Hinweis zum Sprachgebrauch in älteren Beiträgen
Der folgende ältere Beitrag kann Sprache und Formulierungen enthalten, die heute nicht mehr den Ansprüchen einer diskriminierungsfreien und sensiblen Ausdrucksweise entsprechen. Er wurde im historischen Kontext verfasst und bewusst unverändert gelassen, um unsere jahrzehntelange Menschenrechtsarbeit zu dokumentieren.
Eine Woche nach der Verschleppung von bis zu 234 Schülerinnen durch Kämpfer der islamistischen Boko-Haram-Sekte hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am Dienstag scharfe Kritik an Nigerias Regierung und Sicherheitskräften geübt. Es sei ein Armutszeugnis, dass es noch immer weder zuverlässige Angaben über die Zahl der Entführten noch realistische Informationen über ihren Verbleib gebe. „Die Bemühungen für ihre Freilassung müssen dringend verstärkt werden“, forderte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius in Göttingen. „Nigerias Polizei, Armee und Gouverneure verspielen ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie die Öffentlichkeit über das Schicksal der Entführten bewusst täuschen.“
Die Armee hatte am Gründonnerstag behauptet, 121 von 129 Schülerinnen, die drei Tage zuvor verschleppt worden waren, seien wieder frei. Doch schon wenige Stunden später widersprachen Eltern und Lehrer dieser offiziellen Darstellung und erklärten, sie hätten noch kein Lebenszeichen der Mädchen. Über die Ostertage wurden immer neue Zahlen genannt. Doch die Angaben der Behörden und Sicherheitskräfte auch über die Gesamtanzahl der Entführten blieben widersprüchlich. Angehörige der Verschleppten erklärten schließlich am Abend des Ostermontag, das Schicksal von 234 Mädchen sei noch immer ungeklärt und nur 39 sei die Flucht geglückt.
„Der Umgang von Nigerias Behörden und Sicherheitskräften mit dem Geiseldrama ist typisch für ihr Versagen beim Schutz der Zivilbevölkerung im Kampf gegen islamistische Gewalt“, kritisierte Delius. „Mehr als 3.000 Menschen starben in Nord-Nigeria im Kampf gegen den islamistischen Terror von Boko Haram seit der Verhängung des Ausnahmezustands in den drei Bundesstaaten Borno, Adamawa und Yobe im Mai 2013. Die meisten Opfer waren Zivilisten. Die Terrorgruppe Boko Haram ist heute präsenter denn je zuvor in der Region, selbst wenn sich Nigerias Militärs und Politiker siegesgewiss geben.“
Die entführten Schülerinnen wurden von den schwer bewaffneten Angreifern mit Lastwagen abtransportiert und vermutlich in bestens gesicherte Lager der Terrorbewegung in den Sambisa-Wald gebracht, der rund 50 Kilometer von der überfallenen Schule entfernt ist.
Ulrich Delius, der Afrikareferent der Gesellschaft für bedrohte Völker, ist erreichbar unter Tel. 0551 49906 27 oder 65]G378o2<:C72.

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