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Aktuelles News & Artikel Ein Trainingsprogramm für Ureinwohner der Amazonasregion

Wege des Dialogs aufzeigen

Ein Trainingsprogramm für Ureinwohner der Amazonasregion

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Auch in Lateinamerika hat die wachsende wirtschaftliche Öffnung und zunehmende Kapitalmobilität in den letzten Jahren zum Anstieg von Explorationsaktivitäten und Rohstoffentwicklung durch nationale und transnationale Unternehmen geführt. Der Amazonasregion kommt hierbei aufgrund ihrer großen Erdöl- und Erdgasreserven eine besondere Rolle zu. Gleichzeitig stellt diese Region den natürlichen Lebensraum für viele indigene Völker dar, die hier ihre Kulturen und Wissen über nachhaltige Bewirtschaftung in fragilen Ökosystemen bewahren. Die expandierende Interessen der privatwirtschaftlichen und auch staatlichen Akteure bedrohen vermehrt die soziale, kulturelle, ökologische und ökonomische Grundlage von Ureinwohnergemeinschaften. Die hieraus resultierenden – teils gewaltsamen – Konflikte gefährden nicht nur den Fortbestand indigener Lebensformen, sondern die nachhaltige Entwicklung der Region insgesamt. Deswegen sehen viele Vertreter indigener Völker die Notwendigkeit, frühzeitig in Entscheidungsprozesse bzgl. Bewirtschaftung natürlicher Ressourcen involviert zu sein.

Auf Initiative der Koordination der Indianerorganisationen des Amazonasbeckens (COICA) in Zusammenarbeit mit der Carl Duisberg Gesellschaft (CDG) und dem Europäischen Klimabündnis entstand 1999 ein längerfristiges Trainingsprogramm mit dem Titel „Neue Umwelt- und Sozialstandards im Erdölsektor: Neue Wege eines Dialogs zwischen indigenen Völkern, Erdölunternehmen und Regierungen in der Amazonasregion“. Dieses hat zum Ziel, einen effektiven Dialog zwischen indigenen Völkern, Regierungen und Erdölunternehmen zu etablieren, um die Rolle indigener Völker in Entscheidungsprozessen bzgl. Ressourcenbewirtschaftung und der nachhaltigen sozialen und ökologischen Entwicklung der Amazonasregion zu stärken. Das Programm wird im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit durchgeführt und ist vernetzt mit dem von der Weltbank und dem Lateinamerikanischen Energieverband (OLADE) initiierten Programm „Energie, Umwelt und Bevölkerung“.

Die Entscheidung über Art und Inhalte der Trainingsaktivitäten wird mit den Vertretern der o.g. Akteure in gemeinsamen nationalen wie regionalen Planungssitzungen abgestimmt, wobei die CDG in Zusammenarbeit mit dem „Programm zu Gewaltfreie Sanktionen und Kulturelles überleben“ des Weatherhead Center for International Affairs an der Harvard University und der „Fundación Futuro Latinoamericano“ für die darauffolgende konzeptionelle Entwicklung und die Durchführung der Maßnahmen in den beteiligten Ländern – Bolivien, Ecuador, Kolumbien, Peru und Venezuela – verantwortlich ist.

Das Programm versteht sich weniger als traditionelles „Verhandlungstraining“ noch vermittelt es ausschließlich Kenntnisse über Erdölaktivitäten und nachhaltige Entwicklung. Es bietet in seiner ersten Phase vielmehr die Plattform zum gemeinsamen Dialog entlang der Fragen „Was wollen die anderen Teilnehmer über uns wissen?“ und „Was wollen wir vermitteln?“. Grundlegend ist dabei die Idee, dass Verhandlungen keinen vorgegebenen Regeln folgen, sondern einen Lernprozess darstellen, der gegenseitig das aktive Zuhören und den Respekt aller benötigt.

In einer weiteren Phase ab 2002 sollen Universitäten und andere Bildungsinstitutionen mit eingebunden werden, um selber längerfristig Dialog- und Trainingsmaßnahmen weiterzuentwickeln und fortzusetzen. Es ist zu hoffen, dass diese Art von Initiativen zum Völkerverständnis, Erfahrungsaustausch und zum Überleben indigener Völker beitragen. Ein dauerhafter Dialog bedarf der Übernahme und einer eigenverantwortlichen Weiterführung. Erst wenn dieser in den „Besitz“ der involvierten zivilgesellschaftlichen, staatlichen und privatwirtschaftlichen Akteure übergegangen ist, versprechen die Bemühungen einen langfristigen Erfolg.

Dr. Christina Kamlage und Elizabeth Rodriguez führen im Auftrag der Carl Duisberg Gesellschaft (Berlin) das im Artikel vorgestellte Dialog- und Trainingsprogramm für und mit Ureinwohnergemeinschaften durch.

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