens um ihre Existenz. Gemeinsam mit Tjan setzen wir uns dafür ein, dass ihre Hilferufe gehört werden. Als die Menschen in Ust-Awam im Januar 2018 dringend um Nothilfe baten, engagierten wir uns mit Erfolg für die Entsendung eines Hilfskonvois. Doch es geht nicht um Almosen, sondern vor allem um die Rechte der indigenen Gemeinschaften!

Bitte tragen Sie zu unserer Menschenrechtsarbeit für bedrohte Völker mit einer Spende bei.

Spendenkonto: Bank für Sozialwirtschaft

(IBAN)DE68 2512 0510 0000 708090

(BIC) BFSWDE33HAN

Herzlichen Dank!


Die Kampagne ging im Februar 2018 online.