Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Mindestens 78.000 Menschen sind seit Ausbruch des neuen Tuareg-Konfliktes im Norden Malis vor vier Wochen vor Gewalt und Übergriffen geflohen. Dies erklärte die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Samstag in Göttingen. „Alleine in den letzten fünf Tagen sind 59.000 Tuareg und Angehörige anderer Bevölkerungsgruppen aus dem Krisengebiet geflüchtet“, erklärte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius. „Angesichts der Massenflucht muss die internationale Staatengemeinschaft dringend konkrete Friedensinitiativen für den Norden Malis ergreifen.“ Ein Aufruf der französischen Regierung zum sofortigen Widerstand stieß auf keine nennenswerte Resonanz.
Von den mindestens 78.000 Flüchtlingen haben 40.000 Menschen in den Nachbarländern Malis Zuflucht gesucht. Rund 15.000 erbaten in Niger Schutz, 12.000 trafen in Mauretanien ein, 8.000 Menschen nahm Burkina Faso auf und 5.000 Personen suchten in Algerien Schutz. Täglich nimmt die Zahl der Flüchtlinge zu, die in den Nachbarstaaten Zuflucht suchen.
Doch auch in Mali hält das Flüchtlingselend an. So leben mindestens 38.000 Menschen als Binnenvertriebene aufgrund der anhaltenden Kämpfe zwischen der Tuareg-Freiheitsorganisation „Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad (MNLA)“ und der Regierungsarmee im Norden Malis. Allein aus der Stadt Menaka in der Region Gao sind rund 26.000 Menschen geflohen. Auch in der Region Timbuktu sind nach Schätzungen lokaler Organisationen weit mehr als 10.000 Menschen auf der Flucht.
„Die Massenflucht von Tuareg und anderen Bewohnern dieser kargen Region droht die sich abzeichnende Hungerkatastrophe in der Sahelzone noch weiter zu verschärfen“, erklärte Delius. „Denn auch dort, wo die Flüchtlinge nun Schutz suchen, fehlt es bereits heute an Nahrungsmitteln.“ Die Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) hatte in dieser Woche davor gewarnt, dass schon bald rund elf Millionen Menschen in der Sahelzone unter einer Hungerkatastrophe leiden könnten. Auch werden die militärischen Auseinandersetzungen die Versorgung der Not leidenden Bevölkerung weiter erschweren.

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