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Aymara

- Südamerika -

Das Volk der Aymara, das ungefähr zwei Millionen Angehörige umfasst, lebt im Andenraum auf dem Altiplano in Bolivien, im Süden Perus und im Norden Chiles. In Bolivien stellen sie mit 1,5 Millionen nach den Quechua die zweitgrößte indigene Gemeinschaft der insgesamt 37 ethnischen Gruppen dar und bilden 25 Prozent der bolivianischen Bevölkerung. Der Anteil der Aymara in Peru beträgt etwa fünf Prozent und in Chile etwa 0,3 Prozent der Bevölkerung.

Die Aymara bilden zwar eine eigene Sprachfamilie, sind jedoch in ihren religiösen Traditionen, Gesellschaftsstrukturen und ihrer wirtschaftlichen Ausrichtung den Quechua sehr ähnlich. Ihre Religion ist mehrheitlich katholisch, in ihrer Kosmovision, ihren Riten und zeremoniellen Praktiken sind sie aber noch sehr stark mit der Pachamama, der Mutter Erde, verbunden. Sie widmen sich vor allem der Weidewirtschaft und dem Ackerbau an Gebirgshängen auf dem Altiplano. Charakteristisch für die Kultur der Aymara ist das Ayllu, das System des Gemeinwesens. Die Großfamilie ist dabei die bestimmende soziale Einheit der Dorfgemeinschaft.

Die Aymara gelten außerdem als eine der ältesten noch lebenden Volksgruppen der Hochanden und sind nach heutigen Erkenntnissen die Nachkommen der Tiwanaku-Hochkultur (1580 v. Chr. bis 1172 n. Chr.), die lange vor den Inka existierte. Zur Inkazeit und vor allem während der Kolonialzeit wurden die Aymara innerhalb des Andenraums zwangsumgesiedelt. Sowohl während der Kolonialzeit als auch nach der Unabhängigkeit Boliviens und Perus besaßen Aymara keine Rechte und waren zudem von Ausbeutung und Diskriminierung betroffen. Mit der Verbreitung des Hazienda-Systems (Großgrundbesitz) wurden sie zudem in weiten Gebietsteilen vertrieben. Außerdem wurde ihnen mittels Privatisierung der kollektiven Ländereien die materielle Existenzgrundlage entzogen. Folglich wurden viele von ihnen zur Zwangsarbeit auf den Landgütern der hacendados gezwungen.

Die desolate Lage der Aymara änderte sich erst mit den Reformen der Bolivianischen Revolution von 1952 und dem Bestreben, die Aymara stärker am politischen Leben des Landes beteiligen zu wollen. Mit der Wahl des Aymara-Kokabauern Evo Morales zum Staatspräsidenten im Jahr 2006 hat sich die politische und soziale Situation der indigenen Bevölkerung grundlegend verbessert und insbesondere mit der Verfassungsreform im Jahr 2009 wurden den Indigenen in Bolivien weitgehende Rechte eingeräumt wie beispielsweise Selbstbestimmung, Recht auf Autonomie, Selbstverwaltung und die Anerkennung ihrer Institutionen. Zusätzlich definiert die neue bolivianische Verfassung das Land als interkulturellen und plurinationalen Staat mit 37 offiziellen Sprachen, darunter Aymara, Quechua und Guaraní.


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