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Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) hat ein internationales Gipfeltreffen zur Lösung der durch den Boko-Haram-Konflikt in Nigeria ausgelösten Flüchtlingskrise in Westafrika gefordert. „Das Leiden der Boko-Haram-Flüchtlinge darf nicht länger ignoriert werden. Die dramatische Unterversorgung mit Nahrungsmitteln, ignorante und untätige Behörden sowie Abschiebungen machen hunderttausenden Flüchtlingen das Leben zur Hölle“, kritisierte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Zwar haben sich die Staaten Westafrikas innerhalb nur weniger Tage zu einem gemeinsamen militärischen Vorgehen gegen die Terrorgruppe Boko Haram entschlossen, doch die schwierige Lage der geflohenen Zivilbevölkerung beachten sie nicht.“
Die GfbV verurteilte die gestrige Abschiebung von 3.000 Boko-Haram-Flüchtlingen aus Niger in das Nachbarland Nigeria als unverantwortlich und unmenschlich. „Wer vor dem Terror von Boko Haram und der willkürlichen Gegengewalt der Sicherheitskräfte flieht, muss Aufnahme und Schutz finden“, erklärte Delius. Die Abgeschobenen wurden gewaltsam in einem dreitägigen Fußmarsch bei Temperaturen von 40 bis 50 Grad Celsius zurückgeführt. Mindestens ein Dutzend Menschen sind dabei zu Tode gekommen.
Nachdrücklich appellierte die GfbV an die Europäische Union, mehr finanzielle Hilfe für die Betreuung der Boko-Haram-Flüchtlinge zur Verfügung zu stellen. Rund 192.000 von ihnen leben in den Nachbarstaaten Nigerias und bis zu zwei Millionen im Land selbst. Unter den Flüchtlingen befinden sich auch mindestens 800.000 Kinder.
Die Vereinten Nationen und internationale Hilfsorganisationen benötigen nach eigenen Angaben in diesem Jahr 174 Millionen Euro zur Betreuung all dieser Flüchtlinge in Nigeria, Niger, Kamerun und Tschad. „Es ist erschreckend, wie gering jedoch bislang die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft ist, Boko-Haram-Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu unterstützen“, sagte Delius. So sind die für die Betreuung der Binnenflüchtlinge in Nord-Nigeria vom Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) beantragten 23 Millionen Euro nur zu vier Prozent gedeckt. Die insgesamt benötigte humanitäre Hilfe für Nigeria und seine Nachbarstaaten ist bislang nur zu 18 Prozent durch Zusagen von Geberländern gesichert. „Angesichts des weltweiten Entsetzens über den Terror Boko Harams ist die geringe finanzielle Unterstützung der Opfer der Gewalt beschämend“, erklärte Delius.
Header Foto: Flickr/ European Commission DG

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