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Aktuelles News & Artikel Ein Abschied in Dankbarkeit – Zum Tod des Journalisten Michael Caspar

Ein Nachruf von Kamal Sido

Ein Abschied in Dankbarkeit – Zum Tod des Journalisten Michael Caspar

Ein Abschied in Dankbarkeit – Zum Tod des Journalisten Michael Caspar
Michael Caspar, fotografiert von Jens Döll.

„Warum werden Sie nicht Christ?“, fragte Michael Caspar scherzhaft den kurdischen Islamgelehrten Scheich Murshid al Khaznawi 2011, als dieser die Offenheit und die Toleranz der jüdisch-christlich geprägten Gesellschaften Westeuropas nahezu übertrieben lobte. Damals lud die GfbV den im norwegischen Exil lebenden Imam nach Göttingen ein und organisierte mit ihm einige Veranstaltungen. Michael Caspar führte mit unserem Gast ein langes Interview, das damals im Göttinger Tageblatt veröffentlicht wurde.

Michael Caspar interviewte nicht nur den muslimischen Geistlichen aus Syrien. Er hat mit Ganzevra Sattar Jabbar Hilo Al-Zahrony, dem Oberhaupt der Mandäer, einer alten Glaubensgemeinschaft aus dem Irak, gesprochen. Al-Zahrony kam nach Deutschland auf Einladung der GfbV. Auch mit Tahsin Saied Beg, dem weltlichen Oberhaupt der Yeziden und vielen anderen Yeziden in Göttingen, hat er gesprochen. Michael Caspar machte, schon lange bevor der Völkermord 2014 begann, auf das Schicksal dieser Glaubensgemeinschaft aufmerksam. Auch mit dem Bischof der koptischen Christen, Anba Damian oder mit aramäischsprachigen syrisch-orthodoxen Christen aus Tur Abdin, aus der Südosttürkei, sprach er. Ich kann mich auch sehr gut an ein Gespräch zwischen Michael Caspar und dem Aleviten Ali Toprak, damals Generalsekretär der Alevitischen Gemeinde Deutschlands, heute Bundesvorsitzender der Kurdischen Gemeinde Deutschland, erinnern unter Repräsentanten der Minderheiten, die er interviewte, waren auch Bahá’í, Armenier oder Assyrer. Und zuletzt, wenige Tage vor seinem Tod, sprach er mit unserem Gast, dem Präsidenten des Uiguren-Weltkongresses, Dolkun Isa.

Mitte Oktober traf ich Michael Caspar zufällig nicht weit von der Wetterstation im Göttinger Stadtteil Geismar. Er lachte wie üblich viel über meine Witze und andere lustige Geschichten. Er war mit seiner Partnerin Harriet Eisenburger, mit dem Fahrrad unterwegs. Als wir uns verabschieden wollten, sagte er plötzlich: „Wann gehen Sie in die nächste Runde und laden Oberhäupter, Repräsentanten der ethnischen und religiösen Gemeinschaften aus dem Nahen Osten oder aus anderen Regionen wieder nach Göttingen ein?“. „Wir, die GfbV, ich persönlich, haben doch bereits nahezu alle eingeladen…“, erwiderte ich.

Das waren die letzten Worte von Michael Caspar, die ich gehört hatte. Wir werden den guten Journalisten Michael Caspar sehr vermissen. Er hat immer fair und interessiert berichtet, was nicht immer eine Selbstverständlichkeit ist.

Michael Caspar ist in Bielefeld geboren. Er studierte an der Universität Göttingen von 1983 bis 1991 Sozialwissenschaften. Nach einigen Jahren Arbeit als Diplom-Sozialwirt an der Uni Göttingen entdeckte er seine Leidenschaft für den Journalismus. Ab sofort verfasste er unzählige Artikel für Nachrichtenagenturen wie ddp und epd, aber auch Texte für das Bistum Hildesheim und die Jüdische Allgemeine. Ab 2002 war er als freier Journalist insbesondere für das Göttinger Tageblatt tätig. Michael Caspar schrieb zu vielen Themen in und um Göttingen. 2004 wurde ihm für seine journalistische Arbeit der renommierte Göttinger Alexanderpreis zugesprochen, 2016 belegte er den dritten Platz. Ab 2020 war er vor allem für die Hessische/Niedersächsische Allgemeine (HNA) tätig. Völlig unerwartet und plötzlich brach er am 24. Oktober zusammen und starb im Alter von 59 Jahren.

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