Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Göttingen
Die höchstens noch 13.000 Mandäer in den großen Städten des Irak und im Süden des Landes sind in akuter Gefahr. Dort hetzen radikale Muslime die Bevölkerung gegen Andersgläubige auf. Christen und Mandäer werden Opfer extremistischer Überfälle. Während die Christen in Irakisch-Kurdistan im Norden des Landes Aufnahme finden, ist der kleinen mandäischen Glaubensgemeinschaft, deren Religion auf Johannes den Täufer zurückgeht, noch niemand zu Hilfe gekommen. Vor Mord und Totschlag, Verschleppung, Vergewaltigung und Misshandlung sind schon 17.000 der 30.000 Mandäer vor allem in die Nachbarländer geflüchtet.
Die Mandäer gelten im Irak als vogelfrei, deshalb müssen die Täter nicht mit Strafe rechnen. Es gibt erschütternde Beispiele dafür, dass selbst Kinder und Jugendliche nicht verschont werden. So wurde ein sieben Jahre alter Junge im September 2003 bei lebendigem Leib verbrannt, während eine Hass erfüllte Menge skandierte: „Tötet den dreckigen Ungläubigen!“ Im August 2005 mussten die Teenager Nwar Menim Mohy und Nwar Al-Khamesi sterben, nur weil sie Mandäer waren. Beide waren erst 15 Jahre alt.
Voller Angst, verschleppt und vergewaltigt zu werden, wagen sich mandäische Frauen kaum noch aus dem Haus. Trotzdem häufen sich Berichte, dass Man-däerinnen beim Einkaufen und auf dem Weg zur Uni oder in die Schule gekidnappt wurden und gleich mehrere Männer über sie hergefallen sind. Mandäische Familien bekommen Drohbriefe, sie sollten das Land verlassen oder zum Islam übertreten. Viele Mandäer wurden grundlos verhaftet, enteignet oder entlassen.
Keine Zukunft für die „Kinder von Johannes dem Täufer“?
Weltweit gibt es nur noch etwa 60.000 Mandäer. Die Hälfte von ihnen stammt aus dem Irak, 10.000 soll es noch im Iran und 20.000 in der Diaspora in Westeuropa, Australien, in den USA, Kanada und Neuseeland geben. Im Irak verstärkten sich die Anfeindungen gegen die Mandäer schon seit dem Machtantritt von Saddam Hussein 1979. Tausende von ihnen starben 1991-1993 durch den Vernichtungsfeldzug des Diktators gegen die schiitische Bevölkerung in den Sumpfgebieten zwischen Basra, Amara und Nasirija. Dort wurden damals auch die Zentren der mandäischen Kultur zerstört.
Die jüngste Welle der Gewalt ist jetzt so bedrohlich, dass alle Mandäer nach menschlichem Ermessen die Flucht ergreifen müssen. Das wurde ihnen schon 2003 von US-Militärs dringend angeraten, weil diese die mandäische und die christliche Minderheit nicht schützen könnten. Auch ihr Sprecher in Deutschland, Dr. Quais Saidi, konnte der Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) nur Niederschmetterndes berichten. Er reiste Anfang 2006 nach Syrien, um die Lage der Not leidenden Flüchtlinge zu erkunden. Sie erhalten dort nur humanitäre Hilfe, wenn sie zum Islam übertreten.
Zuflucht im Exil
Wie einst die Hugenotten in Deutschland brauchen die Mandäer Zuflucht in einem sicheren und toleranten Exil, damit ihre Religion mit ihrer Jahrtausende alten Lehre nicht unwiederbringlich verloren geht. Die Mandäer, unter denen sich traditionell viele Gold- und Silberschmiede, gut ausgebildete Akademiker, Ingenieure, Ärzte und hoch qualifizierte Handwerker befinden, brauchen dringend Hilfe.
Deutschland sollte vor der Not dieser existenziell bedrohten kleinen Glaubensgemeinschaft die Augen nicht verschließen. Deshalb appelliert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) an die Bundesregierung und an Regierungen der Nachbarländer, die Mandäer jetzt nicht allein zu lassen. Bitte unterstützen Sie unseren Appell, ein Kontingent dieser Glaubensflüchtlinge bei uns aufzunehmen, indem Sie anhängenden Kurzbrief an Bundeskanzlerin Angela Merkel unterschrieben absenden.

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