24.06.2020

Seit über 40 Jahren unschuldig in Haft

Der indigene Aktivist Leonard Peltier (Pressemitteilung)

Am 26. Juni 1975 kamen zwei FBI-Agenten bei einer Schießerei auf dem Pine Ridge-Reservat im Südwesten des US-Bundesstaats South Dakota ums Leben. Schnell machten die Behörden den damals 31-jährigen indigenen Aktivisten Leonard Peltier als Verdächtigen aus. Wegen seines Engagements für indigene Rechte in den USA war er zu dieser Zeit bereits bekannt. In einem hoch umstrittenen Verfahren wurde er 1977 zu zwei lebenslänglichen Haftstrafen verurteilt. Er ist zu einer Ikone der Bürgerrechtsbewegung der Native Americans geworden, die ihn als ihren indianischen Nelson Mandela betrachtet.

Zum 45. Jahrestag der Schießerei erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an das Schicksal des inzwischen 75-jährigen Peltier. „Alle bisherigen Appelle, den schwerkranken Aktivisten freizulassen, oder wenigstens in einen weniger strikten Vollzug zu bekommen, wo seine Familie ihn betreuen und besuchen kann, sind bisher leider gescheitert“, berichtet Yvonne Bangert, GfbV-Referentin für indigene Völker. „Die GfbV setzt sich seit vielen Jahren immer wieder mit Appellen, zuletzt auch an Präsident Trump, für Peltiers Freilassung ein“. 

Zahlreiche Prominente haben sich für Peltier zu Wort gemeldet und engagiert, darunter der Holocaust-Überlebende sogenannte Nazi-Jäger Simon Wiesenthal, die Nobelpreisträger Shirin Ebadi und Bischof Desmond Tutu. Es gab Appelle von Bundestags- und Europaabgeordneten, eine Resolution des Europaparlamentes und Fürsprache von wichtigen indigenen Stimmen, so des National Congress of Amerícan Indians und zuletzt der seit 2018 ersten Indigenen Abgeordneten im Repräsentantenhaus Deb Haaland, Laguna Pueblo aus New Mexiko. Doch auch die demokratischen Präsidenten Clinton und Obama wollten Peltier nicht begnadigen. „Um ihn vor einer Covid-19-Erkrankung zu schützen, wurde er im Hochsicherheitsgefängnis von Coleman im Bundesstaat Florida nun auch noch in Einzelhaft gesteckt.“ 

Peltier hat auch im Gefängnis nie aufgehört, sich für indigene Rechte einzusetzen. Er malt dort Bilder, deren Verkaufserlöse er an entsprechende Organisationen spendet. Sein 1999 erschienenes Buch „Prison Writings: My Life is my Sundance“ wurde sehr positiv aufgenommen und ist im Traumfänger Verlag auch in deutscher Sprache erschienen. „Wir hoffen weiterhin, dass die vielen Appelle noch rechtzeitig Gehör finden“, fasst Bangert zusammen. „Es ist Leonard Peltier zu wünschen, dass er wenigstens seinen Lebensabend in Freiheit und bei seiner Familie in seinem Heimatreservat verbringen darf.“