Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Die etwa 400.000 noch im Irak verbliebenen Christen, aber auch Angehörige anderer nicht-islamischer Minderheiten wie der Yeziden, Mandäer und Shabak laufen im arabisch dominierten Teil des Irak um ihr Leben. Terroristen verüben gezielte Sprengstoffanschläge auf ihre Kirchen, ihre Priester werden entführt und gefoltert. Auch wenn ihre Angehörigen das verlangte Lösegeld aufbringen konnten, werden die Entführten häufig ermordet.
Seit 2003 dokumentiert die GfbV Gewaltakte gegenüber Christen und andere Minderheitenangehörige im Irak in einer „Chronik des Schreckens“. Leider ist kein Ende der Gewalt absehbar. So wurde im September 2008 in Bagdad der Juwelierladen einer mandäischen Familie in Bagdad ausgeraubt und zerstört. Die unbekannten Täter ermordeten den Inhaber des Ladens Mahdi Abdulkarim Alkerbolli, seinen Bruder Kamel Abdelkarim Alkerbolli und seinen achtjährigen Sohn Ahmed Mahdi Abdelkarim.
Im Oktober flohen mindestens 2.351 christliche Familien in Panik aus der mehrheitlich arabisch bewohnten Stadt Mossul, nachdem mindestens zwölf Christen ermordet worden waren. Unter den Toten befand sich der gehbehinderte Ziyad Kamel (25). Er saß völlig wehrlos in seinem Rollstuhl, als er am 6. Oktober in seinem Geschäft im Stadtviertel al-Krama erschossen wurde. Aber auch Apotheker, Ärzte und ein 14jähriger Junge mussten ihre Religionszugehörigkeit mit dem Leben bezahlen. Mehrere der von den Christen verlassenen Häuser wurden nach ihrer Flucht „als Zeichen der Warnung“ völlig zerstört.
Die Flüchtlinge wurden in der autonomen Region Kurdistan und der vorgelagerten, von kurdischen und christlichen Milizen bewachten, Niniveh-Ebene aufgenommen. Diese Regionen können jedoch nur einem kleinen Teil der Flüchtlinge langfristig Schutz gewähren. Auch die Nachbarländer des Irak – Syrien, Jordanien und der Libanon -, in die sich Tausende Angehörige der verfolgten Minderheiten geflüchtet haben, sind schon jetzt völlig überfordert und können den verzweifelten Menschen keine Perspektive bieten.
Schutz in Deutschland!
Seit Jahren fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker, dass Deutschland ein großes Kontingent der im Irak aus religiösen Gründen verfolgten Minderheiten aufnehmen muss. In zahlreichen Aktionen machten wir auf die „größte Christenverfolgung der Gegenwart“ aufmerksam und baten insbesondere die christlichen Gemeinschaften um solidarischen Einsatz für ihre verfolgten Glaubensbrüder und –schwestern im Irak. Seit ca. einem Jahr wurde das brisante Thema nun auch von den großen christlichen Kirchen in Deutschland aufgegriffen. Doch wenn von einer Kontingentlösung für Flüchtlinge aus dem Irak die Rede ist, dürfen auch Angehörige der kleineren nicht-muslimischen Minderheiten wie der Mandäer, Yeziden und Shabak nicht vergessen werden!
Werden Sie aktiv:
Bitte unterstützen Sie unseren Online-Appell an die deutsche Bundesregierung:
Berlin muss schnell handeln und endlich ein möglichst großes Kontingent der Flüchtlinge aus dem Irak aufnehmen! Außerdem sollte die Bundesregierung den einzigen Zufluchtsort der verfolgten Minderheiten im eigenen Land Irak – das autonome Bundesland Irakisch-Kurdistan sowie die vorgelagerte Niniveh-Ebene – sowie Kirchen in Syrien, Jordanien und dem Libanon bei der Versorgung dort eingetroffener irakischer Flüchtlinge konkret unterstützen.
Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit für verfolgte Völker und Minderheiten durch eine möglichst großzügige Spende bzw. Ihre Mitgliedschaft. Vielen herzlichen Dank!
Dreiköpfige Mandäer-Familie in Bagdad ausgelöscht
Die größte Christenverfolgung der Gegenwart
Iraks verfolgte Yeziden brauchen dringend Hilfe!
Download Dokument »Chronik des Schreckens«

Gemeinsam handeln – Newsletter abonnieren
Bleiben Sie informiert über unsere Menschenrechtsarbeit, Erfolge und aktuelle Kampagnen. Unser Newsletter bringt Ihnen Stimmen unserer Partner*innen, Analysen und Möglichkeiten zum Mitmachen direkt ins Postfach.
