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Aktuelles News & Artikel Isoliert lebende Ureinwohner im peruanischen Amazonas bedroht

Isoliert lebende Ureinwohner im peruanischen Amazonas bedroht

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Ein großangelegtes Holzeinschlagsprogramm der peruanischen Regierung bedroht das Überleben von isoliert lebenden Indianern im Gebiet Madre de Díos im peruanischen Teil des Amazonas. Die beiden großen Holzfirmen „Christian“ und „Espinoza“ sind zusammen mit Hunderten von Holzfällern bereits bis an die Grenzen des Gebietes vorgedrungen, das als Siedlungsgebiet der Nahua, Amahuacas und Mashco-Piros gilt. Neben der unausweichlichen Gewalt beim Aufeinanderprallen von Eindringlingen und lokaler Bevölkerung schleppen die Holzfäller Krankheiten ein, gegen die die Ureinwohner keine körpereigenen Abwehrmittel besitzen.

Die Ureinwohner der Region nehmen diese Bedrohung nicht widerspruchslos hin. Organisiert von der „Ureinwohnerföderation der Bewohner des Flusses Madre de Díos und seiner Zuflüsse“, FENAMAD (Federación Nativa del Río Madre de Díos y Afluentes) besetzten am Dienstag, 18. Juli 2000, mehrere Hundert Indianer die größte Stadt der Region, Maldonado. FENAMAD hat auch die Verteidigung der nomadisierenden Gemeinschaften im Einzugsgebiet des Flusses Las Piedras gegen die Pläne des Ölkonzerns Mobil organisiert. Die Pläne liegen erst einmal auf Eis. FENAMAD wurde dafür im Jahr 1996 mit dem internationalen Menschenrechtspreis „Bartolomé de las Casas“ (Madrid) ausgezeichnet.

In der Region Madre de Díos, im Südosten Perus, leben 19 indianische Gemeinschaften. Drei dieser Völker – die Nahua (oder Yora), die Amahuacas, die Mashco-Piros – leben relativ abgeschirmt von der Außenwelt. Die kriegerische Verteidigung ihrer letzten Refugien und die bislang wenig erschlossenen Ressourcen dieser Ländereien beschränkten den Kontakt zur Außenwelt auf ein Minimum. Lediglich einige Missionare unterhielten ab den 1950er Jahren Kontakte mit ihnen. Dies bedeutet, dass sie ihren gesamten Lebensunterhalt – Jagen, Fischen und Sammeln – immer noch weitgehend im direkten Austausch mit Wald und Fluss bestreiten. Bricht ein Element durch äußere Störungen weg, gerät das gesamte komplexe System in Gefahr.

Erdölkonzerne und Holzfirmen, früher auch Goldsucher und Kautschukzapfer, drangen immer wieder in die Gebiete der Indianer vor, die sich ein Nomadenleben einigermaßen erhalten konnten. In den 80er Jahren unternahm der Erdölkonzerne Shell sowie 1996 Mobil Versuche, Öl zu fördern. In einer der Regionen der Erde mit der höchsten biologischen Vielfalt hatte dies teilweise fatale Folgen für Mensch und Natur: Die Erdölexploration von Shell in den 80er Jahren führte zum Tod von über 50 Angehörigen der Nahua. Die ‚Yaminahua‘ starben an Keuchhusten und Lungenentzündungen, eingeschleppt durch Shell-Arbeiter und Holzfäller. Auch Mobils Erkundungen per Hubschrauber im Mündungsgebiet des Flusses Las Piedras (an der Grenze zu Brasilien) schreckten z.B. das Wild auf.

Die Missachtung der Überlebensrechte indigener Völker ist nichts Neues. Die in der Region Madre de Díos siedelnden Harakmbut verloren im Zuge der Kolonisierung neun Zehntel ihrer Gesamtbevölkerung. Ihre Zahl sank von ursprünglich 30.000 auf 3.000 heute. Die Esse’Eja wurden von 16.000 auf 700 dezimiert. Dort, wo die Nomadenvölker heute leben, handelt es sich um die letzten Rückzugsgebiete, die ihnen noch verblieben und unabdingbar dafür sind, dass sie so leben können, wie sie es wollen.

Seit über einem Jahr wird über eine neue Verwaltungsstruktur und neue Flächennutzungspläne für das Departement Madre de Díos diskutiert. Vor diesem Hintergrund ist auch das Vordringen der Holzfäller zu sehen. Die Ureinwohner haben zwar Sitz und Stimme in der regionalen Umweltschutzkommission, befürchten aber zurecht, dass sie lediglich als Alibi missbraucht werden, um neue Besitzverhältnisse und Verfügungsrechte über Land und natürliche Ressourcen zu ihren Ungunsten zu schaffen.

Dabei sind die Ländereien durch die willkürlich gezogenen Reservatsgrenzen für einige Gemeinschaften jetzt schon zu klein, um allen Familien ein ökologisch verträgliches Auskommen zu gewährleisten. Die Gesetze zum Besitz von Land macht aus ‚Völkern‘ einzelne Dorfgemeinschaften, die wie kleine Inseln, umgeben von Niemandsland, unter staatlicher Kontrolle stehen, statt zusammenhängender Gebiete, wie dies den Lebensumständen der Ureinwohner eigentlich entsprechen würde. So verteilen sich die Angehörigen der Esse’Eja auf drei rechtlich voneinander isolierte Gemeinschaften. Dadurch ist es ihnen unmöglich, die Nutzung ihres Landes – etwa die Aufteilung in großräumige Tabu- bzw. Schutzzonen – ökologisch sinnvoll zu planen. Sie sind nun leichter anfällig dafür, gegeneinander ausgespielt zu werden, wenn kommerzielle Projekte durchgeführt werden sollen. Ebenso in Kleinstflächen gegliedert ist das Land der Dorfgemeinschaften der Harakmbut, Shipibo und Matsigenka. Auch deswegen ist es so wichtig, dass die Indianer mit ihren Aktionen ihre traditionellen, vor allem territorialen Rechte durchsetzen.

Erste Proteste im Jahr 1999 gegen die Lizenzvergabe an einheimische Holzfirmen, ebenfalls organisiert von der Dachorganisation FENAMAD, veranlassten die Regierung Fujimori, die Aufsicht über das Waldmanagement vom Landwirtschaftsministerium auf das staatliche Institut für natürliche Ressourcen zu übertragen. Besorgt um sein Image damals als Präsidentschaftskandidat, sollte Betroffenen, Menschenrechtsaktivisten und Umweltschützern ein neuer Blickwinkel signalisiert werden. Nachdem Fujimori sein Ziel zunächst erreicht hat, erneut Präsident zu werden, befürchtet FENAMAD allerdings einen Einbruch und eine Ausweitung der Einschlaglizenzen auf japanische Holzkonzerne. Internationale Unterstützung für die Ureinwohner ist also dringend geboten. Die Gesellschaft für bedrohte Völker führt dazu eine Eilaktion durch.

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