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Wenn es die internationale Gemeinschaft mit dem Kampf gegen radikale Islamisten in Nordwestafrika ernst meint, dann darf sie nicht erneut Lösegeld für die Freilassung ihrer entführten Staatsbürger zahlen, fordert die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV). „Denn die Islamisten in der Sahara finanzieren ihren Kampf maßgeblich mit Lösegeld, das von europäischen Staaten erpresst wurde“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Donnerstag in Göttingen. „Wer die Islamisten stoppen will, muss ihre Finanzierungs-Netzwerke zerstören. Das ist wirksamer als jede EU-Ausbildungsmission für Malis Armee.“
Mit erpresstem Lösegeld aus Europa schaffen Malis radikale Islamisten finanzielle Anreize für arbeitslose junge Männer in Nord-Mali, um sich als Söldner für die Terrorgruppen zu verdingen. „Denn die meisten Kämpfer, die nun der französischen Armee gegenüber stehen, sind keine überzeugten Islamisten“, sagte Delius. „Sie haben sich vor allem aus finanziellen Gründen den Aufständischen angeschlossen.“
Die GfbV erinnerte daran, dass die Islamisten in der Sahara in den letzten zehn Jahren Entführungen zum lukrativsten Wirtschaftszweig der Region gemacht haben. Mit immer neuen Lösegeldzahlungen steigen die von den Terroristen verlangten „Preise“ für Geiselbefreiungen. So mussten im Jahr 2010 durchschnittlich 4,5 Millionen US-Dollars für die Freilassung einer Geisel durch El Kaida im Maghreb gezahlt werden. Im Jahr 2011 waren es bereits 5,4 Millionen US-Dollars, die für die gleiche „Leistung“ gefordert wurden. Auch Deutschland soll im Jahr 2003 für die Freilassung von verschleppten Touristen 4,6 Millionen Euro an Entführer gezahlt haben. Mehrere Dutzend Millionen Euro sollen die radikalen Islamisten Schätzungen zufolge in den letzten zehn Jahren als Lösegeld erpresst haben.
Die radikalen Islamisten unterhalten ein dichtes Netzwerk in der Sahara und tauschen Geiseln auch untereinander aus. Da Ausländer seit längerem aus Sicherheitsgründen Nord-Mali meiden, lässt El Kaida Ausländer auch in Mauretanien, Niger und Algerien entführen.
„Für die Regierungen der entführten Staatsbürger und für die Angehörigen der Geiseln ist die Verweigerung der Lösegeldzahlung natürlich eine schwierige Entscheidung“, erklärte Delius. Denn es ist zu befürchten, dass die Geiseln dann kaltblütig ermordet werden. Malis Islamisten kennen keine Gnade mit den Entführten. Selbst Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die Entwicklungsprojekte gemeinsam mit Tuareg betrieben, wurden von ihnen bereits hingerichtet.

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