Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Nach dem Vorbild der Entnazifizierung im Nachkriegsdeutschland müssen jetzt endlich alle noch unbehelligt in der serbisch verwalteten Hälfte Bosnien-Herzegowinas lebenden Kriegsverbrecher zur Rechenschaft gezogen werden, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). Zwar begrüßte der GfbV-Generalsekretär Tilman Zülch am Mittwoch die Verhaftung von vier mutmaßlichen Kriegsverbrechern, die am Massaker vom Berg Vlasic 1992 beteiligt gewesen waren. Der Menschenrechtler kritisierte jedoch, dass vornehmlich in der Republika Srpska noch Tausende von Tätern auf freiem Fuß und „in Amt und Würden“ seien.
Laut Aussagen von Überlebenden haben sich mindestens 20 namentlich bekannte serbische Polizisten an dem Massaker beteiligt, von denen erst neun verhaftet worden seien, berichtete Zülch. Auch einer der Organisatoren des todbringenden Konvois zum Berg Vlasic, der Kommandeur des serbischen Konzentrationslagers Trnopolje, Slobodan Kuruzovic, von Beruf Lehrer in der Stadt Prijedor, habe bis zu seinem Tod im Mai 2005 als Stellvertretender Direktor einer Grundschule und als Direktor von Radio Prijedor sowie kurze Zeit als Rentner ein freies Leben in der Republika Srpska führen können.
Dem Massaker vom Berg Vlasic waren am 21. August 1992 mindestens 253 Bosnier zum Opfer gefallen. Sie gehörten zu den rund 3000 Gefangenen u.a. aus den serbischen Konzentrationslagern Omarska, Keraterm, Trnopolje und Manjaca, die mit Bussen in Richtung „freies Territorium“ gebracht wurden. Der Konvoi hielt bei den Koricani-Felsen am Berg Vlasic über dem Ugar-Tal bei Smetovi. Alle Männer im Alter zwischen 13 und 55 Jahren mussten aussteigen, mit den Händen auf dem Rücken paarweise an den Abgrund treten und sich hinknien. Dann wurden die Gefangenen erschossen und rund 300 Meter in die Tiefe gestoßen.
Der GfbV liegen die Aussagen von zwölf Überlebenden vor, die sich trotz ihrer Schussverletzungen retten konnten.

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