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Aktuelles News & Artikel Hmong: Augenzeugen berichten über die grausame Verfolgung durch laotische Soldaten

Augenzeugenberichte

Hmong: Augenzeugen berichten über die grausame Verfolgung durch laotische Soldaten

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Zeugenaussage von SHONGMA VANG:

„Mein Name ist Shongma Vang, ich bin 27 Jahre alt und vom Volk der Hmong. Ich wurde in Chaoua Dai in Laos geboren und habe dort als Zivilist und Bauer gelebt. […]

Am 30. März 1997 haben laotische Soldaten mein Dorf angegriffen. Ich war Zeuge, wie meine Mutter und meine Schwester von ihnen erschossen wurden. Auch ich wurde durch Geschosse verwundet. Meine vierjährige Schwester Khang wurde durch mehrere Schüsse schwer verletzt. Wir konnten uns in den nahe gelegenen Dschungel retten. Ich beobachtete wie die Soldaten zurückkamen und nochmals auf meine kleine Schwester schossen, die halbtot am Boden lag. Als die Soldaten endlich fort waren, kümmerten wir uns um meine kleine Schwester, die so viele Schüsse überlebt hatte, und mein Onkel und mein Vater begruben die Leichen meiner Mutter und meiner älteren Schwester.

Nach dem Angriff beschloss unsere Gemeinschaft, sich in kleine Gruppen aufzuteilen und das Dorf, das Land und die Tiere aufzugeben, um uns in den Tiefen des Dschungels zu verstecken. Dort trafen wir im Laufe der Zeit viele Familien, die sich wie wir dort versteckt hielten. […]

„Unser Leben war voller Stress und Angst“

Ein Jahr später, 1998, fanden die laotischen Soldaten unser Versteck, in dem 15 Familien lebten und umzingelten uns. Sie waren so viele, dass wir ihre genaue Zahl nicht abschätzen konnten. Sie schossen auf die erwachsenen Männer. Alle konnten entkommen, niemand wurde getötet oder verwundet.

Wir verließen unsere versteckte Sieldung und marschierten einen Tag lang um einen neuen Platz zu finden, während die laotischen Soldaten eine Militärbasis in unserer aufgegebenen Siedlung errichteten.

Im neuen Versteck blieben wir etwa 2 Jahre lang, aber wir wagten es nicht Feuer zu machen, Häuser zu bauen oder Pflanzungen anzulegen. Wir konnten keine Grundlagen für ein ordentliches Leben schaffen, weil wir immer Angst hatten, dann von den Militärhubschraubern aufgespürt zu werden. Wir waren immer sehr vorsichtig und unser Leben war voller Stress und Angst. Wir ernährten uns durch das Sammeln von Nahrung und das Ausgraben von Wurzeln, wir konnten nichts anpflanzen und nicht jagen, weil wir weder Werkzeug noch Gewehre hatten.

„Zwei Hubschrauber, die über uns Kreise zogen“

2001 sahen die 15 versteckten Familien und ich zwei Hubschrauber, die über uns Kreise zogen. Dann kam der erste herunter und gab Schüsse auf uns ab, während der zweite uns aus der Luft weiter beobachtete. Sobald der erste keine Munition mehr hatte, kam der zweite herunter und schoss auf uns. Niemand wurde verletzt, weil wir uns alle unter Bäume flüchteten. Danach entschieden wir, dass wir auch an diesem Platz nicht mehr sicher waren und marschierten einen Tag lang zu einem neuen Versteck im Gebiet Tong Peng. (…) 2003 zogen wir zu drei anderen versteckt lebenden Hmong-Familien in der PamTukong-Gegend, wo der Boden fruchtbarer war.

Von 2003 – 2004 begannen wir uns sicherer zu fühlen, weil schon seit fast vier Jahren niemandem etwas passiert war. Wir wurden weniger vorsichtig und begannen mit dem Bau fester Häuser. Wir rodeten Land rund um die Häuser, um Felder anzulegen und begannen ein normales Leben als Bauern. 2004 entdeckten Militärhubschrauber unsere Rodungen und das Dorf aus der Luft, aber sie griffen uns nicht an. Drei Tage später erschien eine große Gruppe Fußsoldaten und begann sofort – ohne Warnung oder Dialog – die Häuser, die dem Wald am nächsten lagen, zu beschießen. Dazu gehörte das Haus unserer Familie: Mein Bruder und mein Vater, die im Haus waren, wurden getötet.

[…] Ich kehrte noch dreimal zu unserer alten Siedlung zurück, weil ich die Leichen meines Vaters und meines Onkels holen wollte. Daher konnte ich sehen, dass immer mehr Soldaten und Munition im Lager eintrafen, auch zwei weitere Hubschrauber.

„Wir beschlossen, nach Thailand zu fliehen“

Unsere 18 Familien beratschlagten miteinander und kamen zu dem Schluss, dass wir nirgendwohin gehen konnten: Immer würden die laotischen Soldaten versuchen uns zu finden und zu töten…(…). Wir begriffen, dass wir niemals ein normales Leben in Sicherheit und Frieden führen könnten und dass wir keinerlei Zugang zu irgendeinem Rechtssystem hatten, dass es keine Hilfe aus dieser lebensbedrohlichen Situation für uns gab. Unser Überleben war ständig bedroht und es war völlig unmöglich, Nahrung anzubauen und zu ernten. Wir beschlossen daher, unsere 18 Familien in kleinere Einheiten aufzulösen und nach Thailand zu fliehen. Ich, meine kleinste Schwester, die jetzt 12 Jahre alt ist, meine Frau und 2 Brüder brauchten ungefähr einen Monat, um über den Mekong River nach Thailand zu kommen. Hier leben wir jetzt im Flüchtlingslager von Phetchabun, in ständiger Angst, dass wir nach Laos deportiert werden. Wir würden ganz dringend den UN-Flüchtlings-Status benötigen.

Ich bekräftige mit meiner Unterschrift, dass ich ein Zivilist bin, niemals ein Gewehr besessen habe, um einen anderen Menschen zu töten oder auch nur auf ihn zu schießen, und dass ich die volle Wahrheit gesagt habe.“

Zeugenaussage von VANGZE HER:

„[…] 2002 intensivierte die laotische Regierung ihre Suche nach uns enorm. Überall wurden Militärlager errichtet, in den Bergen und Tälern, wo sie Hmong-Verstecke vermuteten, waren Artillerieschüsse zu hören. Hubschrauber waren im Einsatz, um Bomben und Geschoße abzuwerfen, auch Metallnägel wurden abgeworfen, und eine gelbe chemische Substanz auf uns herunter gesprüht. Sie haben sogar Landminen und Granaten in der ganzen Region verteilt und uns daran gehindert, Nahrung zu suchen.

Während dieser ganzen Zeit sind bei den Hmong Gruppen, die unser Gebiet bewohnten, zahlreiche Menschen verhungert und durch Angriffe der Militärs mit Waffen oder Chemikalien verletzt oder getötet worden. Wir hatten viele Diskussionen und standen dauernd unter Stress. Kinder wollten ohne Eltern fortgehen, Ehemänner ohne ihre Familie, um eine bessere Überlebenschance zu haben als wenn sie in größeren Gruppen lebten. Kinder wurden zu Waisen und Eltern kinderlos. Es war für uns die schwierigste Zeit, die wir versteckt im Dschungel verbrachten. […]“

Zeugenaussage von NAO YIA VUE:

„Ich, Nao Yia Vue, 56 Jahre alt, verheiratet, aus dem Volk der Hmong, geboren und früher wohnhaft in Yathong, Laos, gehörte während des Vietnam-Krieges der CIA der USA an.

Nach dem Krieg 1975, verließ der Hmong-Führer Vang Pao, der während des Krieges General gewesen war, das Land und wir blieben zurück, nachdem wir versucht hatten ihm zu folgen und über die Hin Her Brücke zu fliehen. In Hin Her massakrierte das laotische Militär einen großen Teil der fliehenden Hmong-Bevölkerung, die versuchte, über die Grenze nach Thailand zu gelangen. .(…). Die Hmong, die nicht fliehen konnten, mussten zurück. Wir gingen alle in unsere alten Dörfer zurück. Währenddessen sandte die laotische Regierung immer mehr Soldaten in unser Gebiet, um uns zu jagen. Frauen, Kinder und viele Zivilisten beschlossen, die Dörfer zu verlassen und sich im Dschungel zu verstecken. (…)

Später verteilte die laotische Regierung Flugblätter und forderte unserer Vertreter Vang Chue Ki zu einem Treffen mit Regierungsvertretern auf. Nachdem wir die Flugblätter erhalten hatten, ging ich selbst mit 35 Hmong-Sprechern am 24. November 1993 nach Meuang in der Cha Sysomboune Sonderzone (…). Die Generale Phueas, Khamoua, Xaoubun Tha, Khamxee und ihre Soldaten warteten ruhig bis wir alle am Treffpunkt versammelt waren. Dann verhafteten sie uns, ohne jede Vorwarnung. Sie richteten die Gewehrläufe auf unsere Köpfe und forderten, dass wir uns zu Boden werfen sollten. Zwei Stunden später hörte ich Gewehrschüsse aus der Richtung, wo der Rest unserer Gruppe im Dschungel versteckt auf uns wartete.

Ich erhielt Fußtritte, wurde mit Gewehren geschlagen und gefoltert, bis ich ohnmächtig wurde. Als ich wieder zu Bewusstsein kam, lag neben mir ein Hmong namens Kiobounma, der Mitglied unserer Delegation gewesen war – man hatte ihn tot geschlagen. Ich wurde weiter gefoltert (…) und drei Tage lang ohne Wasser in der Sonne liegen gelassen. Später wurde ich ins Gefängnis von Phouhong in Vientiane gebracht (…).

Fünf Jahre später, am 10. November 1998, wurde ich freigelassen und begann im Dorf Phaxam in Vientiane ein normales ziviles Leben zu führen. Am 16. Mai 2003 sandten laotische Regierungsvertreter eine Frau zu mir, die mir den Auftrag überbrachte, meine frühere Gruppe und meinen Vater zu kontaktieren, der ein spiritueller Führer ist und sich bis zum heutigen Tag im Dschungel versteckt hält. Wenn ich diesem Auftrag nicht nachkäme, sagte sie mir, würden die Regierungsvertreter dafür sorgen, dass ich für mindestens weitere 30 Jahre im Gefängnis verschwinde. Ich antwortete, dass ich nicht dazu bereit sei. (…).

Am 4. Juli 2003 beobachtete meine Ehefrau, dass diese Frau, Lee Her, die Druck auf mich ausgeübt hatte, damit ich meinen Vater und seine im Dschungel versteckte Gruppe kontaktiere, selbst verhaftet und ins Gefängnis gebracht wurde. (…)

Das Dorf Meuang Feaung, in dem ich später lebte, wurde offen von hochrangigen 4-Sterne-Khamoi-Behördenvertretern überwacht – und insgeheim von Geheimdienst-Agenten, von denen wir aber wussten, dass sie Agenten waren. Auch die Hmong, die nach wie vor im Dschungel versteckt lebten, wurden überwacht und häufig getötet. Wir fanden so viele tote Hmong im Dschungel – alle waren von Militärwaffen erschossen worden.

Am 28. Juni 2004 umstellten laotische Regierungsvertreter mein Haus, aber glücklicherweise war ich mit meinem Sohn draußen bei der Pflanzung. Am nächsten Morgen informierten mich mein Bruder Ge und meine Frau auf meinem Feld darüber, was am Vortag geschehen war und dass sie mich namentlich gesucht hätten. Sie sagten meiner Frau, dass sie für mich einen „Auftrag“ hätten, und durchsuchten das ganze Haus, als sie hörten, dass ich nicht zuhause war. Meine Frau schickte sie in dann in die falsche Richtung, um weiter nach mir zu suchen.

Mein Sohn und ich beschlossen, uns im Dschungel zu verstecken. (…)

Am 9. Juli 2004 beschlossen wir aus Laos zu fliehen und in Thailand Schutz zu suchen, wo wir am 15. Juli 2004 in Phetchabun eintrafen.“

Zeugenaussage von BLIAPAO XANGXU:

„Im Oktober 1990 flog ungefähr zur Mittagszeit ein Hubschrauber über unsere versteckte Siedlung, drehte drei Runden und verschwand wieder. Wir sahen wie gelblicher Regen niederfiel, auf die Erde, das Wasser, die Pflanzen, die Baumspitzen, auf alles. Der Körper meiner 60-jährigen Großmutter schwoll an, nachdem sie Wildpflanzen gesammelt und gegessen hatte. Die Haut bekam dunkle Flecken und fühlte sich ganz anders an, die Haut wurde ganz weich und schälte sich leicht. Es dauerte einen ganzen Monat voller Schmerzen, bis sie endlich starb.

Drei Jahre später, 1993, beschossen ungefähr 200 Soldaten der Bodentruppen das Versteck unserer zwölf Familien und töteten drei Personen, die sich in ihren Hütten aufhielten. Die Schüsse kamen aus der Ferne. Wir flohen in den Wald. Die Soldaten blieben einige Tage in unseren Hütten und zogen dann wieder ab. Wir kamen zurück, um unsere Toten zu begraben. (…)

Im November 2002 kamen der Bruder meiner Ehefrau und seine Ehefrau (die Namen werden in der Original-Aussage genannt, d. Übers.) von ihrer Suche nach Pflanzen und Wurzeln nicht zurück. Wir suchten nach ihnen, bis wir ihre Leichen ungefähr 10 Meter entfernt von dem Loch, wo sie nach Wurzeln gegraben hatten, fanden. Sie waren von den laotischen Soldaten nackt auf den Rücken gelegt worden, das Gesicht nach oben, die Hand des toten Ehemanns auf der Brust seiner toten Frau. Der Penis des toten Mannes war abgeschnitten und in den Mund seiner toten Frau gesteckt worden. Wir waren zutiefst schockiert und entsetzt, verletzt und voller Angst, nachdem wir die Toten begraben hatten. Wir zogen uns eilig in unsere versteckte Siedlung in Phoua Xeng zurück. (…)“

Video-Interview mit WAMENG THAO

„(…) Ich, Wameng Thao, kann mit den Laoten nicht kommunizieren, auch wenn ich am verhungern bin. Ich verstehe kein einziges Wort Lao. Ich wurde im tiefen Dschungel geboren und bin dort aufgewachsen. Meine Brüder Leexeng, Nhialue wurden gemeinsam mit Hao und Nhao von laotischen Soldaten getötet.

Es ist so traurig, zu diesem Zeitpunkt geboren worden zu sein und dass ich keine andere Sprache spreche. Ich kann weder lesen noch schreiben, ich kann noch nicht einmal den Kalender lesen oder richtig von eins bis zehn zählen…. Ich bin sehr traurig und niedergeschlagen. (…)

Was die chemischen Waffen betrifft, die sie auf uns gesprüht haben, und ihre Opfer: Am meisten betroffen waren die Kinder im Dschungel. Zwei der betroffenen Kinder waren meine eigenen. Sie sind beide gestorben. Pheng starb hier im Flüchtlingslager an den Folgen der Chemikalien, es gibt dafür Zeugen. Mein erstes Kind starb im Dschungel von Laos.

„Bitte helfen Sie, unser Leben zu retten“

Ich habe in Laos gelebt, aber ich kenne den Namen der Plätze und Dörfer in Laos nicht. Als wir in diesem Land und in diesem Lager ankamen, nannte uns die thailändische Regierung „illegale Einwanderer aus Laos“. Mit uns hat niemand geredet, nur mit der Leitung des Flüchtlingslagers, die nichts über uns Hmong aus dem Dschungel oder über unsere Situation weiß. Die Leiter des Flüchtlingslagers wissen gar nicht, wo die Dschungel-Hmong sind und um was es bei ihnen geht.

Meine Eltern leben noch immer im Dschungel. Wenn Sie mir nicht glauben, kommen Sie bitte und ich bringe Sie hin, damit sie es selber sehen können. Wenn im Dschungel keine Menschen leben, können Sie mir den Kopf abschlagen. Ich habe Respekt vor Ihnen. Bitte sprechen Sie über unser Thema und helfen Sie, unser Leben zu retten. Damit meine Eltern, die noch im Dschungel sind, und ich eine Chance haben, wieder zusammenzukommen.“

Mehr Augenzeugenberichte können Sie im GfbV-Report „Sie jagen uns wie Tiere“ lesen.

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