Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Immer wieder finden sportliche Großveranstaltungen in autokratischen Regimen statt. Die deutsche Fechterin Imke Duplitzer begehrte bei den Olympischen Sommerspielen 2008 in Peking dagegen auf: Sie boykottierte die Eröffnungsfeier. Im Interview berichtet sie von Gegenwind für ihre Entscheidung, späteren Konsequenzen und dem Leitsatz, dem Geld zu folgen.
Frau Duplitzer, wir stehen vor zwei olympischen Jahren: dieses Jahr die Sommerspiele in Tokio und 2022 die Winterspiele in China. Hat es Sie überrascht, dass die Spiele nach 2008 wieder nach China gegeben wurden, obwohl die Menschenrechtslage heute noch schlechter ist als damals?
Nein, überrascht hat es mich nicht. Man muss sehen, wohin sich das IOC (Internationales Olympisches Komitee) in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Platt formuliert: Die Olympischen Spiele sind wie Sissi in der Sportwelt. Es wird eine perfekte Kulisse inszeniert, durch die Werte transportiert werden, die die Olympische Bewegung schon lange nicht mehr vertritt – zumindest nicht die, die den Laden führen und leiten. Denen geht es um bare Münze und harte Währung. Die ist gerne genommen. China ist ein wahnsinniger Entwicklungsmarkt, angefangen bei Sportartikelherstellern. Da will das IOC mitverdienen.
Früher hatten die Olympischen Winterspiele auch noch was mit Winter, Bergen und Schnee zu tun. Doch spätestens seit Sotschi wissen wir: Man kann das alles irgendwie regeln, notfalls indem man eine komplett wirre Kulisse vor eine mediterrane Grundthematik bastelt, mit einer Bergbahn und notfalls noch einem kleinen Dorf. 2022 recyceln sie wenigstens die Sportstätten von 2008. Das ist wenigstens ökologisch gesehen ein Fortschritt.

aus „bedrohte Völker – pogrom“ Nr. 312, 03/2019
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