Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Als „schwarzen Tag“ für Brasiliens indigene Völker hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) die Präsidentschaftswahl am vergangenen Sonntag in Brasilien bezeichnet. „Mit Jair Bolsonaro als Präsidenten müssen Brasiliens indigene Völker um ihre Rechte und ihr Überleben fürchten. Denn Menschen- und Minderheitenrechte sind für ihn ein Fremdwort. Bolsonaro will die letzten Rückzugsgebiete indigener Völker systematisch für Industrie, Rohstoffsuche und Großprojekte öffnen. Deshalb steht der Schutz von Amazoniens Wäldern vor der größten Herausforderung der vergangenen Jahrzehnte. Ohne einen wirksamen Schutz der Wälder sind auch ihre indigenen Bewohner akut bedroht“, erklärte die GfbV-Referentin für indigene Völker, Yvonne Bangert, am Montag in Göttingen.
Es bestünde die große Gefahr, dass viele indigene Territorien, die in den vergangenen Jahrzehnten rechtlich anerkannt worden seien, ihren Schutzstatus verlieren und für die Rohstofförderung, die dort jetzt noch verboten sei, geöffnet werden, warnte Bangert. „Brasiliens Indigenen-Politik droht unter Bolsonaro der Rückwärtsgang. Das wäre eine dramatische Fehlentwicklung, die den Status indigener Völker weltweit beeinträchtigen wird.“ Bolsanaro konnte sich in einer Stichwahl gegen den Mitbewerber der Arbeiterpartei Fernando Haddad als Präsidentschaftskandidat durchsetzen.
„Bolsonaro wird jetzt seine Lobby bei den Großgrundbesitzern bedienen, die auf indigenem Land Wald roden, um zum Beispiel Soya-Monokulturen auszudehnen“, kritisierte Bangert. „Mehrfach hat er im Wahlkampf verkündet, dass die Ausweisung und Absicherung indigener Territorien – die sogenannte Demarkation – beendet werden müsse, da sie dem Agrobusiness schade. Minderheiten müssten sich anpassen oder veschwinden. Das könnte jetzt traurige Realität werden.“
Deutschland hat einst die Schutzprogramme für die Förderung der „grünen Lunge der Welt“ durch Absicherung der Territorien für die Indigenen finanziell großzügig gefördert. Nach Auffassung der GfbV sind diese Errungenschaften jetzt in großer Gefahr. „Um sie zu schützen und dieser negativen Entwicklung gegenzusteuern, müssen Nichtregierungsorganisationen für Menschenrechte und Umweltschutz, die schon im Wahlkampf von Bolsonaro heftig attackiert wurden, verstärkt unterstützt werden“, forderte Bangert.
Insgesamt beanspruchen indigene Gemeinschaften derzeit den Schutz von mehr als 1.306 Territorien, doch das Verfahren zu deren Anerkennung stockt. Mehr als 840 Verfahren sind nicht abgeschlossen, in mehr als 530 davon wurden noch nicht einmal mit der Arbeit begonnen.
Headerbild: Eduardo Fonseca Arraes via Flickr

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