Libyen droht Berber-Revolte: Ureinwohner kritisieren Missachtung ihrer Rechte
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) warnt vor einer weiteren Destabilisierung Libyens. „Libyen droht eine Berber-Revolte“, sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Dienstag in Göttingen. Denn die neue Führung des Landes ist nicht bereit, den Einsatz von Berber-Milizen beim Sturz des Gaddafi-Regimes angemessen zu würdigen und grundlegende Rechte der nicht-arabischen Minderheit anzuerkennen. Libyen droht ein Rückfall in schlimmste Zeiten des Gaddafi-Regimes, wenn der Rassismus gegen Nicht-Araber und die Arabisierungspolitik nicht gestoppt werden.
Libyens Berber kämpfen für die Anerkennung ihrer Rechte
Libyens Berber sind nach Informationen der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) maßgeblich an den Militäroffensiven auf die libysche Hauptstadt Tripolis beteiligt. Viele Berber sind nach 42 Jahren der Unterdrückung durch das Gaddafi-Regime dazu bereit, ein sehr hohes Risiko auf sich zu nehmen. Sie wollen erreichen, dass ihre Sprache und grundlegenden Menschenrechte endlich anerkannt werden.
Berber-Ureinwohner im Westen Libyens haben einen dramatischen Hilferuf an die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) gerichtet. Dringend baten sie telefonisch um Hilfe, nachdem ihre Stadt Zouara am Montagmittag von Panzern Gaddafi-treuer Milizionäre zusammengeschossen und besetzt wurde. Die Berber fürchten Repressalien von Gaddafis Kämpfern.
Pakistan, Ägypten, Libyen, Tunesien: Minderheiten in der islamischen Welt wollen gleiche Rechte
Minderheiten in der islamischen Welt wollen vor allem gleiche Rechte wie die Mehrheitsbevölkerung und nicht nur bessere Sicherheitsvorkehrungen vor möglichen Übergriffen radikal-islamischer Kräfte.
Einschüchterung und Verhaftung von Berber-Ureinwohnern in Libyen
Mehr als ein Dutzend Aktivisten der Berber-Ureinwohner wurden seit Mitte Dezember 2010 in Libyen von Geheimpolizisten aufgesucht, verhört und bedroht. Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) in Göttingen berichtete am Donnerstag, zwei junge Menschenrechtler, die für das marokkanische „Königliche Institut für masirische Kultur“ (IRCAM) einen Report über die Lage der Masiren (Berber) in Libyen schreiben sollten, wurden am 16. Dezember in ihrer Wohnung in Tripolis von Geheimpolizisten festgenommen.
Tunesiens neue Führung soll Rechte der Berber anerkennen
Die neue politische Führung Tunesiens muss die Rechte der Berber endlich anerkennen und respektieren, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). In einem Schreiben appellierte die Menschenrechtsorganisation am Montag an den tunesischen Übergangspräsidenten Foued Mebazaa, den Ureinwohnern zu erlauben, eigene Vereine zu gründen, Schriften in ihrer Sprache zu veröffentlichen und ihren Kindern Berber-Vornamen zu geben.