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Armenier

- Nahost -

Die Volksgruppe der Armenier lebt seit mehr als 2.700 Jahren in den Gebieten zwischen dem Hochland im Osten Anatoliens und dem Kaukasus. In ihrer langen Geschichte, waren sie in verschiedenen, auch externen politischen System integriert. Im 4. Jahrhundert wurden die Armenier missioniert, und nahmen das Christentum als Staatsreligion an. Mit der Gründung der armenischen apostolischen Kirche zu Beginn des 4. Jahrhunderts wurde Armenien der erste christliche Staat der Welt. Bereits seit dem 11. Jahrhundert wurden die Armenier immer wieder von Teilen ihres Hauptsiedlungsgebietes vertrieben. In dieser Zeit gründete sich auch die armenische Diaspora.

Unter osmanischer Herrschaft Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die Armenier, sowie andere christlichen Minderheiten, systematisch diskriminiert, ausgeschlossen und benachteiligt. Im April 1915 begann der von der jungtürkischen Regierungen verübte Völkermord an den Armeniern, durch welchen fast die gesamte armenische Bevölkerung in den türkischen Gebieten zum Zwecke der „Nationalisierung“ und „Türkisierung“ vernichtet wurde. Bis zu 1,5 Millionen Armeniern fielen dem Genozid zum Opfer, weitere hunderttausende wurden zu Flüchtlingen und vergrößerten die armenische Diaspora.

Bis heute erkennt die Türkei den Völkermord nicht als solchen an. Auch die Bundesregierung hat selbigen erst mit einer Bundestagsresolution vom 02. Juni 2016 als Völkermord anerkannt.

Durch die nicht geschehene Aufarbeitung des Völkermordes innerhalb der türkischen Bevölkerung, sowie der Straffreiheit für die Täter, kommt es noch heute zu erheblichen Spannung zwischen türkischen und armenischen Bevölkerungsteilen, innerhalb der Türkei aber auch in den Ländern der Diaspora. Auch fehlt es vielen armenischen Gemeinden, auch in Deutschland, an Orten des Gedenkens für die Opfer des Völkermordes.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion erklärte sich die Republik Armenien am 21. September 1991 unabhängig. Dennoch leben nur ein Drittel der rund 10 Millionen Armenier in der Republik.


Foto: © Informations- und Dokumentationszentrum Armenien (IDZA)

100 Jahre Völkermord - 100 Jahre Leugnen

Vor 100 Jahren, im April 1915, begann der erste Völkermord des 20. Jahrhunderts. Opfer waren alle christlichen Völker des Osmanischen Reiches: die Armenier, Assyrer/Aramäer und Griechen. So wurde aus dem vormals multikulturellen Gemeinwesen eine Republik mit einer religiös homogenen Bevölkerung. Die Verbrechen werden von der Türkei bis heute als bedauerliche Begleiterscheinung des Ersten Weltkriegs gedeutet. Mit Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Türkei scheuen sich auch viele andere Staaten, darunter die Bundesrepublik Deutschland, den Genozid beim Namen zu nennen.

Diese Ausgabe der Zeitschrift Pogrom beleuchtet Hintergründe, Planung und Ablauf der Massaker, nennt Verantwortliche und macht deutlich, dass eine Versöhnung erst dann möglich ist, wenn die Türkei die historische Verantwortung für den Völkermord übernimmt.

Lesen Sie mehr dazu in unserer Ausgabe 06/2014 >


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