Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Offener Brief
An First Lady der Arabische Republik Ägypten
Frau Suzanne Mubarak
Zurzeit in Berlin
10. Dezember 2006
Die Initiative der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) für die 18 von Saddam Husseins Kriegsverbrechern entführten kurdischen Mädchen, die dann nach Ägypten verkauft wurden, war insoweit erfolgreich, dass der Präsident der GfbV, Tilman Zülch und ein Mitglied des kurdischen Frauenzentrums Berlin SOZIK den folgenden Brief an Frau Mubarak während einer Preisverleihung in Berlin übergeben haben.
Zudem bat Herr Zülch den ehemaligen deutschen Außenminister Hans-Dietrich Genscher in einem Gespräch mit der ägyptischen Botschaft Kontakt aufzunehmen und nach den verlorenen Mädchen zu fragen. In seiner Rede zur Ehrung der Frau des ägyptischen Präsidenten hat Genscher das weltweit bekannte Problem, dass Frauen entführt und in die Sklaverei verkauft werden, erwähnt. Während der Zeremonie haben 10 kurdische Ärzte oder Apotheker aus Berlin ein Banner der GfbV mit der Aufschrift „Bitte retten Sie die 18 kurdischen Mädchen, die 1987 nach Ägypten verkauft wurden!“ gehalten.
Tilman Zülch erklärte: „Wir werden nun die Jury des Menschenrechtspreises, den Frau Mubarak erhalten hat, bitten, auch einen Brief an die ägyptische Regierung zu schicken“. Mitglieder der Jury sind unter anderem:
1. Prof. Dr. Henry Kissinger, Friedensnobelpreisträger, ehemaliger Außenminister der USA
2. Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Bundesaußenminister
3. Lord James Douglas-Hamilton, Mitglied des Schottischen Parlaments
4. Prof. Dr. Avi Primor, ehemaliger Botschafter, Leiter des Trilateralen Instituts für Europäische Studien an der Universität Herzliya/ Israel
5. Dr. h.c. Joachim Gauck, erster Bundesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen
6. Sara Nachama, Direktorin des Touro College Berlin
7. Freya Klier, Regisseurin, Bürgerrechtlerin in der ehemaligen DDR
8. Rainer Haushofer, Jurist, Neffe von Prof. Dr. Albrecht Haushofer
9. Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM)
10. Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie
18 kurdische Mädchen und Frauen in die Sklaverei nach Ägypten verschleppt – bitte klären Sie ihr Schicksal auf!
Sehr geehrte Frau Mubarak,
am heutigen internationalen Tag der Menschenrechte erhalten Sie in Berlin im traditionsreichen Mauermuseum des Hauses am „Checkpoint Charlie“ die Dr. Rainer-Hildebrandt-Medaille. Das ist eine große Auszeichnung, zu der wir Ihnen herzlich gratulieren.
Als Gast der feierlichen Verleihung dieses internationalen Menschenrechtspreises möchte ich die Gelegenheit nutzen, um Sie noch einmal auf das Schicksal von 18 jungen kurdischen Mädchen aufmerksam zu machen, die während der berüchtigten Anfal-Offensive im Irak nicht – wie die bis zu 182 000 anderen kurdischen, yezidischen, turkmenischen und assyro-chaldäischen Kinder, Frauen und Männer – deportiert, ermordet oder verscharrt, sondern verschleppt und an Nachtclubs in der „Arabischen Republik Ägypten“ verkauft wurden.
Verehrte Frau Mubarak, Sie hatten bereits am 1. August 2003 von der französi-schen Alliance Internationale pour la Justice ein Schreiben mit den Namen dieser Mädchen und jungen Frauen erhalten, die in die Sklaverei verkauft wurden. Leider haben Sie bis heute unseres Wissens weder dazu geäußert noch haben Sie interveniert.
Nachfolgend darf ich Ihnen die Namen jener Mädchen und Frauen mitteilen. Die Altersangaben beziehen sich auf den Zeitpunkt ihrer Entführung 1987. Es wäre möglich, dass die Verschleppten später zwangsverheiratet wurden. Bis zur Stunde ist kein einziges Schicksal dieser Unglücklichen geklärt.
– Galawej Adel Rahim (14)
– Chiman Nazim Abas (22)
– Leyla Abas Jawhar (21)
– Lamiah Nazim Omar (19)
– Bahman Shukir Mustafa (26)
– Khusaran Abdulla Tawfiq (20)
– Qadriya Ahmed Ibrahim (17)
– Golmalek Ibrahim Ali (19)
– Khawla Ahmed Fakhradeen (25)
– Esmat Kader Aziz (24)
– Najiba Hassan Ali (18)
– Hasiba Amin Ali (29)
– Shiler Hassan Ali (20)
– Shukriya Rustem Mohammad (27)
– Habiba Hidayat Ibrahim (15)
– Kuwestan Abas Maulud (26)
– Serwa Othman Karam (17)
– Suza Majeed (22)
Da wir Ihr Engagement für die Menschenrechte und die Gleichberechtigung der Frauen, nicht nur in Ihrem Land, kennen, gehen wir davon aus, dass Sie sich für diese jungen Kurdinnen aus dem heutigen Bundesstaat Kurdistan im Nordirak einsetzen und nicht ruhen werden, bis ihr Verbleib bekannt wird.
Es ist nicht auszuschließen, dass es noch andere Überlebende des Anfal-Völkermordes gibt, die von Agenten oder Mitarbeitern Saddam Husseins nach Ägypten verschleppt oder verkauft worden sind.
Ich darf noch erwähnen, dass man inzwischen die unzähligen Toten der Anfal-Offensive in Massengräbern im Südirak auffindet. Bisher sind allein 200 Gräber bekannt. Es wurden Massengräber geöffnet, in denen Hunderte von Frauen und Kindern lagen. Viele von ihnen waren erschossen, nicht wenige aber nach Aussagen der Exhumierungsexperten auch lebendig begraben worden.
Die Anfal-Offensive hatte mit Giftgasangriffen begonnen und war dann mit Massendeportationen und Massenmorden fortgeführt worden. Sehr lange hatten die Regierungen Europas, auch Deutschlands, damals geschwiegen, als in den frühen 80-ern Jahren europäische, aber auch führende deutsche Firmen, die Giftgasindustrie Saddam Husseins aufbauten. Nach Schätzungen unserer Menschenrechtsorganisation sind zwischen 1968 und 2003 bis zu 500 000 Menschen aus dem kurdischen Siedlungsgebietes des Nordirak ums Leben gekommen.
Bedauerlicherweise wird auch in der arabischen Welt allzu oft geschwiegen, wenn in dieser Region Minderheiten verfolgt werden: früher zu den Verbrechen im Südsudan und in Kurdistan/Irak, heute zum Genozid in Darfur.
Deshalb bitten wir Sie umso mehr darum, die Aufklärung des Schicksals dieser Frauen zu Ihrer Sache zu machen.
Mit freundlichen Grüßen
Tilman Zülch
für die Gesellschaft für bedrohte Völker International
Kopie an:
– Prof. Dr. Henry Kissinger, Friedensnobelpreisträger, ehemaliger Außenminister der USA
– Hans-Dietrich Genscher, ehemaliger Bundesaußenminister
– Lord James Douglas-Hamilton, Mitglied des Schottischen Parlaments
– Prof. Dr. Avi Primor, ehemaliger Botschafter, Leiter des Trilateralen Instituts für Europäische Studien an der Universität Herzliya/ Israel
– Dr. h.c. Joachim Gauck, erster Bundesbeauftragter für die Stasi- Unterlagen
– Sara Nachama, Direktorin des Touro College Berlin
– Freya Klier, Regisseurin, Bürgerrechtlerin in der ehemaligen DDR
– Rainer Haushofer, Jurist
– Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGfM)
– Mauermuseum – Museum Haus am Checkpoint Charlie

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