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Editorial

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Aus bedrohte völker_pogrom 274, 6/2012

Liebe Leserinnen und Leser,

am 20. August 1619 legt ein niederländisches Schiff in Jamestown an, im heutigen Bundesstaat Virginia in den USA. Der Kapitän hat die ersten schwarzen Sklaven an Bord, die auf dem nordamerikanischen Kontinent knechten müssen. In den nächsten Jahrhunderten folgen weitere Schiffe mit hunderttausenden verschleppten Menschen, vor allem aus Westafrika, die auf Tabakfeldern und Baumwollplantagen in der „Neuen Welt“ schwere Arbeit leisten müssen.

Die Geschichte der Sklaverei ist so alt wie die Menschheit. Sklaven waren Kriegsbeute, Statussymbole, entrechtete Menschen ohne Würde. Befürworter rechtfertigten die Knechtschaft mit „rassischer Überlegenheit“ vermeintlich „minderwertigen“ Menschen gegenüber. Obwohl die skrupellose Ausbeutung in vielen Ländern „offiziell“ abgeschafft ist, werden die Nachfahren von Sklaven in Ländern wie Brasilien, dem Jemen oder der USA diskriminiert.

Zwar hat die Menschen- und Bürgerrechtsbewegung in den 1960er Jahren in den Vereinigten Staaten den entscheidenden Anstoß gegeben, dass die US-Regierung die Rassentrennung aufgehoben hat. Dennoch ist es Jahrzehnte später noch immer nicht selbstverständlich, dass ein Schwarzer Präsident von einem der mächtigsten Staaten wird – internationale und nationale Medien hoben immer wieder Barack Obamas Hautfarbe hervor. Sollte es nicht mittlerweile im 21. Jahrhundert egal sein, ob jemand schwarz, weiß oder khaki ist, ohne dies besonders betonen zu müssen? Die Realität ist leider eine andere. Rassistische Denkstrukturen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten in den Köpfen vieler Menschen verankert haben, setzen sich in der Gegenwart fort. Die Diskriminierung Schwarzer ist anders als die einer kulturellen oder religiösen Gruppe, die allein auf Vorurteilen beruht. Schwarze werden aufgrund ihrer Hautfarbe herabgesetzt.

Die gesellschaftliche und mediale Öffentlichkeit wertet es nicht umsonst als Erfolg, wenn Schwarze in hohe politische Ämter kommen. Solche Fortschritte trösten jedoch nicht über die verheerende Situation schwarzer Menschen in so vielen Ländern hinweg: Im Jemen leben viele Al-Akhdam, die dortige schwarze Minderheit, in ausgetrockneten Flussbetten, die die Jemeniten als Müllhalden nutzen. In Kolumbien kämpfen sie um Landrechte und müssen jederzeit fürchten, von Guerillakämpfern und dem Militär angegriffen und vertrieben zu werden. Schwarze Fußballspieler werden bei sportlichen Ereignissen in der Russischen Föderation ausgebuht oder mit Bananen beworfen. In Deutschland ist zu Beginn dieses Jahres eine öffentliche Debatte entbrannt, nachdem Verlage sich bereit erklärt hatten, das diskriminierende Wort „Neger“ aus Kinder- und Jugendbüchern zu entfernen. Und selbst die Europäische Union diskriminiert Schwarze und Flüchtlinge anderer Länder institutionell mit ihrer Asyl- und Flüchtlingspolitik: Tausende von Flüchtlingen – oder ihre Leichen – stranden an der Mittelmeerküste, knapp 400 Jahre nachdem die ersten schwarzen Sklaven Nordamerika betreten haben.

Ihre Sandy Naake

Redakteurin von „bedrohte Völker – pogrom“

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