Die Kurden zählen zu den indoeuropäischen Völkern. Mit 30-35 Millionen Menschen sind sie weltweit das größte Volk ohne eigenen Staat. Ihr Siedlungsgebiet wurde nach dem 1. Weltkrieg zwischen den neu entstandenen Staaten Syrien, Irak, Türkische Republik und Iran aufgeteilt. Eine kurdische Streuminderheit lebt in der ehemaligen Sowjetunion.
Die erste Hälfte dieses Jahres war für die Menschen im türkisch besetzten Afrin erneut von Gewalt und Unterdrückung geprägt, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtet. Die Region im Nordwesten Syriens wurde 2018 von der Türkei besetzt. Der türkische Präsident Erdogan hat dort ein Terrorregime von islamistischen Söldner-Milizen installiert, das zahllose Menschen vertrieben hat.
In Nordsyrien setzt die Türkei Wasser als Waffe gegen die kurdische und andere Minderheiten ein, wie die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert. Rund 1,5 Millionen Menschen in den nordöstlichen Gebieten Syriens sind von der Wasserversorgung abgeschnitten. Besonders betroffen ist die multiethnische und multireligiöse Stadt Hasakeh.
Sieben Jahre nach dem gescheiterten Militärputsch in der Türkei am 15. Juli 2016 erinnert die Gesellschaft für bedrohte Völker an die schwierige Lage der tausenden politischen Gefangenen im NATO-Land. In türkischen Gefängnissen oder in Polizeigewahrsam sollen im Jahr 2022 bis zu 83 Menschen unter verdächtigen Umständen ums Leben gekommen sein. Auch die Berichte über Folter in den überfüllten türkischen Gefängnissen mehren sich.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker wirft der deutschen Bundesregierung vor, Ermittlungsbehörden und Anwälte bei der Aufarbeitung von Verbrechen des sogenannten Islamischen Staates (IS) im Stich zu lassen. Deutsche Ermittlungsbehörden und Rechtsanwälte brauchen Kontakte zu den Behörden der „Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens“. Sie sind dringend auf Aussagen der in Nordsyrien inhaftierten IS-Angehörigen angewiesen. Auch für Gerichtsverfahren in Deutschland ist das wichtig. Das Auswärtige Amt blockiert jedoch aus Rücksicht auf den NATO-Partner Türkei jeglichen Kontakt zu den nord- und ostsyrischen Behörden. Auch deshalb kommen die Ermittlungen und die rechtliche Aufarbeitung der Verbrechen kaum voran.
Gestern griff eine türkische Kampfdrohne in der Nähe des Dorfes Til Shair in Nordsyrien auf der Hauptstraße von Qamishli nach Osten ein Fahrzeug an. Drei der vier Insassen, Angehörige der kurdischen und der christlichen Minderheit der Assyrer/Aramäer, kamen dabei ums Leben, eine Person wurde schwer verletzt. Die drei Frauen und der Mann waren Zivilisten, bei der Autonomen Selbstverwaltung Nord- und Ostsyriens kommunalpolitisch aktiv.
Zu Beginn des Deutschen Evangelischen Kirchentages beklagt die Gesellschaft für bedrohte Völker Einschränkungen der Religionsfreiheit weltweit, besonders im Nahen und Mittleren Osten. Vor wenigen Wochen traf GfbV-Nahostexperte Dr. Kamal Sido in Syrien Bischof Maurice von der syrisch-orthodoxen Kirche. Im Norden Aleppos besuchte er die Kirche der konvertierten kurdischen Christen und Yeziden.
Die Gesellschaft für bedrohte Völker bedauert die Wiederaufnahme Syriens in die Liga der Arabischen Staaten. Das Assad-Regime musste dafür keinerlei Zugeständnisse machen. Vor genau zwölf Jahren sind die Menschen in Syrien für Demokratie, Meinungs- und Pressefreiheit auf die Straße gegangen. Stattdessen erhielten sie ein zerstörtes Land: Etwa 600.000 Menschen wurden getötet, 80 Prozent der Bevölkerung leben in Armut und 12 Millionen Menschen sind innerhalb und außerhalb des Landes auf der Flucht.
Die gestrigen Präsidentschafts- und Parlamentswahlen waren vor allem in den kurdischen Gebieten der Türkei weder fair noch demokratisch. Wie die Gesellschaft für bedrohte Völker berichtet, wurden in der kurdischen Provinz Siirt am Wahltag zwei Mitglieder einer spanischen Wahlbeobachtungsdelegation festgenommen. In der kurdischen Provinz Sirnak sollen türkische Sicherheitskräfte aus gepanzerten Fahrzeugen wahllos Tränengasgranaten in Straßen und Wohnviertel geschossen haben. Auch bewaffnete Anhänger Erdogans hätten wahllos das Feuer eröffnet.
Ethnische und religiöse Minderheiten in den Nachbarländern der Türkei hoffen auf einen Regimewechsel, wie Dr. Kamal Sido, Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker, nach einer Reise in die Region berichtet. Besonders für die kurdischen Gebiete Syriens und des Irak könnte ein Machtwechsel das Ende der täglichen Angriffe bedeuten. Die Menschen leiden dort sehr unter der Gewalt, die von der Türkei ausgeht.