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Aktuelles News & Artikel Indigene Völker in der Arktis – Die ersten Opfer des Klimawandels

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Indigene Völker in der Arktis – Die ersten Opfer des Klimawandels

Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen

Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Göttingen
Nördlich des Polarkreises leben mehr als 30 indigene Völker von der Jagd auf Eisbären, Walrosse und Robben, von der Rentierhaltung, vom Fischfang und Sammeln. Seit Jahrhunderten konnten sie ihre Lebensweise den sich wandelnden Umweltbedingungen anpassen. Doch seitdem auf ihrem Gebiet Öl und Gas gefördert wird, ist alles anders geworden. Ihre Umwelt wurde zerstört und ihre Gesundheit beeinträchtigt.

Jetzt droht den 400.000 Ureinwohnern der Arktis die Vernichtung ihrer letzten Lebensgrundlagen. Denn hier vollzieht sich der Klimawandel, der durch das Verbrennen fossiler Energieträger wie Öl und Kohle in den Industriestaaten verursacht wird, zwei- bis dreimal schneller als im globalen Durchschnitt. Er lässt das ewige Eis schmelzen und verändert die Lebensbedingungen für Menschen, Flora und Fauna für immer: Die indigenen Völker der Arktis sind von den unmittelbaren und den indirekten Folgen der Ölpolitik als erste und am stärksten betroffen.

Was hat das mit uns zu tun?

Deutschland bezieht mit 35 Millionen Tonnen rund 30% seines importierten Erdöls sowie mit 35 Mrd. Kubikmetern 40% seines Erdgases aus Russland. Es kommt genau aus den Regionen, in denen die Indigenen leben. Durch unsere Lebensweise, d.h. durch die Verbrennung von Öl und Gas tragen wir zudem unmittelbar zur Erwärmung der Atmosphäre bei.

Rücksichtlose Öl- und Gasförderung in Sibirien

Verseuchte Landstriche, vergiftete Flüsse und Seen, hohe Luftverschmutzung durch das Abfackeln der Begleitgase – das sind direkte Folgen der rücksichtslosen Öl- und Gasförderung seit den 60er Jahren auf dem Gebiet indigener Gruppen in Sibirien. Viele mussten aufgrund der Umweltzerstörung ihre traditionelle Lebensweise aufgeben und leiden unter Alkoholismus und Arbeitslosigkeit. Krankheiten wie Tuberkulose und Krebs greifen um sich, die Lebenserwartung liegt bis zu 20 Jahren unter dem russischen Durchschnitt.

Noch immer werden neue Gebiete für die Öl- und Gasförderung erschlossen. So sind die 3500 Nivchen, Nanai, Oroken und Evenken auf der Insel Sachalin zurzeit akut bedroht: Eine Pipeline vom Süden in den Norden Sachalins soll 1.103 Flüsse und Bäche sowie die Weidegründe von Rentieren durchschneiden. Das Gebiet ist Erdbeben gefährdet und Lecks an der Pipeline oder Ölunfälle hätten für das empfindliche Ökosystem katastrophale Folgen.

Klimawandel zerstört Lebensgrundlagen

Indigene Völker auf drei Kontinenten – von den Saami in Lappland über die Evenken in Sibirien, die Yup´ik und Gwich´in in Alaska bis zu den Inuit in Grönland – spüren täglich die Folgen des Klimawandels in der Arktis. Was für Umweltschützer zum Weltnaturerbe zählt, ist für sie das Land ihrer Vorfahren und ihre Existenzgrundlage. Sie sehen ihr Recht auf Gesundheit, auf Nahrung, ihre Kultur, die Sicherheit ihrer Wohnorte und andere Menschenrechte verletzt. Sie müssen beobachten, wie Eisbären verhungern und bestimmte Pflanzen nicht mehr wachsen. Die Winter sind kürzer und wärmer geworden, Gletscher tauen und Menschen sterben, weil vertraute Wege auf dünnerer Eisdecke nicht mehr sicher sind. Ganze Dörfer mussten aufgrund von Küstenerosion und Stürmen umgesiedelt werden.

Wenn die Industrieländer nicht endlich verantwortungsvoll konsequent ihre Energiepolitik ändern und den Kohlendioxidausstoß reduzieren, schmilzt den Menschen in der Arktis der Boden immer weiter unter den Füßen weg. Doch die Reaktionen der Verantwortlichen sind erschütternd. Viele Unternehmen und Regierungen schauen nur auf die wirtschaftlichen Perspektiven, die eine eisfreie Arktis bietet. Für sie öffnen sich Seewege für preiswertere Rohstofftransporte, oder es tun sich neue Fischgründe auf. Der Wettlauf um die Ausbeutung weiterer Ressourcen hat bereits begonnen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich dafür ein, dass die indigenen Völker der Arktis stärker in die internationale Klimapolitik eingebunden werden. Als Betroffene und lokale Experten müssen sie nicht nur bei klimarelevanten Entscheidungsprozessen eine Stimme bekommen. Als erste Opfer des Klimawandels brauchen sie auch Unterstützung bei der Bewältigung der aktuellen Zerstörung.

WAS KÖNNEN SIE TUN?

– Beteiligen Sie sich an unserem Appell, dass Indigene auf der nächster Klimakonferenz Gehör finden müssen.

– Bitte appellieren Sie an die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, das gigantische Pipelineprojekt auf dem Land der Ureinwohner auf Sachalin nicht zu finanzieren.

E-Mail-Proteste finden Sie hier:

United Nations Framework Convention on Climate Change |>

Europäische Bank für Wiederaufbau- und Entwicklungshilfe (EBRD)  |>

The Honorable Rona Ambrose – Minister of the Environment and

President of the UN-Climate Conference in May – Canada  |>

– Machen Sie mit Veranstaltungen auf die Situation der indigenen Völker in der Arktis aufmerksam. Fordern Sie unser kostenloses Infoblatt und unsere Appellbriefe zum Verteilen oder Auslegen an.

– Setzen Sie sich auf kommunalpolitischer Ebene für die Realisierung nachhaltiger Energieprojekte eins. Regen Sie Partnerschaften zwischen Gemeinden und indigenen Völkern in der Arktis nach dem Beispiel des Klimabündnisses an. (www.klimabuendnis.org)

– Unterstützen Sie unsere Menschenrechtsarbeit durch Ihre Mitgliedschaft oder eine Spende.

DAS TUT DIE GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER

Mit Memoranden, Appellen, Presseerklärungen, Menschenrechtsaktionen und Veranstaltungen mit Betroffenen macht die GfbV auf die Situation indigener Völker in der Arktis aufmerksam. Wir geben ihnen mit unserer Arbeit auch hier in Mitteleuropa eine Stimme, führen zusammen mit ihren Repräsentanten Gespräche mit deutschen Politikern, aber auch im Europarat und bei der UN-Arbeitsgruppe Indigene. Die GfbV unterstützt die Proteste indigener Gruppen vor Ort. Auf der Insel Kamtschatka hat sie die traditionelle Fischfangflotte der Itelmenen wieder aufgebaut.

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>>Was wir heute erleben, werdet Ihr morgen erleben. Die Arktis ist das Barometer des Klimawandels, und die Inuit sind das Quecksilber in diesem Barometer.<<

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Sheila Watt-Cloutier, Vorsitzende des

Dachverbandes der Inuit aus Grönland,

Kanada, Alaska und Russland

„Inuit Circumpolar Conference“

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