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Aktuelles News & Artikel Keine gesunde Umgebung für bleigeschädigte Roma-Flüchtlinge

UPDATE: Das Flüchtlingslager "Osterode" im Kosovo

Keine gesunde Umgebung für bleigeschädigte Roma-Flüchtlinge

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Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.

Im Februar 2006 begann die Umsiedlung der Roma und Aschkali aus den bleiverseuchten Flüchtlingslagern Žitkovac/Zhitkoc und Kablare/Kablar in Nord-Mitrovica/Nord-Mitrovicё in die ehemalige französische Militärbasis „Osterode“, die nur 50 m von der schwermetallverseuchten Halde der Bleischmelzanlage der „Trepca Mines Company“ entfernt ist.

Seit 1999 mussten in den oben genannten Flüchtlingslagern sowie im Flüchtlingslager Česmin Lug/Cesminlukё 560 „Insassen“, die Angehörigen der Roma und Aschkali, ausharren, nachdem sie im selben Jahr im Zuge des Kosovo-Krieges von extremistischen Albanern aus ihren Häusern im Süden von Mitrovica/Mitrovicë vertrieben wurden. Im Gebiet um die Lager herum gibt es extrem hohe Konzentrationen von Blei und anderen Schwermetallen im Boden und in der Luft, so dass alle Lagerbewohner seit Jahren einer sehr hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt sind und an Bleivergiftung leiden.

Trotz nachdrücklicher Forderungen der GfbV, die Lagerbewohner in eine unbelastete Region umzusiedeln und dort schnell mit der medizinischen Behandlung zu beginnen, wurden nun bis Anfang September 457 Personen, darunter 183 Kinder unter 15 Jahren in dieses ehemalige Militärlager der französischen KFOR-Soldaten verlegt. Die für die Flüchtlingslager verantwortliche Übergangsverwaltung der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK) rechtfertigte dieses vom medizinischen Standpunkt aus umstrittene Vorhaben damit, dass durch Abtragen der bleibelasteten oberen und Abdeckung der unteren Erdschichten mit einem Zementbelag sowie durch bessere Bedingungen wie die verbesserte medizinische Behandlung, die regelmäßige Lebensmittelversorgung sowie durch ausreichende sanitäre Anlagen eine Gesundheitsgefährdung der Flüchtlinge im Flüchtlingslager Osterode reduziert wird. Somit werden die gesundheitliche Belastung im Lager „Osterode“ durch Schwermetallbelastung der Luft und die daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen für die vergifteten Menschen in Kauf genommen.

Den in Osterode untergebrachten Flüchtlingen stehen seit Februar 2006 ein Arzt und eine Krankenschwester sowie eine kleine „Klinik“ zur Verfügung. Nach Angaben des Leiters der UNMIK-Mission im Kosovo, Herrn Joachim Rücker, wurde am 2. September 2006 auch mit der medizinischen Behandlung der Bleivergiftung begonnen. Aufgrund dessen wurde das medizinische Personal um einen weiteren amerikanischen Arzt, zwei lokale Kinderärzte mit einem Assistenzarzt, fünf Krankenschwestern und fünf Roma Helfer aufgestockt. Dabei widmen sich die Ärzte mit ihrer Behandlung vorrangig den Kindern und den schwangeren Frauen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat Ende Oktober 2005 einen der europaweit ausgezeichneten Spezialisten für Schwermetallvergiftung, den Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow, mit einer „Fact Finding-Mission“ in den Kosovo gesandt. Herr Runow hat Blutproben und 66 Haarproben genommen. Die Bleiwerte der Flüchtlinge überstiegen bei allen Proben den Grenzwert mindestens um das 20fache, bei mehreren Kindern waren sie noch extremer auf das 1200fache erhöht. Dazu kamen bei vielen Proben sehr hohe Kadmium-und Arsenwerte.

„Therapie und Entgiftung sind nicht an dem Ort der Belastung möglich. Man kann die Flüchtlinge erst heilen, wenn es zu einem Expositionsstopp gekommen ist. Natürlich sind die Lebensbedingungen auf dem ehemaligen Militärstützpunkt besser geworden, doch was haben die Flüchtlinge davon, wenn sie weiter an Schwermetallvergiftung leiden müssen?“, schrieb der Umweltmediziner Klaus-Dietrich Runow (1) in einem Brief an die GfbV im Zusammenhang mit der Umsiedlung in das Lager „Osterode“.

Der Leiter des GfbV-Teams Paul Polansky bekräftigte in einem Bericht an die Gesellschaft für bedrohte Völker v. 05.09.2006: “ Nach Aussagen aller Ärzte, die Osterode besucht haben, ist das kein sicherer Ort um Menschen zu behandeln – insbesondere Kinder mit hohen Bleiwerten.“ Nach aktuellen Angaben wurde von der WHO bei 39 Kindern ein Bleiwert von über 45 mg/dl gemessen. Bisher wurden jedoch erst 16 Kinder behandelt. Aus früheren Studien der WHO von den Jahren 2000, 2004, 2005 und 2006 ist zu entnehmen, dass bei einigen Kindern Bleiwerte von über 70 mg/ dl vorlagen. Beim Auftreten solcher hoher Bleikonzentrationen stellt die Gesundheitsbehörde von New York State (New York State Health Department) für Kinder fest, dass diese „umgehend ins Krankenhaus eingewiesen werden müssen“ und nicht in die verseuchte Gegend zurück dürften.(2)

Kinder aus „Osterode“ mit stark erhöhten Bleiwerten müssten zur Behandlung eigentlich ins Krankenhaus nach Belgrad gebracht werden. Da sich jedoch bisher weder die WHO noch UNMIK dafür verantwortlich fühlen, die Kranken nach Belgrad zu fahren, bleibt abzuwarten, wie effektiv die neu eingeleitete Behandlung der Bleivergiftung wirklich ist.

Detaillierte Informationen, siehe den Bericht der GfbV zu Flüchtlingslager „Osterode“

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1 Siehe dazu „Höchste jemals in menschlichem Haar nachgewiesene Bleibelastung“ – Unter den Augen der UNMIK: 560 Roma-Flüchtlinge im Kosovo seit 1999 tödlich giftigen Schwermetallen ausgesetzt.

2 www.health.state.ny.us/nysdoh/lead/handbook/phc5.htm

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