Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Anlässlich des dritten Jahrestages des Völkermordes an den Yeziden im Irak (03.08.2014) organisiert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am kommenden Mittwoch (02.08.) eine Mahnwache in Hannover zum Gedenken an die Opfer dieses schrecklichen Verbrechens. „Unsere Menschrechtsorganisation will vor allem auch an das Schicksal der verschleppten und bis heute vom radikalen Terrormilizen des Islamischen Staates (IS) gefangen gehaltenen Frauen erinnern und um mehr Hilfe für die Überlebenden bitten“, sagte der GfbV-Nahostreferent Kamal Sido am Montag in Göttingen.
Mitarbeiter, Mitglieder und Freunde der GfbV werden am Kröpcke in Hannover 100 Ballons aufsteigen lassen als sichtbares Zeichen der Verbundenheit mit den Angehörigen der yezidischen Religionsgemeinschaft, die in großer Sorge sind um die Mitglieder ihrer Glaubensgemeinschaft im Nordirak. „Die Geschichte der religiösen Verfolgung der Yeziden im Nahen Osten ist lang und leidvoll, immer wieder hat es Massaker und Völkermordverbrechen an dieser Gemeinschaft gegeben“, sagte Sido.
Anfang August 2014 wollte der IS alle Yeziden aus ihrem Hauptsiedlungsgebiet im Nordirak, dem Sinjar, vertreiben oder sie alle vernichten. Rund 5.000 Yeziden wurden sofort getötet wie in dem Dorf Kocho. Dort ermordeten die Extremisten innerhalb nur einer Stunde mehr als 300 Männer sowie ältere Frauen, die man nicht mehr versklaven konnte. Die restlichen Frauen und Kinder nahmen die IS-Kämpfer gefangen, zwangen sie in Busse und verschleppten sie nach Mossul. Insgesamt wurden bis zu 5.000 Frauen und Mädchen entführt, nur etwa 900 von ihnen konnten später entkommen. Die gefangenen Frauen wurden vergewaltigt, zwangsverheiratet oder auf Sklavenmärkten verkauft.
Rund 600.000 Menschen – vor allem Yeziden, aber auch benachbarte Assyrer/Aramäer/Chaldäer, Shabak, Armenier und Angehörige anderer Minderheiten konnten vor dem IS fliehen. Die meisten von ihnen leben noch immer in Flüchtlingslagern in Irakisch-Kurdistan. Dort haben etwa zwei Millionen Menschen Zuflucht gefunden haben. In Deutschland lebt mit geschätzten 120.000 Mitgliedern die größte Diasporagemeinschaft der Yeziden. Die meisten suchten vor religiöser Verfolgung in den 80er Jahren aus der Türkei in Deutschland Schutz. Rund 50.000 Yeziden wohnen in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen.
Header Foto: Düzen Tekkal

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