Zum Internationalen Tag der Indigenen Völker am 9. August ruft die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) dazu auf, indigene Umwelt- und Menschenrechtsverteidiger weltweit wirksam zu schützen. Viele von ihnen begeben sich in große persönliche Gefahr, wenn sie für die Rechte ihrer Gemeinschaften, den Erhalt ihrer Territorien und den Schutz von Umwelt und Klima kämpfen. In verschiedenen Weltregionen werden sie dafür bedroht und oft auch angegriffen:
„Derzeit sorgen wir uns um Führungspersonen der Asháninka im Grenzgebiet zwischen Brasilien und Peru. Auf brasilianischer Seite werden unter anderem die Asháninka -Brüder Benki, Moisés, Wewito und Francisco Piyãko bedroht. Auf peruanischer Seite stehen die Asháninka Maria Elena Paredes und Arlindo Ruiz unter Druck. Für ihren Einsatz für die Rechte ihrer Gemeinschaften, den Schutz ihrer Gebiete und gegen illegale Ausbeutung brauchen sie dringend internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung“, erklärt Dr. Eliane Fernandes, GfbV-Referentin für Indigene Völker. „Denn sie verteidigen nicht nur ihre eigenen Interessen: Wälder und Flüsse, Klima und Biodiversität sind Lebensgrundlagen, die für uns alle von Bedeutung sind. Wer sie bedroht, greift damit unsere gemeinsame Zukunft an.“
Unsere langjährige Partnerin Jazmín Romero Epiayú in Kolumbien erlebt seit Jahren massive Bedrohungen durch bewaffnete Gruppen. Auch Tita Velásquez, ebenfalls Wayúu-Aktivistin, berichtet uns regelmäßig von Einschüchterungen und Drohanrufen. In Peru erhält die Präsidentin der Chapra-Nation Olivia Bisa Tirko wegen ihres Engagements für den Schutz ihres Territoriums und gegen die Ölförderung nahezu täglich Morddrohungen“, erklärt Jan Königshausen, GfbV-Referent für Indigene Völker. „Das ist Teil einer größeren, besorgniserregenden Entwicklung: Immer mehr Regierungen in Südamerika wollen den Zugang zu Rohstoffen und Agrarflächen erleichtern. Wer sich dieser Ausbeutung entgegenstellt, gerät zunehmend ins Visier. Angriffe auf indigene Menschenrechtsverteidiger sind daher keine Einzelfälle, sondern Ausdruck eines politischen Klimas, das den Schutz indigener Territorien systematisch untergräbt.“
In Russland werden Angehörige Indigener Völker, die sich für ihre Rechte einsetzen, seit Jahren systematisch kriminalisiert und mundtot gemacht. Wenn sie nicht schon ins Ausland geflohen sind, droht ihnen Haft. So wie den beiden Frauen Daria Egereva und Natalia Leongardt, deren Untersuchungshaft vor wenigen Tagen bis zum 15. September verlängert wurde. Sie werden seit dem 17. Dezember widerrechtlich festgehalten. Auch die indigenen Krimtataren werden auf der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Krim verfolgt und unterdrückt. Bei einem Bevölkerungsanteil von maximal noch 12 Prozent machen sie über die Hälfte der 351 politischen Gefangenen von der Krim aus, die in russischen Haftanstalten einsitzen. „Wir dürfen diese Menschen nicht vergessen! Die Bundesregierung, Regierungen der europäischen Partner und UN-Mechanismen müssen sich konsequent und ohne nachzulassen für ihre Freilassung einsetzen“, fordert Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV.
Auch die Maasai in Tansania sind beim Einsatz für ihre Rechte erheblichen Risiken ausgesetzt. „Menschenrechtsverteidiger, die sich gegen die Vertreibung ihrer Gemeinschaften und für den Erhalt ihres Landes einsetzen, müssen äußerst vorsichtig sein. Aus Angst vor Repressionen oder Verhaftungen halten sie sich bedeckt, sprechen nur mit Menschen ihres Vertrauens und bitten internationale Partner wie uns darum, ihre Namen nicht öffentlich zu nennen“, erklärt Laura Mahler, GfbV-Referentin für Subsahara-Afrika. Immer wieder würden sie von offiziellen Stellen eingeschüchtert. Einige sähen sich aus Sicherheitsgründen sogar gezwungen, Tansania zu verlassen. „Ihr Einsatz für die Landrechte der Maasai ist jedoch lebenswichtig – denn mit dem Verlust ihres Landes verlieren sie zugleich ihre Lebensgrundlage, ihre Kultur und ihre Zukunft“, so Mahler.
Die GfbV fordert die Bundesregierung daher auf, sich gegenüber ihren Partnerländern nachdrücklich für die Einhaltung verbindlicher Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen sowie das Übereinkommen ILO 169 über Indigene Völker einzusetzen. Der Schutz indigener Gemeinschaften und ihrer Vertreter muss ein fester Bestandteil deutscher Außen-, Entwicklungs- und Menschenrechtspolitik sein.
Den Appell im Wortlaut finden Sie hier:

Dr. Eliane Fernandes
Referentin für Indigene Völker
Thematische Schwerpunkte:
- Indigene Völker Brasiliens
- In freiwilliger Isolation lebende Völker
- Asháninka
- Javarital
- Klimawandel und indigene Rechte
E-Mail: e.fernandes@gfbv.de

Jan Königshausen
Referent für Indigene Völker
Thematische Schwerpunkte:
- Kolumbien
- Bolivien
- Wayúu
E-Mail: j.koenigshausen@gfbv.de
Telefon: +49 551 49 906 14

Sarah Reinke
Geschäftsführerin Menschenrechtsreferate
Thematische Schwerpunkte:
- Osteuropa
- Ukraine
- Armenien
- Sudan
E-Mail: s.reinke@gfbv.de
Telefon: +49 551 49906 13

Laura Mahler
Referentin für Subsahara-Afrika
Thematische Schwerpunkte:
- Namibia
- Ovaherero und Nama
- Maasai
- Tansania
- Westsahara
E-Mail: l.mahler@gfbv.de
Telefon: +49 3051 695 825 3