Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Seit den 90er Jahren leben in Deutschland etwa 50.000 Roma aus dem Kosovo als politische Flüchtlinge. Die meisten von ihnen müssen bis heute um ihre Zukunft bangen, da ihr aufenthaltsrechtlicher Status noch immer nicht geklärt ist. Trotz mancher Versprechungen, eine Lösung für die Angehörigen dieser Vertriebenengemeinschaft zu finden und die „Kettenduldung“ abzuschaffen, hat sich auch nach Einführung des Zuwanderungsgesetzes im Jahre 2005 nicht viel zum Positiven verändert.
Auch die Verabschiedung der Bleiberechtsregelung 2006 und einer bundeseinheitlichen Altfallregelung hat den Menschen kaum genutzt, denn die aufgestellten Hürden sind enorm: Die Betroffenen müssen nachweisen, dass sie sich in den vergangenen Jahren intensiv um Arbeit bemüht haben. In den meisten Fällen gelang es ihnen jedoch nicht, einen Aufenthalt auf Probe zu erreichen, da sie als nur Geduldete, ohne Arbeitserlaubnis und in vielen Fällen ohne ausreichende Ausbildung, keine Möglichkeit hatten, einen Arbeitsplatz zu erlangen und sich somit aus eigener Erwerbstätigkeit zu unterhalten.
Zahlreichen Roma wird außerdem zum Verhängnis, dass sie keine gültigen Reispässe vorlegen können, da während des Kosovo-Krieges Register verlegt oder vernichtet wurden bzw. die Geburt vieler Roma von der serbischen Administration gar nicht registriert wurde. Nach Ermittlungen unserer Menschenrechtsorganisation kann sich die Erteilung eines Reisepasses über Jahre verzögern, sodass die Stichtage zu deren Vorlage nicht eingehalten werden können.
Schließlich wird den Roma häufig vorgeworfen, falsche Angaben zu ihrer Volkszugehörigkeit zu machen. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat immer wieder darauf hingewiesen, dass alle nichtalbanischen muslimischen Minderheiten des Kosovo (Roma, Aschkali, Pomaken/Torbesch, Goranen und Türken) vor 1999 von serbischer Seite wie die Albaner unterdrückt wurden und sich deshalb vor 1999 als solche deklariert hatten. Derartiges Verhalten ist in Verfolgungssituationen durchaus üblich. Ein Blick zurück in die Nazi-Zeit und das Schicksal von Juden und „Zigeunern“ sollte das jedem deutlich machen.
Die GfbV ist seit 1999 im Kosovo vor Ort und macht auf die anhaltende massive Diskriminierung und Verfolgung der Roma aufmerksam. Bis heute ist die Lage der Angehörigen dieser „rassisch“ verfolgten Minderheit unerträglich. Bei einer Abschiebung aus Deutschland müssten die betroffenen Roma-Familien mit Ausgrenzung, mangelnder medizinischer Versorgung und sicherer Arbeitslosigkeit rechnen.
Die im Krieg zerstörten 70 Dörfer und Stadtteile der Roma wurden bis heute nicht wieder aufgebaut und der Minderheit zur Verfügung gestellt bzw. wurden sie von albanischen Neusiedlern in Besitz genommen. In diesem Zusammenhang ist auch festzuhalten, dass weder die internationale Administration im Kosovo noch die jetzige Regierung dazu in der Lage waren, die 638 Roma, die seit 1999 in bleiverseuchten Flüchtlingslagern in Nord-Mitrovica leben müssen, adäquat unterzubringen und medizinisch zu versorgen. Internationale Experten haben diesen Tatbestand der Bleivergiftung bestätigt. Führende Zeitungen Europas und der USA haben diese makabre Situation dargestellt und vergeblich Änderungen verlangt.
Werden Sie aktiv!
Bitte unterstützen Sie unseren Online-Appell an den Bundesinnenminister sowie die Innenminister der Länder, eine menschliche Lösung für die betroffenen 50.000 Roma zu suchen, die seit so vielen Jahren in Deutschland leben, und sie keinesfalls in den Kosovo abzuschieben.
Da unsere Online-Appell-Funktion nur eine bestimmte Anzahl E-Mail-Adressen zulässt unterzeichnen Sie bitte beide Appelle um alle Innenminister zu erreichen!
Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für verfolgte Völker und Minderheiten durch eine möglichst großzügige Spende bzw. Ihre Mitgliedschaft. Vielen herzlichen Dank!

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