Tansania: „UNESCO Mission in Maasai-Gebiet muss abgebrochen werden!“
Vom 3. bis 9. Februar prüft eine Mission der UNESCO in Tansania Vorwürfe von Menschenrechtsverletzungen bzgl. der Maasai in der Welterbestätte Ngorongoro Conservation Area (NCA). FIAN, Survival International Deutschland und die Gesellschaft für bedrohte Völker verurteilen, dass die Mission nicht öffentlich angekündigt wurde und die lokalen Maasai-Gemeinden und Vertreter:innen nicht angehört werden.
Die Ngorongoro Conservation Area Authority hat den Abschluss eines Abkommens mit der chinesischen Regierung bekannt gegeben, das den Ausbau des Tourismus im Ngorongoro Naturschutzgebiet zum Ziel hat. In dem Heimatgebiet der Maasai, aus dem die tansanische Regierung das indigene Volk seit 2019 vertreibt, möchte sie nun den Tourismus ausbauen. Das führt ihr eigenes Argument, Natur- und Artenschutz vor übermäßigem menschlichem Einfluss zu schützen, völlig ad absurdum.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker begrüßt die gestern verabschiedete Resolution des EU-Parlaments gegen die gewaltsamen Vertreibungen der Maasai-Gemeinschaften aus Ngorongoro und Loliondo in Tansania. Die Resolution, die von einer überwältigenden Mehrheit unterstützt wurde, sendet die klare Botschaft: Die Menschenrechte der Massai sind nicht verhandelbar.
Einladung zur Mahnwache in Frankfurt a.M. (15.12.)
Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt ist mitverantwortlich für die Vertreibung zehntausender Maasai aus ihren angestammten Gebieten im Norden Tansanias. Die ZGF muss ihre Verantwortung anerkennen und auf Augenhöhe mit den indigenen Maasai sprechen. Weil die ZGF bisher alle Gesprächsangebote abgelehnt hat, veranstaltet die Gesellschaft für bedrohte Völker gemeinsam mit dem Maasai-Anwalt Joseph Oleshangay eine Mahnwache.
Seit Juni 2022 werden die Maasai im Norden Tansanias mit Gewalt aus ihren angestammten Gebieten in der Nähe des Serengeti-Nationalparks vertrieben. Tansanische Behörden gehen rechtswidrig gegen die indigenen Maasai vor, um Platz für Großwildjagd und vorgeblichen Naturschutz zu machen. Der Maasai-Anwalt Joseph Oleshangay, der am 10. Dezember mit dem Menschenrechtspreis der Stadt Weimar ausgezeichnet wird, berichtet aus erster Hand über die gewaltsamen Vertreibungen. Dazu sind Sie herzlich eingeladen.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) veröffentlicht heute ihren Report „Die Maasai in Tansania – Vertrieben für den Naturschutz“. Auf Basis von Interviews mit betroffenen Maasai beleuchtet der Report die deutsche Beteiligung an Menschenrechtsverletzungen, die ganz aktuell an diesem indigenen Volk im Norden Tansanias verübt werden. Der Bericht deckt auf, wie Projektpartner der deutschen Entwicklungszusammenarbeit direkt zur prekären Versorgungslage und den Vertreibungen beitragen.
Am Tag der Menschenrechte am 10. Dezember erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker an die unverbrüchliche Universalität der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, die vor nunmehr 75 Jahren verkündet wurde. Nach wie vor müssen Menschen für die Rechte streiten, die ihnen eigentlich unbestritten zustehen. Besonders für Angehörige ethnischer und religiöser Minderheiten sowie indigener Völker ist das ein täglicher Kampf.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker macht anlässlich des Unabhängigkeitstag der Vereinigten Republik Tansania am 9. Dezember auf die fortwährenden Menschenrechtsverletzungen im Land aufmerksam. Für die tansanische Bevölkerung ist der Kolonialismus noch lange nicht aufgearbeitet. Noch immer kämpfen sie gegen die Symptome der Kolonialzeit an, die einfach nicht abklingen wollen.
Der Maasai-Anwalt und Träger des renommierten Weimarer Menschenrechtspreis 2023, Joseph Moses Oleshangay, reist vom 8. bis 16. Dezember durch Deutschland. Er möchte während seiner Reise hierzulande auf die staatlich organisierte Vertreibung der indigenen Maasai-Gemeinschaft in seiner Heimat Tansania im Namen des Naturschutzes aufmerksam machen. Dafür steht er während seines Aufenthaltes für Interviews zur Verfügung.